Nur der Polizeiruf 110 ist noch da

Von Stefan Koch

Dienststellen der Ordnungshüter seit einem Monat vom Netz / Neustart Mitte März geplant

Bad Oeynhausen / Minden (va). Während die Polizei in der niedersächsischen Nachbarschaft über Facebook im Internet auf Verbrecherjagd geht, stehen die Kollegen in NRW seit dem Hackerangriff vor vier Wochen ganz ohne Homepage da. Bürger informierten sich auch bei der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke noch vor einem Monat gern per Mausclick. Jetzt ist offen, wann das wieder geht.

Nach dem Hackerangriff verweist die Polizei in Nordrhein-Westfalen auf ihrer Homepage auf den Polizeiruf 110. MT-Foto: Manfred Otto
Nach dem Hackerangriff verweist die Polizei in Nordrhein-Westfalen auf ihrer Homepage auf den Polizeiruf 110. MT-Foto: Manfred Otto

Mit acht Millionen Mausklicks monatlich wurde zuletzt in NRW die Internetpräsenz des Landes nachgefragt. Für das Angebot sorgte das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg. Die Behörde hält unter anderem ein eigenes Rechenzentrum für die Polizei vor. Über den zentralen Auftritt waren 47 Kreispolizeibehörden mit eigener Homepage erreichbar.

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Nachdem ein Hacker eine Sicherheitslücke im Internetportal der Polizei aufgedeckt hatte, sperrte diese das Angebot am 30. Januar landesweit. Seit einem Monat gibt es deshalb keine Bürgerservice im Netz vor Ort.

"Das Angebot wurde sehr gut nachgefragt", bestätigt Burghardt Lübker, der für die Homepage der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke zuständig war. Veröffentlicht wurde darauf unter anderem ein Fahndungsportal mit Fotos von Tatverdächtigen oder der Beute ertappter Wohnungseinbrecher, woraufhin sich Zeugen melden konnten. "Das hat uns bei der Aufklärung von Straftaten geholfen." Von Warnhinweisen zum Enkeltrick oder anderen Betrugsmaschen profitierten die Nutzer der Polizeihomepage ebenso, wie von Tipps gegen Einbrecher und Diebe oder Informationen zur Winterreifenpflicht.

Doch die Liste all dessen, was unter anderem die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke unter Öffentlichkeitsarbeit versteht, ist noch viel länger. Lübker nennt Informationen zur Organisation der Behörde mit Auflistung der zuständigen Dienste und die Darstellung der Ansprechpartner zum "Girl´s Day", zur Einstellungsberatung und vielem mehr. Bürger konnten ihre Fahrräder online codieren lassen und sich über die nächsten Frauenselbstbehauptungskurse informieren. "Ich hoffe, dass es die Seite wieder gibt, wenn wir im Juni unsere Aktion ,Blaulicht live veranstalten", sagt Lübker.

Bereits Mitte Februar erklärte LZPD-Direktor Jürgen Mathies, dass nach der Analyse des Hacker-Angriffs ein komplett neuer Internetauftritt der Polizei in Nordrhein-Westfalen erstellt werden müsse. Während vor zwei Wochen ein Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Internetbetriebs noch offen war, nannte am Montag Astrid Fettweiß, Pressesprecherin des LZPD, Mitte März als frühestmöglichen Termin. Allerdings werde dann zunächst die zentrale Landesseite ans Netz gehen. Erst in der Folge schlössen sich die einzelnen Kreispolizeibehörden nacheinander an.

Ziel des LZPD bleibt es, den Bürgern die Möglichkeit zu Onlineanzeige oder Informationen über die Polizeiarbeit zu geben. Wie Astrid Fettweiß weiter erklärte, werde auch der neue Internetauftritt nur ein vorläufiges Konzept darstellen. Ob soziale Netzwerke dann einbezogen würden, sei derzeit noch offen. Auf jeden Fall werde die Seite aber ihre alte Adresse www.polizei.nrw.de behalten.

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