Darjeeling-Ernten fallen Streik zum Opfer

veröffentlicht

Tee - © Foto: Christian Charisius
Eine Tee-Spezialistin gießt bei der Tee-Probe eines Händlers Wasser in die Probentassen. (© Foto: Christian Charisius)

Darjeeling/Hamburg - Liebhaber von Darjeeling-Tee werden womöglich eine Zeitlang auf das erlesene Getränk verzichten müssen. Die Plantagen in der nordostindischen Region Darjeeling überwuchern, weil die Pflücker streiken.

Es geht nicht etwa um ihre Arbeitsbedingungen, sondern um Autonomie für ihr Volk. Davon sind auch Teetrinker in Deutschland betroffen.

Links zum Thema
Website der indischen Teebehörde

In dem Bezirk des Bundesstaates Westbengalen herrscht seit Mitte Juni ein Generalstreik. Angehörige der nepalesischstämmigen Minderheit der Gorkha wollen damit ihrer Jahrzehnte alten Forderung nach einem eigenen Bundesstaat namens Gorkhaland Nachdruck verleihen.

Die Pflücker aller 87 Teegärten, aus deren Pflanzen der «Champagner unter den Tees» gewonnen wird, beteiligen sich an dem Streik. «Darjeeling» ist eine geschützte geografische Angabe - nur Tee aus der Region darf den Namen tragen.

Von den rund 8500 Tonnen Darjeeling, die normalerweise pro Jahr geerntet werden, importierte Deutschland nach Angaben des Deutschen Teeverbands in Hamburg im vergangenen Jahr knapp 700 Tonnen. Davon sei rund die Hälfte weiter exportiert worden. Eine Aussage zur Preisentwicklung durch den derzeitigen Ausfall sei nicht möglich, hieß es, da es schlichtweg keine neue Ware gebe.

Nur etwa 30 Prozent der üblichen Jahresmenge wurden bislang geerntet, wie der Generalsekretär des Teeproduzenten-Verbands «Darjeeling Tea Association», Kaushik Basu, der Deutschen Presse-Agentur erzählte. In diesem Jahr werde wohl keine weitere Ernte möglich sein, zumal es bald kälter werde. Noch gebe es Vorräte. «Aber in den ersten paar Monaten 2018 könnte uns ein Engpass treffen.»

Auslöser der jüngsten Proteste der Gorkha waren Pläne der Regierung des Bundesstaates, Bengalisch-Unterricht in allen Schulen zum Pflichtfach zu machen. Im Juni kam es zu Todesfällen bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Seitdem blieben die Geschäfte geschlossen, und der sonst rege Tourismus bleibt in der pittoresken Himalaya-Region aus.

Der Umsatz der Teeindustrie in Darjeeling, der normalerweise fünf Milliarden Rupien (etwa 65 Millionen Euro) pro Jahr betrage, werde um 70 Prozent einbrechen, sagte Basu.

Die drei Haupt-Ernteperioden des Jahres zwischen März und Oktober bringen jeweils unterschiedlich schmeckende «Flush»-Varianten hervor. Die Vorräte an «Second-Flush»-Darjeeling gingen den deutschen Teehändlern je nach Kaufverhalten der Konsumenten voraussichtlich zwischen Dezember und April kommenden Jahres aus, teilte der Teeverband auf Nachfrage mit. Danach werde die Sorte erst wieder im Herbst 2018 in Geschäften verfügbar sein.

Das setzt voraus, dass bald alles wieder beim Alten ist. Allerdings kamen laut Basru durch den Streik auch die Pflege der Pflanzen in den Teegärten sowie Neupflanzungen zu kurz.

Copyright © Mindener Tageblatt 2017
Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2017
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Engpaß bei TeeDarjeeling-Ernten fallen Streik zum OpferDarjeeling/Hamburg - Liebhaber von Darjeeling-Tee werden womöglich eine Zeitlang auf das erlesene Getränk verzichten müssen. Die Plantagen in der nordostindischen Region Darjeeling überwuchern, weil die Pflücker streiken.Es geht nicht etwa um ihre Arbeitsbedingungen, sondern um Autonomie für ihr Volk. Davon sind auch Teetrinker in Deutschland betroffen.In dem Bezirk des Bundesstaates Westbengalen herrscht seit Mitte Juni ein Generalstreik. Angehörige der nepalesischstämmigen Minderheit der Gorkha wollen damit ihrer Jahrzehnte alten Forderung nach einem eigenen Bundesstaat namens Gorkhaland Nachdruck verleihen.Die Pflücker aller 87 Teegärten, aus deren Pflanzen der «Champagner unter den Tees» gewonnen wird, beteiligen sich an dem Streik. «Darjeeling» ist eine geschützte geografische Angabe - nur Tee aus der Region darf den Namen tragen.Von den rund 8500 Tonnen Darjeeling, die normalerweise pro Jahr geerntet werden, importierte Deutschland nach Angaben des Deutschen Teeverbands in Hamburg im vergangenen Jahr knapp 700 Tonnen. Davon sei rund die Hälfte weiter exportiert worden. Eine Aussage zur Preisentwicklung durch den derzeitigen Ausfall sei nicht möglich, hieß es, da es schlichtweg keine neue Ware gebe.Nur etwa 30 Prozent der üblichen Jahresmenge wurden bislang geerntet, wie der Generalsekretär des Teeproduzenten-Verbands «Darjeeling Tea Association», Kaushik Basu, der Deutschen Presse-Agentur erzählte. In diesem Jahr werde wohl keine weitere Ernte möglich sein, zumal es bald kälter werde. Noch gebe es Vorräte. «Aber in den ersten paar Monaten 2018 könnte uns ein Engpass treffen.»Auslöser der jüngsten Proteste der Gorkha waren Pläne der Regierung des Bundesstaates, Bengalisch-Unterricht in allen Schulen zum Pflichtfach zu machen. Im Juni kam es zu Todesfällen bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Seitdem blieben die Geschäfte geschlossen, und der sonst rege Tourismus bleibt in der pittoresken Himalaya-Region aus.Der Umsatz der Teeindustrie in Darjeeling, der normalerweise fünf Milliarden Rupien (etwa 65 Millionen Euro) pro Jahr betrage, werde um 70 Prozent einbrechen, sagte Basu.Die drei Haupt-Ernteperioden des Jahres zwischen März und Oktober bringen jeweils unterschiedlich schmeckende «Flush»-Varianten hervor. Die Vorräte an «Second-Flush»-Darjeeling gingen den deutschen Teehändlern je nach Kaufverhalten der Konsumenten voraussichtlich zwischen Dezember und April kommenden Jahres aus, teilte der Teeverband auf Nachfrage mit. Danach werde die Sorte erst wieder im Herbst 2018 in Geschäften verfügbar sein.Das setzt voraus, dass bald alles wieder beim Alten ist. Allerdings kamen laut Basru durch den Streik auch die Pflege der Pflanzen in den Teegärten sowie Neupflanzungen zu kurz.