Der Trumpf im Autoquartett: Dieser Mindener besitzt den äußerst seltenen Oldtimer Facel Vega Michael Lorenz Minden. In den Sechziger Jahren, den „Swinging Sixties“, gab es keine gediegenere Art der Fortbewegung als in einem Facel Vega. Hollywoodstars wie Ava Gardner und Tony Curtis oder Rennfahrerlegende Stirling Moss besaßen eines dieser exklusiven französischen Luxuscoupés. Aber auch Reza Pahlavi, besser bekannt als der Schah von Persien, hatte einen Facel II in seinem Fuhrpark. Der Mindener Zahnarzt Jürgen Kromer erinnert sich an seine ersten Berührungspunkte mit einem Facel Vega: „Das war eher profan: Ich war etwa zehn Jahre alt, wir Jungs spielten immer gerne Autoquartett. Tja, und mit so einem Facel Vega 500 HK konnte man immer ordentlich punkten, denn der Hubraum wurde mit 6.400 ccm angegeben, und er hatte 360 PS, zudem bestach er durch bemerkenswerte Fahrleistungen.“ In der Realität lag der Hubraum des HK 500 bei 6,3 Litern. „Aber die Franzosen wollten Steuern sparen, so gaben sie offiziell immer 5,9 Liter an. Diesen kleineren Motor hatten aber nur die ersten Exemplare des HK 500“, so Kromer, der aus dem Ruhrgebiet stammt. Er war in Minden bereits als Zahnarzt niedergelassen und um die 40 Jahre alt, als er erstmals die Gelegenheit hatte, so einen nur knapp 500 Mal gebauten Facel Vega 500 HK anzuschauen. Er erinnert sich: „Ich war um 1990 bei einer Fortbildung in Köln und habe in einer Autozeitschrift eine Verkaufsanzeige entdeckt. Der Wagen stand in Saarbrücken und ich bin nach der Fortbildung direkt hingefahren.“ Der Facel sei in einem ziemlich erbärmlichen Zustand gewesen: Die Hälfte des Armaturenbretts fehlte, die Ledersitze waren mit Kunstleder überzogen, er war also weit vom Originalzustand entfernt. „Der Verkäufer wollte vom Kaufpreis, einem fünfstelligen Betrag in D-Mark, nicht heruntergehen. Er kam mir aber dahingehend entgegen, dass er den Wagen nach Minden brachte.“ Immerhin hatte der Facel Vega nur rund 50.000 Kilometer auf dem Tacho. Gemeinsam mit seinen Schwägern machte Kromer sich ans Werk. „Auf der Suche nach Ersatzteilen mussten wir immer nach England fahren, denn dort lagerten die Reste der Konkursmasse von Facel Vega“, berichtet er. „Mr. John Barton hatte diese Ende der 70er Jahre aufgekauft und nach England geholt.“ Erst nach einigen Jahren konnte Kromer die erste Ausfahrt mit dem restaurierten Wagen in Angriff nehmen. „Zunächst machten meine Frau und ich bei Oldtimer-Treffen im hiesigen Bereich mit.“ Später führten die Reisen zu Oldtimer-Treffen die Kromers zunehmend nach Frankreich, dem Ursprungsland des Facel Vega. Jürgen Kromer erinnert sich in diesem Zusammenhang an ein ganz besonderes Treffen des französischen Facel-Vega-Clubs: Es führte nach Colombey-les-Deux-Églises, einen kleinen Ort im Nordosten Frankreichs, wo Präsident Charles de Gaulle lebte, der hier auch manchmal privat Staatsgäste empfing. Kromer erinnert sich: „Man erfuhr dort viel Bemerkenswertes über de Gaulle, den ich bis dahin als eher steif und abweisend wahrgenommen hatte. Nachdem sie sich kennengelernt hatten, lud er Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einem Treffen in sein Haus in dieses beschauliche Dorf ein, was aus meiner Sicht die deutsch-französische Freundschaft begründete und damit auch eine Art Geburtsstunde der heutigen EU war.“ De Gaulle und seine Frau hatten zudem einen sehr kranken Sohn bekommen, gaben ihn aber nicht, wie damals üblich, in ein Heim zur Pflege, sondern zogen ihn mit den anderen Kindern zu Hause auf, erzählt Kromer. „Das hat mir enorm imponiert und zeigt auch wieder, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann, die in der Öffentlichkeit eher kühl und sachlich wirken.“ Die Treffen des französischen Facel-Vega-Clubs sind nach wie vor besondere Höhepunkte für die Freunde dieser exklusiven Autos. Kromer: „Die Autos sind immer der Anlass zu so einem Treffen. Bei den Zusammenkünften selbst geht es aber immer in erster Linie um die Menschen und Freunde, die man wieder trifft.“ Jürgen Kromer hat insgesamt positive Resonanzen bei den Menschen wahrgenommen, die Oldtimer auf Deutschlands Straßen sehen: „Es ist jedenfalls immer noch so, dass unsere Autos nicht als alte Stinker wahrgenommen werden, sondern dass sie den Menschen am Straßenrand und im Verkehr eher ein Staunen oder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“

Der Trumpf im Autoquartett: Dieser Mindener besitzt den äußerst seltenen Oldtimer Facel Vega

Jürgen Kromer restaurierte den Facel mit seinen Schwägern. Für die notwendigen Ersatzteile mussten sie nach England fahren. © Lorenz/privat

Minden. In den Sechziger Jahren, den „Swinging Sixties“, gab es keine gediegenere Art der Fortbewegung als in einem Facel Vega. Hollywoodstars wie Ava Gardner und Tony Curtis oder Rennfahrerlegende Stirling Moss besaßen eines dieser exklusiven französischen Luxuscoupés. Aber auch Reza Pahlavi, besser bekannt als der Schah von Persien, hatte einen Facel II in seinem Fuhrpark.

