"Das ist Wahnsinn": Mindens singender Busfahrer Axel Natho ist ein Internet-Hit Patrick Schwemling Minden. „Das ist Wahnsinn . . .", schallt es aus den Lautsprechern des Busses der Linie 7. Den berühmten Schlager von Wolfgang Petry kennen gerade die jüngsten Fahrgäste zwischen Mindener ZOB und Leteln wahrscheinlich nicht, trotzdem klatschen sie zum Takt in ihre Hände, während Fahrer Axel Natho wieder ansetzt: „ . . . du spielst mit meinen Gefühlen." Der 47-Jährige ist wegen seiner Gesangseinlagen in den letzten eineinhalb Jahren als „Mindens singener Busfahrer" bekannt geworden. Seit ein paar Tagen kennen Natho auch immer mehr Menschen in ganz Deutschland. Seine Videos sind auf der Plattform „Tiktok" zu sehen, und haben sich binnen kürzester Zeit zu einem Internet-Hit entwickelt. Auch am Montag erntet er tosenden Applaus, wahrscheinlich noch mehr als sonst. Freunde und Familie sind mit auf die Rundfahrt gekommen, nachdem Natho von dem Pressetermin erzählt hat. „Danke, dass ihr alle dabei wart", bedankt sich der Mindener über das Mikrofon, nachdem er die 25-minütige Tour pünktlich und sicher beendet hat. „Das ist nämlich das Wichtigste. Auch wenn ich singe, habe ich den Verkehr immer voll im Blick", versichert der Busfahrer, der bei Teutoburger Wald Verkehr (TWV) angestellt ist. Gleich vier Lieder hat der 47-Jährige in den 25 Minuten Zeit gesungen, neben dem Gassenhauer von Wolfgang Petry auch noch Songs von Robbie Williams, Revolverheld und den Scorpions. „Ich singe fast immer nur Balladen", sagt Natho. Dass er diesmal auch den Schlager ausgewählt hat, zahlt sich kurz darauf aus. Das Video davon lädt er nämlich am Tag danach in das soziale Netzwerk „Tiktok" hoch und kann kaum glauben, was sich in den nächsten 24 Stunden entwickelt. „Immer wenn ich die App geöffnet habe, sind neue Nachrichten und Kommentare hinzugekommen", berichtet der spürbar überraschte Busfahrer. Inzwischen haben rund 100.000 Menschen das Video gesehen, fast 7.500 auf „Gefällt mir" gedrückt und Hunderte Kommentare verfasst. @axelnatho♬ Originalton - Axel Natho„So einen Busfahrer hätten wir auch gerne", schreibt ein Nutzer, ein weiterer kommentiert: „Das müsste es in jedem Bus geben." Für Natho selbst ist es unvorstellbar, dass plötzlich so viele Menschen seinen Auftritt im Internet sehen. „Sie kommen aus ganz Deutschland, sogar jemand aus Österreich hat mir geschrieben", sagt der 47-Jährige, dem jetzt schon knapp 2.500 Menschen auf der Plattform folgen. „Alle Kommentare sind auch total nett, keiner äußert sicht negativ", berichtet Natho, der diese Erfahrungen auch auf den Fahrten quer durch das Mindener Stadtgebiet gemacht hat. „Ich bekomme eigentlich nur positive Rückmeldungen. Wenn es einem Fahrgast nicht passt, dann singe ich aber auch nicht", erklärt der Mindener. Er habe schon immer gerne gesungen, war sogar einmal bei einem Casting der TV-Show „Deutschland sucht den Superstar", schaffte es aber nicht in die nächste Runde. „Ich hatte ein englisches Lied vorbereitet, sollte dann aber etwas anderes singen. Das hat gar nicht geklappt", erinnert er sich noch gut an den Auftritt. Davon hat sich Natho allerdings nicht entmutigen lassen. „Ich weiß ja auch, dass nicht jeder Ton perfekt sitzt, aber dafür singe ich mit ganz viel Herz", beschreibt er seinen Gesangsstil. Als im März 2020 die Corona-Pandemie mehr und mehr auf die Gemütslage seiner Passagiere drückte, wollte er etwas tun. „Ich habe mir dann vorgenommen zu singen, um für etwas bessere Stimmung zu sorgen", erklärt er seine Beweggründe. Dafür hat er sich eine kleine Musikbox besorgt, mit der er seine Lieblingshits in der Fahrerkabine abspielt. „Über das Mikrofon singe ich dann mit, dass die Gäste meine Stimme hören können." Knapp eineinhalb Jahre später hat sich nicht viel geändert: Corona ist weiterhin ein vorherrschendes Thema, Natho versucht noch immer für Ablenkung zu sorgen. „Eine ältere Dame ist letztens nach der Fahrt zu mir gekommen und hat sich für die tolle Zeit bedankt", sagt der Busfahrer, der genau für diese Momente seinen Job so liebe. Das war jedoch nicht immer so: Vor fast elf Jahren, am 4. September 2010, war Natho in einen tödlichen Unfall auf der Hausberger Straße verwickelt. Ein 20-Jähriger war mit seinem Kleinwagen von der Fahrbahn abgekommen und frontal mit dem Bus kollidiert, hinter dessen Steuer Natho saß. „Eine Stunde lang wurde ich freigeschnitten", erinnert sich der 47-Jährige, der sich dabei schwere Verletzungen zuzog. „Ich habe danach eine Umschulung zum Industriekaufmann gemacht und wollte nicht mehr Bus fahren", sagt der Mindener. Da die berufliche Perspektive aber nicht stimmte, kehrte er hinter das Steuer zurück: erst von Lastwagen, jetzt wieder von Bussen. „Das wird auch so bleiben. Es macht mir unheimlich viel Spaß", sagt Natho und fügt an: „Mein Arbeitgeber steht hinter mir und erlaubt mir das Singen, weil für mich die Sicherheit immer an erster Stelle steht.

