„Irgendwann waren alle still“ - Europameister Florian Kranzmann über seine Erfahrungen beim Turnier in Kroatien Sebastian Külbel Minden. Florian Kranzmann ist das neue Paradebeispiel für den Dankerser Weg. Für die Handball-Talente des Ausbildungsvereins GWD Minden sind die Nachwuchs-Nationalteams das größte Ziel neben dem Sprung in den Profi-Kader. Der 18-jährige Linksaußen hat diesen Weg bei seinem ersten großen Turnier sogar gekrönt, als er am Sonntag mit der DHB-Auswahl bei der U19-EM in Kroatien Gold gewann. Im MT-Interview spricht er über die Belohnung eines anstrengenden Sommers. Gibt es schon einen Platz für die Goldmedaille? Nein, das muss ich mir noch überlegen. Sie kommt auf jeden Fall an einen besonderen Ort. Erstes großes Turnier, erster Titel – ein Sportler-Traum. Natürlich, das hatte ich so nicht erwartet. Wir hatten uns schon Hoffnungen auf das Halbfinale gemacht. Dass es dann aber bis ins Finale geht und wir dann auch noch gewinnen, ist wirklich ein Traum. War es das perfekte Turnier mit sechs Siegen und nur einem Unentschieden? Wir hatten ja schon ziemlich viele Ausfälle vor und während des Turniers. Wir sind deshalb als Mannschaft nochmal enger zusammen gerückt, jeder ist für den anderen da gewesen. Das Unentschieden war dann auch komplett egal, und mit diesem Finale war es vielleicht so etwas wie das perfekte Turnier. Das endete 34:20 gegen Gastgeber Kroatien – eine echt Ansage. Wir konnten es auf der Bank gar nicht glauben, dass die Kroaten irgendwann aufgegeben haben, weil sie keine Chance hatten. Und das in eigener Halle. Neben den anderen Mannschaften waren wirklich recht viele Kroaten da, so um die 300. Darunter war auch eine Gruppierung, in der alle schwarz gekleidet waren und die gesungen haben. Irgendwann waren sie aber ruhig. Das war ein gutes Gefühl, obwohl es natürlich mehr Spaß macht, vor lauten Zuschauern zu spielen, auch vor gegnerischen. Aber als dann nach der Pause alle still waren, war das natürlich cool für uns. Du selbst warst auch von einer Verletzung betroffen, wie sieht es damit aus? Ich bin im Spiel gegen Dänemark nach dem harten Einsteigen eines Gegenspielers umgeknickt, hatte dann im Fuß Probleme und habe zwei Tage Pause gemacht. Es war aber dann nicht so schlimm, dass ich nicht hätte weiter spielen können. Es ist von Tag zu Tag besser geworden, und ich habe auch jetzt ein gutes Gefühl. War es Dir wichtig, am Dienstag gleich wieder zum Training zu gehen? Trainer Frank Carstens hat mir zwar gesagt, ich könne auch erstmal zwei Tage frei machen und langsam einsteigen. Ich habe mich aber gut gefühlt und wollte einfach zur Mannschaft, um auch im Testspiel gegen Lemgo am Mittwoch dabei zu sein. Deshalb war ich direkt wieder da. Einige Talente wie Dein neuer Mitspieler Magnus Holpert haben auf die EM verzichtet. Bist Du froh, gefahren zu sein? Natürlich habe ich ein bisschen überlegt, mir war aber schnell klar, dass ich das machen möchte. Frank Carstens und Hotti Bredemeier (GWD-Vorsitzender, Anm. d. Red.) haben mich dabei sehr unterstützt. Denn man kann sich bei so einem Turnier handballerisch entwickeln und Verantwortung übernehmen in einer jungen Mannschaft. Gibt die Goldmedaille Schwung für die Saison? Auf jeden Fall. Es ist ein Super-Erlebnis gewesen, und es bringt auch Selbstvertrauen. Nach der kurzen letzten Saison hat das Turnier auch gut getan. Sieben Spiele in elf Tagen und die ganzen Vorbereitung waren gut, um wieder in den Rhythmus zu kommen – obwohl es anstrengend war. Du musstest auch auf den Sommerurlaub verzichten. Ich hatte schon zwei Wochen Pause, in der Zeit bin ich nach Minden gezogen. Es war auf jeden Fall ein anstrengender Sommer, ich studiere ja auch noch nebenbei BWL an einer Fernuni. Beim Turnier kommt auch die geistige Belastung dazu. Aber man hat sich am Ende ja belohnt, und deswegen nimmt man das gerne in Kauf. Steigen als Europameister Deine Ansprüche im Team? Nein, das würde ich nicht sagen. Die Bundesliga ist dann schon noch etwas anderes.

