Heuballen, Rinderfutter und Silomais: Landwirte aus der Region senden Hilfe in die Hochwassergebiete Stefanie Dullweber Hille-Eickhorst. „Als wir die Bilder von den Wassermassen in den Nachrichten gesehen haben, war klar, dass das Hochwasser nicht nur das Futter sondern die gesamte Ernte vernichtet hat“, sagt Britta Gedantis. Auf einer mehrseitigen Liste vermerkt die Hillerin, welcher Landwirt etwas für die vom Hochwasser betroffenen Kollegen gespendet hat. Mittlerweile beteiligen sich 65 Betriebe aus der näheren Umgebung an der Hilfsaktion, die kurz nach der Katastrophe ins Leben gerufen wurde. „Das hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt.“ Während das Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unermessliche Schäden anrichtet, überlegen Marko Gedantis und Manuel Bollmeier, wie sie helfen können. Sie richten eine Whatsapp-Gruppe ein, vernetzen sich mit anderen Bauern und bekommen wahnsinnig viel Unterstützung. Nach drei Stunden hatten sich bereits 25 Landwirte und Lohnunternehmer zusammengeschlossen und wollten sich an einer Hilfsaktion beteiligen. Vor eineinhalb Wochen dann machte sich der der erste Lastwagen mit Silage-Ballen auf den Weg vom Mühlenkreis in eine der vom Unwetter betroffenen Regionen. Seitdem sind sieben Züge gestartet – und nach wie vor melden sich Kollegen, die die Aktion unterstützen wollen. „Bis Freitagmittag haben wir 1.156 Ballen Heu bekommen. Teilweise werden sie geliefert, teilweise holen wir die Spenden ab“, sagt Britta Gendatis. Außerdem stehen auf ihrer Liste dutzende Silageballen, spezielles Rinderfutter und 25 Tonnen Silomais. Ihr Handy steht seit Tagen kaum noch still. „Alle packen mit an.“ Am Freitagabend treffen sich die Helfer am Stall der Familie von Behren in Eickhorst, um zwei Lastwagen mit Heuballen zu beladen. Am Samstagmorgen rollen die Transporter vom Hof. „Eigentlich wird das Futter zu Sammelstellen in den betroffenen Gebieten gebracht. Diesmal geht das Heu direkt an einen Ponyhof in Erftstadt“, erklärt Britta Gendatis. Bereits am Samstagmittag bekommt die Eickhorsterin eine Sprachnachricht von der Besitzerin, die sich unter Tränen für die Hilfe bedankt. Heimische Speditionen und Lohnunternehmen haben angeboten, die Transporte in die Katastrophengebiete zu übernehmen. Die Züge sechs und sieben übernimmt die Firma Budde aus Eickhorst und erklärt sich zusätzlich bereit, Müll und Schutt aus den zerstörten Ortschaften mit zurückzunehmen und in die Verbrennungsanlage nach Bielefeld zu bringen. Als Katrin von Behren der Aufruf über eine WhatsApp-Gruppe erreichte, musste sie nicht lange überlegen und spendete 20 Quaderballen Heu. „Darüber muss man gar nicht reden, das ist selbstverständlich. Bei so einer Tragödie fühlst du einfach mit. Ich mag mir gar nicht vorstellen, selber in solch eine Situation zu kommen“, sagt die Eickhorsterin. Die Solidarität unter den Landwirten sei groß. „Auch wenn wir niemanden in den Unwettergebieten persönlich kennen.“ Ihr seien vor allem Bilder im Gedächtnis geblieben, wie Menschen aus einem Altenheim mit Trecker und Frontlader evakuiert wurden. Das sei bürgernahe, schnelle Hilfe. „Landwirte denken einfach pragmatisch, sie wissen, was gebraucht wird und packen unbürokratisch mit an. Schade, dass unsere Arbeit häufig so wenig wertgeschätzt wird.“ Helge Wengenroth aus Hille hat an diesem Abend zehn Quaderballen Heu abgeladen, die auf den Lastwagen gestapelt werden. Seine Gedanken sind vor allem bei den Kollegen, die ihre Tiere im Hochwasser verloren haben. „Und ihre Ernte ist auch vernichtet.“ Sie hätten auf ihrem Hof 63 Siloballen extra gepresst, die gelagert und später im Jahr bei Bedarf geliefert werden sollen. „Die Landwirte brauchen ja nicht nur aktuell Hilfe, sondern verteilt über die nächsten Monate.“ Mit-Organisator Manuel Bollmeier glaubt, dass die Betroffenen noch gar nicht realisiert haben, was das Hochwasser noch nach sich zieht. „Die stehen alle noch unter Schock.“ Umso wichtiger sei die Unterstützung der Kollegen. „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten.“

Heuballen, Rinderfutter und Silomais: Landwirte aus der Region senden Hilfe in die Hochwassergebiete

Der Lastwagen, der am Freitagabend in Eickhorst beladen wurde, war bereits am Samstagmittag im Hochwassergebiet. Ein Ponyhof in Erftstadt wurde mit den Futterspenden beliefert. MT-Foto: Stefanie Dullweber © sbo