"Das ist Wahnsinn": Mindens singender Busfahrer Axel Natho ist ein Internet-Hit

Applaus nach der Ankunft am Mindener ZOB: Nach der Tour über Leteln, zu der Familie und Freunde des Busfahrers mitgekommen sind, wird Axel Natho für seine Gesangseinlagen gefeiert. MT-Foto: Patrick Schwemling

Minden. „Das ist Wahnsinn . . .", schallt es aus den Lautsprechern des Busses der Linie 7. Den berühmten Schlager von Wolfgang Petry kennen gerade die jüngsten Fahrgäste zwischen Mindener ZOB und Leteln wahrscheinlich nicht, trotzdem klatschen sie zum Takt in ihre Hände, während Fahrer Axel Natho wieder ansetzt: „ . . . du spielst mit meinen Gefühlen." Der 47-Jährige ist wegen seiner Gesangseinlagen in den letzten eineinhalb Jahren als „Mindens singener Busfahrer" bekannt geworden. Seit ein paar Tagen kennen Natho auch immer mehr Menschen in ganz Deutschland. Seine Videos sind auf der Plattform „Tiktok" zu sehen, und haben sich binnen kürzester Zeit zu einem Internet-Hit entwickelt.

Auch am Montag erntet er tosenden Applaus, wahrscheinlich noch mehr als sonst. Freunde und Familie sind mit auf die Rundfahrt gekommen, nachdem Natho von dem Pressetermin erzählt hat. „Danke, dass ihr alle dabei wart", bedankt sich der Mindener über das Mikrofon, nachdem er die 25-minütige Tour pünktlich und sicher beendet hat. „Das ist nämlich das Wichtigste. Auch wenn ich singe, habe ich den Verkehr immer voll im Blick", versichert der Busfahrer, der bei Teutoburger Wald Verkehr (TWV) angestellt ist.

Gleich vier Lieder hat der 47-Jährige in den 25 Minuten Zeit gesungen, neben dem Gassenhauer von Wolfgang Petry auch noch Songs von Robbie Williams, Revolverheld und den Scorpions. „Ich singe fast immer nur Balladen", sagt Natho. Dass er diesmal auch den Schlager ausgewählt hat, zahlt sich kurz darauf aus. Das Video davon lädt er nämlich am Tag danach in das soziale Netzwerk „Tiktok" hoch und kann kaum glauben, was sich in den nächsten 24 Stunden entwickelt. „Immer wenn ich die App geöffnet habe, sind neue Nachrichten und Kommentare hinzugekommen", berichtet der spürbar überraschte Busfahrer. Inzwischen haben rund 100.000 Menschen das Video gesehen, fast 7.500 auf „Gefällt mir" gedrückt und Hunderte Kommentare verfasst.