„Irgendwann waren alle still“ - Europameister Florian Kranzmann über seine Erfahrungen beim Turnier in Kroatien

„Sie kommt an einen besonderen Ort“: Florian Kranzmann ist stolz auf seine Goldmedaille, die er mit der deutschen Nationalmannschaft bei der U19-EM gewann. MT-Foto: Sebastian Külbel

Minden. Florian Kranzmann ist das neue Paradebeispiel für den Dankerser Weg. Für die Handball-Talente des Ausbildungsvereins GWD Minden sind die Nachwuchs-Nationalteams das größte Ziel neben dem Sprung in den Profi-Kader. Der 18-jährige Linksaußen hat diesen Weg bei seinem ersten großen Turnier sogar gekrönt, als er am Sonntag mit der DHB-Auswahl bei der U19-EM in Kroatien Gold gewann. Im MT-Interview spricht er über die Belohnung eines anstrengenden Sommers.

Gibt es schon einen Platz für die Goldmedaille?

Nein, das muss ich mir noch überlegen. Sie kommt auf jeden Fall an einen besonderen Ort.

Erstes großes Turnier, erster Titel – ein Sportler-Traum.

Natürlich, das hatte ich so nicht erwartet. Wir hatten uns schon Hoffnungen auf das Halbfinale gemacht. Dass es dann aber bis ins Finale geht und wir dann auch noch gewinnen, ist wirklich ein Traum.

War es das perfekte Turnier mit sechs Siegen und nur einem Unentschieden?

Wir hatten ja schon ziemlich viele Ausfälle vor und während des Turniers. Wir sind deshalb als Mannschaft nochmal enger zusammen gerückt, jeder ist für den anderen da gewesen. Das Unentschieden war dann auch komplett egal, und mit diesem Finale war es vielleicht so etwas wie das perfekte Turnier.

Das endete 34:20 gegen Gastgeber Kroatien – eine echt Ansage.

Wir konnten es auf der Bank gar nicht glauben, dass die Kroaten irgendwann aufgegeben haben, weil sie keine Chance hatten.

Und das in eigener Halle.

Neben den anderen Mannschaften waren wirklich recht viele Kroaten da, so um die 300. Darunter war auch eine Gruppierung, in der alle schwarz gekleidet waren und die gesungen haben. Irgendwann waren sie aber ruhig. Das war ein gutes Gefühl, obwohl es natürlich mehr Spaß macht, vor lauten Zuschauern zu spielen, auch vor gegnerischen. Aber als dann nach der Pause alle still waren, war das natürlich cool für uns.

Du selbst warst auch von einer Verletzung betroffen, wie sieht es damit aus?

Ich bin im Spiel gegen Dänemark nach dem harten Einsteigen eines Gegenspielers umgeknickt, hatte dann im Fuß Probleme und habe zwei Tage Pause gemacht. Es war aber dann nicht so schlimm, dass ich nicht hätte weiter spielen können. Es ist von Tag zu Tag besser geworden, und ich habe auch jetzt ein gutes Gefühl.

War es Dir wichtig, am Dienstag gleich wieder zum Training zu gehen?

Trainer Frank Carstens hat mir zwar gesagt, ich könne auch erstmal zwei Tage frei machen und langsam einsteigen. Ich habe mich aber gut gefühlt und wollte einfach zur Mannschaft, um auch im Testspiel gegen Lemgo am Mittwoch dabei zu sein. Deshalb war ich direkt wieder da.

Einige Talente wie Dein neuer Mitspieler Magnus Holpert haben auf die EM verzichtet. Bist Du froh, gefahren zu sein?

Natürlich habe ich ein bisschen überlegt, mir war aber schnell klar, dass ich das machen möchte. Frank Carstens und Hotti Bredemeier (GWD-Vorsitzender, Anm. d. Red.) haben mich dabei sehr unterstützt. Denn man kann sich bei so einem Turnier handballerisch entwickeln und Verantwortung übernehmen in einer jungen Mannschaft.

Gibt die Goldmedaille Schwung für die Saison?

Auf jeden Fall. Es ist ein Super-Erlebnis gewesen, und es bringt auch Selbstvertrauen. Nach der kurzen letzten Saison hat das Turnier auch gut getan. Sieben Spiele in elf Tagen und die ganzen Vorbereitung waren gut, um wieder in den Rhythmus zu kommen – obwohl es anstrengend war.

Du musstest auch auf den Sommerurlaub verzichten.

Ich hatte schon zwei Wochen Pause, in der Zeit bin ich nach Minden gezogen. Es war auf jeden Fall ein anstrengender Sommer, ich studiere ja auch noch nebenbei BWL an einer Fernuni. Beim Turnier kommt auch die geistige Belastung dazu. Aber man hat sich am Ende ja belohnt, und deswegen nimmt man das gerne in Kauf.

Steigen als Europameister Deine Ansprüche im Team?

Nein, das würde ich nicht sagen. Die Bundesliga ist dann schon noch etwas anderes.

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