90 Jahre alte Fußstapfen: Sönke Böttcher übernimmt traditionsreiches Sägewerk Lampe Claudia Hyna Petershagen-Ovenstädt. Erst viel Theorie, jetzt noch mehr Praxis: Der Kontrast zur Zeit des Studiums könnte in Sönke Böttchers Leben derzeit kaum größer sein. Auch für andere beginnt nach der akademischen Ausbildung idealerweise sofort das Berufsleben. Doch der 27-Jährige stieg gleich als Firmenchef ein. Er übernahm zum Jahresbeginn das traditionsreiche Sägewerk Lampe in Ovenstädt. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt der Buchholzer zu dieser rasanten Karriere. Nach dem Abitur am Freiherr-von-Stein-Kolleg Minden ging er zum Studium der Forst- und Holzwissenschaft an die TU München. Dort legte er 2019 seinen Master ab. Zu dieser Zeit suchte Renate Lampe einen Nachfolger für das elterliche Sägewerk, in dem sie 1962 ihre berufliche Laufbahn startete. Gegründet hatte die Fritz Lampe KG 1931 der gleichnamige Zimmermeister in einer kleinen Werkstatt in Eldagsen. Damals bestand der Betrieb aus einer Zimmerei mit angeschlossener Bautischlerei. 1958 zog der Betrieb an den heutigen Standort in Ovenstädt und wurde um ein Sägewerk erweitert. Damit konnte das für die Zimmerei benötigte Holz selbst eingeschnitten werden. 50 Jahre leitete die Sägewerksmeisterin Renate Lampe die Firma, bevor sie den Betrieb in jüngere Hände legte. Ein halbes Jahr stand sie Sönke Böttcher beratend zur Seite. In dieser Zeit lernte der frischgebackene Uni-Absolvent das Unternehmen in allen Bereichen kennen. Es war ihm wichtig, auch alle Maschinen bedienen zu können. Kunden und Lieferanten hat der neue Geschäftsführer übernommen, als er in die Fußstapfen der früheren Chefin trat. Gleiches gilt für die Mitarbeiter, zusätzlich stellte er zwei neue Kollegen ein, so dass die Firma nun insgesamt acht Mitarbeiter hat. Sie verarbeiten Nutzholz für die Bereiche Bau, Gewerbe und Industrie und liefern Kaminholz an Privatverbraucher. Das Buchenholz geht überwiegend in die Verpackungsindustrie (Paletten) und gelangt so zum Teil nach Übersee, das Eichenholz in die Möbelherstellung oder zur Restaurierung etwa zum heimischen Mühlenverein. Selbst das Sägemehl findet Verwendung in der Spanplattenindustrie und Ziegelherstellung. Das ist für ihn ein Stück Nachhaltigkeit. Sönke Böttcher legt Wert darauf, dass das Holz aus heimischen Wäldern in einem Umkreis bis zu 60 Kilometern stammt. Das Gros stand vorher zum Beispiel im Schaumburger Wald oder an der Porta, sagt er. Zur Zeit befasst er sich mit den Verträgen mit den Forstämtern, um Holz für das nächste Jahr zu ordern. Während die meisten Firmen ihre Sägen zum Schärfen weggeben müssten, verfügt das Sägewerk Lampe über einen eigenen Schärfraum. Auf diese Weise kann ein Sägeblatt teilweise in einer Stunde wieder einsatzbereit sein. Manchmal ist aber auch nichts mehr zu machen. „Totalschaden“, sagt Böttcher und zeigt auf ein zehn Meter langes Blatt, dem zahlreiche Zähne fehlen. Schuld daran war ein Granatsplitter im Holz. Der Standort mit seiner guten Anbindung an das Ruhrgebiet einerseits und die Nordsee andererseits sei ideal. Das passte also auch. Denn Sönke Böttcher ist heimatverbunden, wie er sagt. Der Süden Deutschlands sei zwar ganz schön gewesen, doch er wollte gerne zurück. Nur vier Minuten braucht er, um aus Buchholz an seinen neuen Arbeitsplatz zu gelangen. Und auch, wenn die Tage derzeit sehr lang sind: „Der Schritt war richtig“, sagt der 27-Jährige. Wichtig ist für ihn, dass seine Eltern hinter seiner Entscheidung stehen. Dabei kommt ihm zugute, dass sein Vater bei der Buchhaltung hilft. Böttcher selbst ist nicht so sehr für Büroarbeit zu haben. Nach wie vor ist er gerne draußen unterwegs, unternimmt Waldspaziergänge mit seinem Hund. Sein Blick auf die Bäume sei heute jedoch ein anderer, gibt er zu. Und manchmal geht sein Blick auch in die Zukunft. Ein bis zwei Jahre gibt er sich, um das Werk und die Geschäfte von Grund auf zu durchdringen. Dann möchte er eigene Akzente setzen. Doch das sei in vielen Punkten noch noch Zukunftsmusik. Im Master-Studium spezialisierte sich Sönke Böttcher zwar auf die Säge-Industrie. Seinen Abschluss widmete er aber einem anderen Thema. Für seine Masterarbeit reiste er 2018 für einige Monate nach Manitoba, die östlichste Prärieprovinz in Kanada. Dort gibt es riesige Wälder, Tundra, Prärie, 100.000 Seen – und Wölfe. Das Wolfsmonotoring, also die Beobachtung und statistische Erfassung der meist in Rudeln lebenden Raubtiere, war das Thema der wissenschaftlichen Abschlussarbeit. „Eine Superzeit“, sagt der Jung-Unternehmer rückblickend. Wenngleich er sinniert, dass es im Hinblick auf seine jetzige Tätigkeit sinnvoller gewesen wäre, etwas auf den Beruf Bezogenes zu machen. Vielleicht aber auch gerade deshalb richtig: Denn die Aussicht auf eine monatelange Auszeit in Nordamerika ist in den nächsten Jahren eher gering.

