Eine unendliche Geschichte: Warum hat Chicken Mix immer noch nicht eröffnet? Patrick Schwemling Minden. Unübersehbar prangt seit mehr als einem Jahr eine große, feuerrote Reklame an der Ringstraße. Ein freudestrahlendes, weißes Huhn mit ausgebreiteten Flügeln. Doch wer sich Hoffnungen auf eine schnelle Stärkung im angekündigten Schnellrestaurant „Chicken Mix" gemacht hat, wurde bislang enttäuscht. Und auch die letzten Gerüchte über eine baldige Eröffnung sind falsch, wie Inhaber Abet Scharo auf MT-Anfrage erklärt. Hauptgrund sei weiterhin der seit mehr als einem Jahr schwelende Rechtsstreit zwischen einem benachbarten Immobilienbesitzer und der Stadt Minden. Dabei dürfte Scharo rein rechtlich trotzdem öffnen. Warum tut er es also nicht? „Es ist kompliziert", sagt der Inhaber, der seit mehreren Jahren ein türkisches Restaurant in der Innenstadt betreibt. Dort sei er aktuell deutlich eingespannter, als ihm lieb wäre. Die Corona-Pandemie habe er zwar gut gemeistert, aber auch ihn treffe der Fachkräftemangel in der Gastronomie. Außerdem sei ein schwebendes Verfahren für ihn unsicher. „Ich weiß ja, dass ich schon öffnen dürfte", sagt der 28-jährige Gastronom. „Ich habe alles kalkuliert und komme zum Schluss, dass es keinen Sinn macht", erklärt Scharo. Je nach Ausgang der Klage müsse er Anpassungen vornehmen, die unweigerlich zu einer vorübergehenden Schließung führen könnten. „Das sieht nicht gut aus und es würde wieder zu Spekulationen kommen", sagt der Mindener. „Ich will alles schwarz auf weiß haben." Dass sich das Verfahren so lange ziehen werde, habe ihn überrascht. „Aber in der aktuellen Situation läuft alles langsamer", sagt er.Sollte das Verwaltungsgericht Minden ein Urteil fällen, will Scharo schnellstmöglich eröffnen. „Wir haben in den Innenräumen schon alles so gut wie fertig, es sind nur Kleinigkeiten zu machen." Das künftige Team sei auf den Schlüsselpositionen besetzt, aber auch hier werde er es nicht einfach haben, weitere Mitarbeiter zu finden. „Deswegen wird die Eröffnung auch nicht von heute auf morgen geschehen." Zur Erinnerung: Der Kläger – ein Mindener Geschäftsmann, der ein Mehrfamilienhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zu „Chicken Mix" besitzt – hatte seinerzeit eine lange Mängel- und Anforderungsliste erstellt. Darin ging es konkret um die Eingrenzung der Öffnungszeiten – auch mit speziellem Blick auf die Außengastronomie, eine Verbesserung der Parkplatzsituation, Erhöhung der Verkehrssicherheit sowie die Vermeidung starker Geruchsbelästigung. Hierfür forderte er den Bau einer Anlage, die über den Dachfirst seiner Immobilie hinausragt.  „Von all dem ist meines Erachtens bislang nichts geschehen", sagt der Geschäftsmann zum aktuellen Stand der Dinge. Überhaupt sei seit seiner Klage Ende Juni 2020 gegen die Baugenehmigung, und somit die Stadt Minden, nicht viel passiert. „Das letzte Mal gab es einen Termin Anfang März." Das war ein gerichtlicher Ortstermin, bei dem neben ihm auch Vertreter der Stadt Minden und der Verpächter des Schnellrestaurants zugegen waren. Begutachtet wurden sowohl das Restaurant als auch die nähere Umgebung. Das Gerichts habe außerdem eine Beteiligung der Immissionsschutzbehörde des Kreises angeregt. Dies bestätigte auch die Stadt Minden auf MT-Anfrage. Bei der Erteilung der Baugenehmigung habe man darauf zunächst verzichtet und die Genehmigung auf Grundlage der Einschätzung des Ordnungsamtes erteilt. Wie Susann Lewerenz, Pressesprechering der Stadt Minden, sei die Immissionsschutzbehörde bereits vor einiger Zeit beteiligt worden. „Eine Stellungnahme ist aber bisher noch nicht bei uns eingegangen." Die Stadtverwaltung stellt aber noch einmal klar, dass Abet Scharo das Schnellrestaurant unabhängig vom laufenden Verfahren jederzeit eröffnen könne. „Die Baugenehmigung wurde durch das Gericht bisher nicht außer Kraft gesetzt", teilt Lewerenz mit. Der Gastronom fürchtet dann jedoch weitere Schritte des Klägers. Der könnte bei einer Eröffnung trotz laufendem Verfahren einen Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Klage stellen. Das Verwaltungsgericht Minden würden dann die Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung in einem Eilverfahren prüfen. „Ich habe mich schon mehrfach mit einem Rechtsanwalt beraten. Es ist einfach eine komplizierte Situation", sagt Scharo. Er selbst hofft vor allem auf ein schnelles Urteil: „Dann habe ich zumindest eine Perspektive." Unterdessen haben sich aufgrund der Gerüchte der möglichen Eröffnung einige MT-Leser in der Redaktion gemeldet. Unter anderem wurde die Frage gestellt, ob die Stadt Minden mit Blick auf die bereits ansässigen sowie künftig geplanten Lokalitäten eine Begrenzung von Schnellrestaurants im Bereich der Ringstraße vornehmen könne. „Die Bauordnungsbehörde kann nicht darüber entscheiden, wenn die Schnellrestaurants planungsrechtlich in dem Gebiet grundsätzlich zulässig sind", heißt es dazu von der Stadt.

