Faire Mode: Mindener Ehepaar eröffnet am Samstag einen Pop-Up-Store am Markt Doris Christoph Minden. Zwei Menschen, zwei Leidenschaften, einmal für Mode, einmal für Nachhaltigkeit – das ist das Label „Hildeguard“. Dahinter stecken Fridolin und Rebecca Kisker aus Minden. Das Ehepaar hat vor zwei Jahren den gleichnamigen Online-Shop für Secondhand-Kleidung eröffnet. Mittlerweile hat es auch eine eigene Modelinie rausgebracht. Denn das ist der eigentliche Traum von Rebbeca Kisker: „Klamotten entwerfen.“ Auch wenn alles online begann, die erste eigene Kollektion mit dem Namen „Made for“ können Interessierte nicht nur virtuell erleben. In einem Pop-Up-Store am Markt 6 zeigt das Ehepaar am Samstag, 21. August, von 11 bis 19 Uhr seine T-Shirts, Kleider und Tops sowie Secondhand-Teile „analog“ und zum Anfassen. Pop-Up-Stores sind temporäre Läden, die für einen begrenzten Zeitraum in leeren Geschäften öffnen. In diesem Fall für einen Tag in der ehemaligen Boutique „Sii“. „Es ist cool, die Sachen richtig physisch in einem Laden zu präsentieren und anfassen zu können“, sagt Fridolin Kisker. Bis die beiden es hierhin geschafft hatten, mussten sie einiges an Zeit und Geld investieren, mehrere tausend Euro stecken in der Kollektion. Die Entwürfe stammen von Rebecca Kisker, deren Leidenschaft Secondhand-Mode ist. Regelmäßig durchstöbern sie und ihr Mann Läden. Auch Sachen aus Haushaltsauflösungen und Kleiderspenden verkaufen sie auf ihrem Instagram-Kanal – die Website wird zurzeit überarbeitet. „Bei Secondhand-Sachen habe ich ein besseres Gefühl beim Einkaufen. Die Kleidung ist ja schon da und wurde nicht extra für mich produziert. Vieles sind zudem Originalsachen, die eine Geschichte haben, zum Trend passen, aber außergewöhnlich sind“, zählt Rebecca Kisker die Vorteile von gebrauchter Kleidung auf. Die Teile werden stylish in Szene gesetzt und fotografiert, vor allem Familienmitglieder lassen sich mit ihnen abbilden – die Gesichter immer versteckt hinter einer Maske. „Dann kann man eher Leute bewegen mitzumachen“, meint Fridolin Kisker und lacht. Die eigene Kollektion besteht allerdings nicht aus Upcycling- oder Secondhand-Teilen, sondern neuer Ware. „Upcycling ist für die Leute auch Secondhand“, sagt die 26-Jährige, die als Tagesmutter arbeitet. Die Kunden seien deshalb nicht bereit, entsprechend dafür zu zahlen. Die Teile aus der ersten eigenen Kollektion starten ab etwa 35 Euro. Als eine Mischung aus „elegant und frech“ beschreibt sie den Stil ihrer T-Shirts, Tops und Kleider. Da vieles schlicht gehalten sei, könnten die Leute es auch länger als eine Saison tragen – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Wichtig war der gebürtigen Petershägerin auch, dass Frauen sich in den Kleidern wohlfühlten. „Sie sollten gut sitzen und es sollten gute Stoffe sein, kein Polyester.“ Die Größen gehen allerdings bei einigen Kleidungsstücken nur bis M, bei den T-Shirts bis L. Das ist den Erfahrungen aus einer ersten T-Shirt-Produktion vor ein paar Monaten geschuldet. „In XL wurde nichts gekauft.“ Ihre Entwürfe hat Rebecca Kisker einer Schneiderin in Deutschland gegeben, die daraus Prototypen fertigte. Rund 800 Teile wurden schließlich in Ägypten produziert – zum Glück ist die Mindener Wohnung der beiden groß genug: Zwei Räume stehen voll mit Kartons. Bei der Herstellung im Ausland hätten sie auf faire Bezahlung geachtet, betont der 33-jährige Fridolin Kisker, dem Nachhaltigkeit nach eigenen Angaben sehr wichtig ist. Das spiegele sich auch im Namen „Hildeguard“ wider, für den Rebeccas Großmutter Patin stand. Sie näht für den Shop aus Stoffresten sogenannte Crunchies, also Stoffhaargummis. „Im Namen steckt ja das Wort Schutz. Das ist, worauf wir Wert legen: Umwelt und Menschen zu schützen“, betont der gebürtige Portaner, der Wirtschaft studiert hat und derzeit auf Jobsuche ist. „Der Vorteil ist, dass ich noch mehr Zeit in Hildeguard stecken kann.“ Der Pop-Up-Store war übrigens eine relativ spontane Sache. „Im Kopf ist das vor eineinhalb Jahren aufgeploppt. Aber wegen Corona war das nicht möglich“, sagt Fridolin Kisker. Beim Spaziergang durch die Innenstadt fiel den beiden der Leerstand auf, dann sei er in dieser Woche der Vermieterin über den Weg gelaufen. Am Freitagabend bauen die Kiskers alles auf, am nächsten Vormittag geht es los.