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„So einen Busfahrer hätten wir auch gerne", schreibt ein Nutzer, ein weiterer kommentiert: „Das müsste es in jedem Bus geben." Für Natho selbst ist es unvorstellbar, dass plötzlich so viele Menschen seinen Auftritt im Internet sehen. „Sie kommen aus ganz Deutschland, sogar jemand aus Österreich hat mir geschrieben", sagt der 47-Jährige, dem jetzt schon knapp 2.500 Menschen auf der Plattform folgen. „Alle Kommentare sind auch total nett, keiner äußert sicht negativ", berichtet Natho, der diese Erfahrungen auch auf den Fahrten quer durch das Mindener Stadtgebiet gemacht hat.

„Ich bekomme eigentlich nur positive Rückmeldungen. Wenn es einem Fahrgast nicht passt, dann singe ich aber auch nicht", erklärt der Mindener. Er habe schon immer gerne gesungen, war sogar einmal bei einem Casting der TV-Show „Deutschland sucht den Superstar", schaffte es aber nicht in die nächste Runde. „Ich hatte ein englisches Lied vorbereitet, sollte dann aber etwas anderes singen. Das hat gar nicht geklappt", erinnert er sich noch gut an den Auftritt.

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Davon hat sich Natho allerdings nicht entmutigen lassen. „Ich weiß ja auch, dass nicht jeder Ton perfekt sitzt, aber dafür singe ich mit ganz viel Herz", beschreibt er seinen Gesangsstil. Als im März 2020 die Corona-Pandemie mehr und mehr auf die Gemütslage seiner Passagiere drückte, wollte er etwas tun. „Ich habe mir dann vorgenommen zu singen, um für etwas bessere Stimmung zu sorgen", erklärt er seine Beweggründe. Dafür hat er sich eine kleine Musikbox besorgt, mit der er seine Lieblingshits in der Fahrerkabine abspielt. „Über das Mikrofon singe ich dann mit, dass die Gäste meine Stimme hören können."

Knapp eineinhalb Jahre später hat sich nicht viel geändert: Corona ist weiterhin ein vorherrschendes Thema, Natho versucht noch immer für Ablenkung zu sorgen. „Eine ältere Dame ist letztens nach der Fahrt zu mir gekommen und hat sich für die tolle Zeit bedankt", sagt der Busfahrer, der genau für diese Momente seinen Job so liebe.

Bei diesem schweren Unfall 2010 zog sich Natho schwerste Verletzungen zu, ein junger Mann starb sogar. Screenshot: - © MT-Archiv
Bei diesem schweren Unfall 2010 zog sich Natho schwerste Verletzungen zu, ein junger Mann starb sogar. Screenshot: - © MT-Archiv

Das war jedoch nicht immer so: Vor fast elf Jahren, am 4. September 2010, war Natho in einen tödlichen Unfall auf der Hausberger Straße verwickelt. Ein 20-Jähriger war mit seinem Kleinwagen von der Fahrbahn abgekommen und frontal mit dem Bus kollidiert, hinter dessen Steuer Natho saß. „Eine Stunde lang wurde ich freigeschnitten", erinnert sich der 47-Jährige, der sich dabei schwere Verletzungen zuzog. „Ich habe danach eine Umschulung zum Industriekaufmann gemacht und wollte nicht mehr Bus fahren", sagt der Mindener.

Da die berufliche Perspektive aber nicht stimmte, kehrte er hinter das Steuer zurück: erst von Lastwagen, jetzt wieder von Bussen. „Das wird auch so bleiben. Es macht mir unheimlich viel Spaß", sagt Natho und fügt an: „Mein Arbeitgeber steht hinter mir und erlaubt mir das Singen, weil für mich die Sicherheit immer an erster Stelle steht.

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