Eine unendliche Geschichte: Warum hat Chicken Mix immer noch nicht eröffnet?

Mitten an der Ringstraße ist das neue Schnellrestaurant „Chicken Mix“ gelegen, das eigentlich spätestens im Oktober 2020 eröffnen sollte. Zuerst stoppte die Corona-Pandemie das Vorhaben, dann klagte ein Nachbar gegen die Baugenehmigung – und tut dies noch immer. MT-Foto: Patrick Schwemling

Minden. Unübersehbar prangt seit mehr als einem Jahr eine große, feuerrote Reklame an der Ringstraße. Ein freudestrahlendes, weißes Huhn mit ausgebreiteten Flügeln. Doch wer sich Hoffnungen auf eine schnelle Stärkung im angekündigten Schnellrestaurant „Chicken Mix" gemacht hat, wurde bislang enttäuscht. Und auch die letzten Gerüchte über eine baldige Eröffnung sind falsch, wie Inhaber Abet Scharo auf MT-Anfrage erklärt.

Hauptgrund sei weiterhin der seit mehr als einem Jahr schwelende Rechtsstreit zwischen einem benachbarten Immobilienbesitzer und der Stadt Minden. Dabei dürfte Scharo rein rechtlich trotzdem öffnen. Warum tut er es also nicht?

„Es ist kompliziert", sagt der Inhaber, der seit mehreren Jahren ein türkisches Restaurant in der Innenstadt betreibt. Dort sei er aktuell deutlich eingespannter, als ihm lieb wäre. Die Corona-Pandemie habe er zwar gut gemeistert, aber auch ihn treffe der Fachkräftemangel in der Gastronomie. Außerdem sei ein schwebendes Verfahren für ihn unsicher. „Ich weiß ja, dass ich schon öffnen dürfte", sagt der 28-jährige Gastronom. „Ich habe alles kalkuliert und komme zum Schluss, dass es keinen Sinn macht", erklärt Scharo.