Hille-Eickhorst. „Als wir die Bilder von den Wassermassen in den Nachrichten gesehen haben, war klar, dass das Hochwasser nicht nur das Futter sondern die gesamte Ernte vernichtet hat“, sagt Britta Gedantis. Auf einer mehrseitigen Liste vermerkt die Hillerin, welcher Landwirt etwas für die vom Hochwasser betroffenen Kollegen gespendet hat. Mittlerweile beteiligen sich 65 Betriebe aus der näheren Umgebung an der Hilfsaktion, die kurz nach der Katastrophe ins Leben gerufen wurde. „Das hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt.“

Während das Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unermessliche Schäden anrichtet, überlegen Marko Gedantis und Manuel Bollmeier, wie sie helfen können. Sie richten eine Whatsapp-Gruppe ein, vernetzen sich mit anderen Bauern und bekommen wahnsinnig viel Unterstützung. Nach drei Stunden hatten sich bereits 25 Landwirte und Lohnunternehmer zusammengeschlossen und wollten sich an einer Hilfsaktion beteiligen. Vor eineinhalb Wochen dann machte sich der der erste Lastwagen mit Silage-Ballen auf den Weg vom Mühlenkreis in eine der vom Unwetter betroffenen Regionen. Seitdem sind sieben Züge gestartet – und nach wie vor melden sich Kollegen, die die Aktion unterstützen wollen.

„Bis Freitagmittag haben wir 1.156 Ballen Heu bekommen. Teilweise werden sie geliefert, teilweise holen wir die Spenden ab“, sagt Britta Gendatis. Außerdem stehen auf ihrer Liste dutzende Silageballen, spezielles Rinderfutter und 25 Tonnen Silomais. Ihr Handy steht seit Tagen kaum noch still. „Alle packen mit an.“

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Patrick Schwemmling

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Am Freitagabend treffen sich die Helfer am Stall der Familie von Behren in Eickhorst, um zwei Lastwagen mit Heuballen zu beladen. Am Samstagmorgen rollen die Transporter vom Hof. „Eigentlich wird das Futter zu Sammelstellen in den betroffenen Gebieten gebracht. Diesmal geht das Heu direkt an einen Ponyhof in Erftstadt“, erklärt Britta Gendatis. Bereits am Samstagmittag bekommt die Eickhorsterin eine Sprachnachricht von der Besitzerin, die sich unter Tränen für die Hilfe bedankt.

Britta Gendatis vermerkt auf einer Liste, wer welches Futter für die vom Hochwasser betroffenen Betriebe spenden kann. - © Stefanie Dullweber
Britta Gendatis vermerkt auf einer Liste, wer welches Futter für die vom Hochwasser betroffenen Betriebe spenden kann. - © Stefanie Dullweber

Heimische Speditionen und Lohnunternehmen haben angeboten, die Transporte in die Katastrophengebiete zu übernehmen. Die Züge sechs und sieben übernimmt die Firma Budde aus Eickhorst und erklärt sich zusätzlich bereit, Müll und Schutt aus den zerstörten Ortschaften mit zurückzunehmen und in die Verbrennungsanlage nach Bielefeld zu bringen.

Als Katrin von Behren der Aufruf über eine WhatsApp-Gruppe erreichte, musste sie nicht lange überlegen und spendete 20 Quaderballen Heu. „Darüber muss man gar nicht reden, das ist selbstverständlich. Bei so einer Tragödie fühlst du einfach mit. Ich mag mir gar nicht vorstellen, selber in solch eine Situation zu kommen“, sagt die Eickhorsterin. Die Solidarität unter den Landwirten sei groß. „Auch wenn wir niemanden in den Unwettergebieten persönlich kennen.“

Ihr seien vor allem Bilder im Gedächtnis geblieben, wie Menschen aus einem Altenheim mit Trecker und Frontlader evakuiert wurden. Das sei bürgernahe, schnelle Hilfe. „Landwirte denken einfach pragmatisch, sie wissen, was gebraucht wird und packen unbürokratisch mit an. Schade, dass unsere Arbeit häufig so wenig wertgeschätzt wird.“

Helge Wengenroth aus Hille hat an diesem Abend zehn Quaderballen Heu abgeladen, die auf den Lastwagen gestapelt werden. Seine Gedanken sind vor allem bei den Kollegen, die ihre Tiere im Hochwasser verloren haben. „Und ihre Ernte ist auch vernichtet.“ Sie hätten auf ihrem Hof 63 Siloballen extra gepresst, die gelagert und später im Jahr bei Bedarf geliefert werden sollen. „Die Landwirte brauchen ja nicht nur aktuell Hilfe, sondern verteilt über die nächsten Monate.“

Mit-Organisator Manuel Bollmeier glaubt, dass die Betroffenen noch gar nicht realisiert haben, was das Hochwasser noch nach sich zieht. „Die stehen alle noch unter Schock.“ Umso wichtiger sei die Unterstützung der Kollegen. „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten.“

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