Der Mindener Zahnarzt Jürgen Kromer erinnert sich an seine ersten Berührungspunkte mit einem Facel Vega: „Das war eher profan: Ich war etwa zehn Jahre alt, wir Jungs spielten immer gerne Autoquartett. Tja, und mit so einem Facel Vega 500 HK konnte man immer ordentlich punkten, denn der Hubraum wurde mit 6.400 ccm angegeben, und er hatte 360 PS, zudem bestach er durch bemerkenswerte Fahrleistungen.“

In der Realität lag der Hubraum des HK 500 bei 6,3 Litern. „Aber die Franzosen wollten Steuern sparen, so gaben sie offiziell immer 5,9 Liter an. Diesen kleineren Motor hatten aber nur die ersten Exemplare des HK 500“, so Kromer, der aus dem Ruhrgebiet stammt. Er war in Minden bereits als Zahnarzt niedergelassen und um die 40 Jahre alt, als er erstmals die Gelegenheit hatte, so einen nur knapp 500 Mal gebauten Facel Vega 500 HK anzuschauen. Er erinnert sich: „Ich war um 1990 bei einer Fortbildung in Köln und habe in einer Autozeitschrift eine Verkaufsanzeige entdeckt. Der Wagen stand in Saarbrücken und ich bin nach der Fortbildung direkt hingefahren.“ Der Facel sei in einem ziemlich erbärmlichen Zustand gewesen: Die Hälfte des Armaturenbretts fehlte, die Ledersitze waren mit Kunstleder überzogen, er war also weit vom Originalzustand entfernt. „Der Verkäufer wollte vom Kaufpreis, einem fünfstelligen Betrag in D-Mark, nicht heruntergehen. Er kam mir aber dahingehend entgegen, dass er den Wagen nach Minden brachte.“

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Patrick Schwemmling

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Immerhin hatte der Facel Vega nur rund 50.000 Kilometer auf dem Tacho. Gemeinsam mit seinen Schwägern machte Kromer sich ans Werk. „Auf der Suche nach Ersatzteilen mussten wir immer nach England fahren, denn dort lagerten die Reste der Konkursmasse von Facel Vega“, berichtet er. „Mr. John Barton hatte diese Ende der 70er Jahre aufgekauft und nach England geholt.“ Erst nach einigen Jahren konnte Kromer die erste Ausfahrt mit dem restaurierten Wagen in Angriff nehmen. „Zunächst machten meine Frau und ich bei Oldtimer-Treffen im hiesigen Bereich mit.“

Im Autoquartett konnte Kromer mit dem Facel "ordentlich punkten". - © Lorenz/privat
Im Autoquartett konnte Kromer mit dem Facel "ordentlich punkten". - © Lorenz/privat

Später führten die Reisen zu Oldtimer-Treffen die Kromers zunehmend nach Frankreich, dem Ursprungsland des Facel Vega. Jürgen Kromer erinnert sich in diesem Zusammenhang an ein ganz besonderes Treffen des französischen Facel-Vega-Clubs: Es führte nach Colombey-les-Deux-Églises, einen kleinen Ort im Nordosten Frankreichs, wo Präsident Charles de Gaulle lebte, der hier auch manchmal privat Staatsgäste empfing. Kromer erinnert sich: „Man erfuhr dort viel Bemerkenswertes über de Gaulle, den ich bis dahin als eher steif und abweisend wahrgenommen hatte. Nachdem sie sich kennengelernt hatten, lud er Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einem Treffen in sein Haus in dieses beschauliche Dorf ein, was aus meiner Sicht die deutsch-französische Freundschaft begründete und damit auch eine Art Geburtsstunde der heutigen EU war.“ De Gaulle und seine Frau hatten zudem einen sehr kranken Sohn bekommen, gaben ihn aber nicht, wie damals üblich, in ein Heim zur Pflege, sondern zogen ihn mit den anderen Kindern zu Hause auf, erzählt Kromer. „Das hat mir enorm imponiert und zeigt auch wieder, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann, die in der Öffentlichkeit eher kühl und sachlich wirken.“

Die Treffen des französischen Facel-Vega-Clubs sind nach wie vor besondere Höhepunkte für die Freunde dieser exklusiven Autos. Kromer: „Die Autos sind immer der Anlass zu so einem Treffen. Bei den Zusammenkünften selbst geht es aber immer in erster Linie um die Menschen und Freunde, die man wieder trifft.“

Jürgen Kromer hat insgesamt positive Resonanzen bei den Menschen wahrgenommen, die Oldtimer auf Deutschlands Straßen sehen: „Es ist jedenfalls immer noch so, dass unsere Autos nicht als alte Stinker wahrgenommen werden, sondern dass sie den Menschen am Straßenrand und im Verkehr eher ein Staunen oder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“

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