Faire Mode: Mindener Ehepaar eröffnet am Samstag einen Pop-Up-Store am Markt

Fridolin und Rebecca Kisker haben 2019 ihren Online-Secondhand-Shop „Hildeguard“ eröffnet. Mittlerweile designen und produzieren sie eigene Kleidung. Foto: privat

Minden. Zwei Menschen, zwei Leidenschaften, einmal für Mode, einmal für Nachhaltigkeit – das ist das Label „Hildeguard“. Dahinter stecken Fridolin und Rebecca Kisker aus Minden. Das Ehepaar hat vor zwei Jahren den gleichnamigen Online-Shop für Secondhand-Kleidung eröffnet. Mittlerweile hat es auch eine eigene Modelinie rausgebracht. Denn das ist der eigentliche Traum von Rebbeca Kisker: „Klamotten entwerfen.“

Auch wenn alles online begann, die erste eigene Kollektion mit dem Namen „Made for“ können Interessierte nicht nur virtuell erleben. In einem Pop-Up-Store am Markt 6 zeigt das Ehepaar am Samstag, 21. August, von 11 bis 19 Uhr seine T-Shirts, Kleider und Tops sowie Secondhand-Teile „analog“ und zum Anfassen. Pop-Up-Stores sind temporäre Läden, die für einen begrenzten Zeitraum in leeren Geschäften öffnen. In diesem Fall für einen Tag in der ehemaligen Boutique „Sii“. „Es ist cool, die Sachen richtig physisch in einem Laden zu präsentieren und anfassen zu können“, sagt Fridolin Kisker.

Bis die beiden es hierhin geschafft hatten, mussten sie einiges an Zeit und Geld investieren, mehrere tausend Euro stecken in der Kollektion. Die Entwürfe stammen von Rebecca Kisker, deren Leidenschaft Secondhand-Mode ist. Regelmäßig durchstöbern sie und ihr Mann Läden. Auch Sachen aus Haushaltsauflösungen und Kleiderspenden verkaufen sie auf ihrem Instagram-Kanal – die Website wird zurzeit überarbeitet. „Bei Secondhand-Sachen habe ich ein besseres Gefühl beim Einkaufen. Die Kleidung ist ja schon da und wurde nicht extra für mich produziert. Vieles sind zudem Originalsachen, die eine Geschichte haben, zum Trend passen, aber außergewöhnlich sind“, zählt Rebecca Kisker die Vorteile von gebrauchter Kleidung auf. Die Teile werden stylish in Szene gesetzt und fotografiert, vor allem Familienmitglieder lassen sich mit ihnen abbilden – die Gesichter immer versteckt hinter einer Maske. „Dann kann man eher Leute bewegen mitzumachen“, meint Fridolin Kisker und lacht.

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Patrick Schwemmling

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Die eigene Kollektion besteht allerdings nicht aus Upcycling- oder Secondhand-Teilen, sondern neuer Ware. „Upcycling ist für die Leute auch Secondhand“, sagt die 26-Jährige, die als Tagesmutter arbeitet. Die Kunden seien deshalb nicht bereit, entsprechend dafür zu zahlen. Die Teile aus der ersten eigenen Kollektion starten ab etwa 35 Euro.

Als eine Mischung aus „elegant und frech“ beschreibt sie den Stil ihrer T-Shirts, Tops und Kleider. Da vieles schlicht gehalten sei, könnten die Leute es auch länger als eine Saison tragen – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Wichtig war der gebürtigen Petershägerin auch, dass Frauen sich in den Kleidern wohlfühlten. „Sie sollten gut sitzen und es sollten gute Stoffe sein, kein Polyester.“ Die Größen gehen allerdings bei einigen Kleidungsstücken nur bis M, bei den T-Shirts bis L. Das ist den Erfahrungen aus einer ersten T-Shirt-Produktion vor ein paar Monaten geschuldet. „In XL wurde nichts gekauft.“

Ihre Entwürfe hat Rebecca Kisker einer Schneiderin in Deutschland gegeben, die daraus Prototypen fertigte. Rund 800 Teile wurden schließlich in Ägypten produziert – zum Glück ist die Mindener Wohnung der beiden groß genug: Zwei Räume stehen voll mit Kartons. Bei der Herstellung im Ausland hätten sie auf faire Bezahlung geachtet, betont der 33-jährige Fridolin Kisker, dem Nachhaltigkeit nach eigenen Angaben sehr wichtig ist.

Das spiegele sich auch im Namen „Hildeguard“ wider, für den Rebeccas Großmutter Patin stand. Sie näht für den Shop aus Stoffresten sogenannte Crunchies, also Stoffhaargummis. „Im Namen steckt ja das Wort Schutz. Das ist, worauf wir Wert legen: Umwelt und Menschen zu schützen“, betont der gebürtige Portaner, der Wirtschaft studiert hat und derzeit auf Jobsuche ist. „Der Vorteil ist, dass ich noch mehr Zeit in Hildeguard stecken kann.“

Der Pop-Up-Store war übrigens eine relativ spontane Sache. „Im Kopf ist das vor eineinhalb Jahren aufgeploppt. Aber wegen Corona war das nicht möglich“, sagt Fridolin Kisker. Beim Spaziergang durch die Innenstadt fiel den beiden der Leerstand auf, dann sei er in dieser Woche der Vermieterin über den Weg gelaufen. Am Freitagabend bauen die Kiskers alles auf, am nächsten Vormittag geht es los.

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