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Abet Scharo hofft, dass der Rechtsstreit sich bald gelegt hat, damit er "Chicken Mix" eröffnen kann. Aktuell sei ihm die Situation mit dem laufenden Verfahren noch zu unsicher.  - © MT-Foto: Patrick Schwemling
Abet Scharo hofft, dass der Rechtsstreit sich bald gelegt hat, damit er "Chicken Mix" eröffnen kann. Aktuell sei ihm die Situation mit dem laufenden Verfahren noch zu unsicher.  - © MT-Foto: Patrick Schwemling

Je nach Ausgang der Klage müsse er Anpassungen vornehmen, die unweigerlich zu einer vorübergehenden Schließung führen könnten. „Das sieht nicht gut aus und es würde wieder zu Spekulationen kommen", sagt der Mindener. „Ich will alles schwarz auf weiß haben." Dass sich das Verfahren so lange ziehen werde, habe ihn überrascht. „Aber in der aktuellen Situation läuft alles langsamer", sagt er.
Sollte das Verwaltungsgericht Minden ein Urteil fällen, will Scharo schnellstmöglich eröffnen. „Wir haben in den Innenräumen schon alles so gut wie fertig, es sind nur Kleinigkeiten zu machen." Das künftige Team sei auf den Schlüsselpositionen besetzt, aber auch hier werde er es nicht einfach haben, weitere Mitarbeiter zu finden. „Deswegen wird die Eröffnung auch nicht von heute auf morgen geschehen."

Zur Erinnerung: Der Kläger – ein Mindener Geschäftsmann, der ein Mehrfamilienhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zu „Chicken Mix" besitzt – hatte seinerzeit eine lange Mängel- und Anforderungsliste erstellt. Darin ging es konkret um die Eingrenzung der Öffnungszeiten – auch mit speziellem Blick auf die Außengastronomie, eine Verbesserung der Parkplatzsituation, Erhöhung der Verkehrssicherheit sowie die Vermeidung starker Geruchsbelästigung. Hierfür forderte er den Bau einer Anlage, die über den Dachfirst seiner Immobilie hinausragt. 

„Von all dem ist meines Erachtens bislang nichts geschehen", sagt der Geschäftsmann zum aktuellen Stand der Dinge. Überhaupt sei seit seiner Klage Ende Juni 2020 gegen die Baugenehmigung, und somit die Stadt Minden, nicht viel passiert. „Das letzte Mal gab es einen Termin Anfang März." Das war ein gerichtlicher Ortstermin, bei dem neben ihm auch Vertreter der Stadt Minden und der Verpächter des Schnellrestaurants zugegen waren. Begutachtet wurden sowohl das Restaurant als auch die nähere Umgebung. Das Gerichts habe außerdem eine Beteiligung der Immissionsschutzbehörde des Kreises angeregt. Dies bestätigte auch die Stadt Minden auf MT-Anfrage. Bei der Erteilung der Baugenehmigung habe man darauf zunächst verzichtet und die Genehmigung auf Grundlage der Einschätzung des Ordnungsamtes erteilt.

Wie Susann Lewerenz, Pressesprechering der Stadt Minden, sei die Immissionsschutzbehörde bereits vor einiger Zeit beteiligt worden. „Eine Stellungnahme ist aber bisher noch nicht bei uns eingegangen." Die Stadtverwaltung stellt aber noch einmal klar, dass Abet Scharo das Schnellrestaurant unabhängig vom laufenden Verfahren jederzeit eröffnen könne. „Die Baugenehmigung wurde durch das Gericht bisher nicht außer Kraft gesetzt", teilt Lewerenz mit.

Der Gastronom fürchtet dann jedoch weitere Schritte des Klägers. Der könnte bei einer Eröffnung trotz laufendem Verfahren einen Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Klage stellen. Das Verwaltungsgericht Minden würden dann die Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung in einem Eilverfahren prüfen. „Ich habe mich schon mehrfach mit einem Rechtsanwalt beraten. Es ist einfach eine komplizierte Situation", sagt Scharo. Er selbst hofft vor allem auf ein schnelles Urteil: „Dann habe ich zumindest eine Perspektive."

Unterdessen haben sich aufgrund der Gerüchte der möglichen Eröffnung einige MT-Leser in der Redaktion gemeldet. Unter anderem wurde die Frage gestellt, ob die Stadt Minden mit Blick auf die bereits ansässigen sowie künftig geplanten Lokalitäten eine Begrenzung von Schnellrestaurants im Bereich der Ringstraße vornehmen könne. „Die Bauordnungsbehörde kann nicht darüber entscheiden, wenn die Schnellrestaurants planungsrechtlich in dem Gebiet grundsätzlich zulässig sind", heißt es dazu von der Stadt.

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