90 Jahre alte Fußstapfen: Sönke Böttcher übernimmt traditionsreiches Sägewerk Lampe

Sönke Böttcher leitet seit Jahresanfang das Sägewerk Lampe an der Ovenstädter Straße. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Ovenstädt. Erst viel Theorie, jetzt noch mehr Praxis: Der Kontrast zur Zeit des Studiums könnte in Sönke Böttchers Leben derzeit kaum größer sein. Auch für andere beginnt nach der akademischen Ausbildung idealerweise sofort das Berufsleben. Doch der 27-Jährige stieg gleich als Firmenchef ein. Er übernahm zum Jahresbeginn das traditionsreiche Sägewerk Lampe in Ovenstädt.

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt der Buchholzer zu dieser rasanten Karriere. Nach dem Abitur am Freiherr-von-Stein-Kolleg Minden ging er zum Studium der Forst- und Holzwissenschaft an die TU München. Dort legte er 2019 seinen Master ab. Zu dieser Zeit suchte Renate Lampe einen Nachfolger für das elterliche Sägewerk, in dem sie 1962 ihre berufliche Laufbahn startete. Gegründet hatte die Fritz Lampe KG 1931 der gleichnamige Zimmermeister in einer kleinen Werkstatt in Eldagsen. Damals bestand der Betrieb aus einer Zimmerei mit angeschlossener Bautischlerei.

säge Foto: lehn - © lehn
säge Foto: lehn - © lehn

1958 zog der Betrieb an den heutigen Standort in Ovenstädt und wurde um ein Sägewerk erweitert. Damit konnte das für die Zimmerei benötigte Holz selbst eingeschnitten werden. 50 Jahre leitete die Sägewerksmeisterin Renate Lampe die Firma, bevor sie den Betrieb in jüngere Hände legte. Ein halbes Jahr stand sie Sönke Böttcher beratend zur Seite. In dieser Zeit lernte der frischgebackene Uni-Absolvent das Unternehmen in allen Bereichen kennen. Es war ihm wichtig, auch alle Maschinen bedienen zu können.

Das Rundholz für das Sägewerk stammt ausnahmslos aus heimischen Wäldern. - © Lehn
Das Rundholz für das Sägewerk stammt ausnahmslos aus heimischen Wäldern. - © Lehn

Kunden und Lieferanten hat der neue Geschäftsführer übernommen, als er in die Fußstapfen der früheren Chefin trat. Gleiches gilt für die Mitarbeiter, zusätzlich stellte er zwei neue Kollegen ein, so dass die Firma nun insgesamt acht Mitarbeiter hat. Sie verarbeiten Nutzholz für die Bereiche Bau, Gewerbe und Industrie und liefern Kaminholz an Privatverbraucher. Das Buchenholz geht überwiegend in die Verpackungsindustrie (Paletten) und gelangt so zum Teil nach Übersee, das Eichenholz in die Möbelherstellung oder zur Restaurierung etwa zum heimischen Mühlenverein. Selbst das Sägemehl findet Verwendung in der Spanplattenindustrie und Ziegelherstellung. Das ist für ihn ein Stück Nachhaltigkeit.

Sönke Böttcher legt Wert darauf, dass das Holz aus heimischen Wäldern in einem Umkreis bis zu 60 Kilometern stammt. Das Gros stand vorher zum Beispiel im Schaumburger Wald oder an der Porta, sagt er. Zur Zeit befasst er sich mit den Verträgen mit den Forstämtern, um Holz für das nächste Jahr zu ordern. Während die meisten Firmen ihre Sägen zum Schärfen weggeben müssten, verfügt das Sägewerk Lampe über einen eigenen Schärfraum. Auf diese Weise kann ein Sägeblatt teilweise in einer Stunde wieder einsatzbereit sein. Manchmal ist aber auch nichts mehr zu machen. „Totalschaden“, sagt Böttcher und zeigt auf ein zehn Meter langes Blatt, dem zahlreiche Zähne fehlen. Schuld daran war ein Granatsplitter im Holz.

Der Standort mit seiner guten Anbindung an das Ruhrgebiet einerseits und die Nordsee andererseits sei ideal. Das passte also auch. Denn Sönke Böttcher ist heimatverbunden, wie er sagt. Der Süden Deutschlands sei zwar ganz schön gewesen, doch er wollte gerne zurück. Nur vier Minuten braucht er, um aus Buchholz an seinen neuen Arbeitsplatz zu gelangen. Und auch, wenn die Tage derzeit sehr lang sind: „Der Schritt war richtig“, sagt der 27-Jährige. Wichtig ist für ihn, dass seine Eltern hinter seiner Entscheidung stehen. Dabei kommt ihm zugute, dass sein Vater bei der Buchhaltung hilft. Böttcher selbst ist nicht so sehr für Büroarbeit zu haben. Nach wie vor ist er gerne draußen unterwegs, unternimmt Waldspaziergänge mit seinem Hund. Sein Blick auf die Bäume sei heute jedoch ein anderer, gibt er zu.

Und manchmal geht sein Blick auch in die Zukunft. Ein bis zwei Jahre gibt er sich, um das Werk und die Geschäfte von Grund auf zu durchdringen. Dann möchte er eigene Akzente setzen. Doch das sei in vielen Punkten noch noch Zukunftsmusik.

Im Master-Studium spezialisierte sich Sönke Böttcher zwar auf die Säge-Industrie. Seinen Abschluss widmete er aber einem anderen Thema. Für seine Masterarbeit reiste er 2018 für einige Monate nach Manitoba, die östlichste Prärieprovinz in Kanada. Dort gibt es riesige Wälder, Tundra, Prärie, 100.000 Seen – und Wölfe. Das Wolfsmonotoring, also die Beobachtung und statistische Erfassung der meist in Rudeln lebenden Raubtiere, war das Thema der wissenschaftlichen Abschlussarbeit. „Eine Superzeit“, sagt der Jung-Unternehmer rückblickend. Wenngleich er sinniert, dass es im Hinblick auf seine jetzige Tätigkeit sinnvoller gewesen wäre, etwas auf den Beruf Bezogenes zu machen. Vielleicht aber auch gerade deshalb richtig: Denn die Aussicht auf eine monatelange Auszeit in Nordamerika ist in den nächsten Jahren eher gering.

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