Herforder Jugend forscht sich an die Spitze

Von Wiebke Eichler

Vier Schüler-Teams gewinnen erste Plätze beim Regionalausscheid / Als nächstes kommt der Landeswettbewerb

Herford (va). Um helle Köpfe müssen sich die städtischen Schulen sicher keine Sorgen machen: Beim Regionalausscheid des Wissenschaftswettbewerbs "Jugend forscht" in der Schalterhalle der Sparkasse belegten vier Teams aus Herford Platz eins, jeweils eine Gruppe kam auf einen zweiten und dritten Platz.

Durch einen simplen Schieb-Mechanismus wird der Laubaufsammler von Melissa Janet Arweiler zum schlauen Helfer für Menschen mit Rückenproblemen.
Durch einen simplen Schieb-Mechanismus wird der Laubaufsammler von Melissa Janet Arweiler zum schlauen Helfer für Menschen mit Rückenproblemen.

"Wirklich eine tolle Idee", sagen die Besucher Birgit und Jörg Klinge über den intelligenten Medienwagen. Dieses Gefährt, das den Diebstahl von Technikzubehör in ihrer Schule verhindern soll, brachte Maurice Breder (15), Marcel Schubert (14) und Tobias Ludwig (14) von der Otto-Hahn-Schule den ersten Platz in der Kategorie Technik. Zwar will die kluge Bremse am Nachmittag nicht mehr so richtig, "aber bei der Jury-Vorstellung hat alles perfekt funktioniert", sagt Marcel lässig.

Besucher der Ausstellung in der Schalterhalle zeigen sich begeistert von den "tollen Ideen" der Jugendlichen. Und auch Koordinatoren und Jury zeigen sich mehr als begeistert vom Niveau der Arbeiten.
Besucher der Ausstellung in der Schalterhalle zeigen sich begeistert von den "tollen Ideen" der Jugendlichen. Und auch Koordinatoren und Jury zeigen sich mehr als begeistert vom Niveau der Arbeiten.


Forscherfamilien: Uta-Wattenberg-Houppert, Bernd Houppert, Hilde , Meike Fleer und Gerd Fleer und Linus und Noel (v.l. im Hg.) scharen sich um die Erstplatzierten Sven Fleer (links) und Thorben Houppert.
Forscherfamilien: Uta-Wattenberg-Houppert, Bernd Houppert, Hilde , Meike Fleer und Gerd Fleer und Linus und Noel (v.l. im Hg.) scharen sich um die Erstplatzierten Sven Fleer (links) und Thorben Houppert.

Genauso lässig, weil schon ein alter Hase im Wettbewerb, ist Alexander Hempelmann (19) vom Ravensberger Gymnasium. Er hat einen so genannten biokompatiblen Klebstoff entwickelt, der Knochen zusammen leimt und sich danach abbaut. War er im vergangenen Jahr schon der Beste in der Kategorie Chemie, hat es in diesem Jahr auch für Platz eins und damit für ein Ticket zum Landeswettbewerb nach Leverkusen gereicht.

Seine Schulkameraden Dominik Sturhahn (19) und Alexander Dirks (19) rechneten sich bei der starken Konkurrenz für ihre Idee an sich zwar keine großen Chancen aus, "aber wir haben den Sympathie-Magnum-Bonus", sagt Alexander.

Die Beiden haben eine Survival-Batterie entwickelt, die ausschließlich aus Grillzubehör besteht. Für soviel Kreativität und praktische Umsetzung wissenschaftlicher Grundsätze reicht es dann auch für Platz zwei im Fachgebiet Chemie.

Einer der Besuchermagneten in der Schalterhalle hört auf "Chantal". "Das ist eine wirklich praktische Erfindung - nicht nur für Ältere", sagt Besucherin Ute Jordan über den elektrischen Universalflaschenöffner, den Lisa-Marleen Geisler (15), André Meril (15) und Niklas Hoh (14) von der Otto-Hahn-Schule entwickelt haben. Warum er nun Chantal heißt, darauf geben die Drittplatzierten in der Kategorie Technik immer noch keine Antwort, aber sie können gar nicht soviel Flaschen heran schaffen, wie die Gäste mit Chantal öffnen wollen.

Noch umringter ist da wohl nur noch der Stand von Melissa Janet Arweiler (14) vom Ravensberger Gymnasium. Im Wettbewerb "Schüler experimentieren", der jüngeren Variante von "Jugend forscht", siegt sie mit ihrem Laubaufsammler, der älteren Menschen bei der Gartenarbeit hilft, in der Kategorie Arbeitswelt.

Hatte sie im Vorfeld noch den kleinen Helfer vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt - denn ein Patent ist schon angemeldet - so lüftet sie in der Sparkasse das Geheimnis: "Wenn man die Blätter aufgespießt hat, schiebt sie eine Lochplatte mit einem Handgriff wieder von den Zinken." Auf die Idee brachte sie ihr Opa Horst Lütkenhöner: "Ich habs im Rücken und konnte nicht richtig im Garten arbeiten", sagt er mit einem stolzen Seitenblick auf die Enkelin. Zusätzlich gewinnt Melissa damit auch den Sonderpreis Umwelttechnik von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Sven Fleer (13) und Torben Houppert (13) vom Königin-Mathilde-Gymnasium belegen mit ihrer Untersuchung von Magnesium den ersten Platz in der Kategorie Chemie bei "Schüler experimentieren". So bewahrheitet sich auch der Satz ihres Lehrers Norbert Tiemann, der im Vorfeld sagte: "Auf dem ersten Blick ist das ein langweiliges Thema, aber man muss nur die richtigen Fragen stellen. Dann wird es auch spannend."

Christina Meyer, Koordinatorin des Wettbewerbs von Seiten der Sparkasse, ist von dem langen Wettbewerbstag begeistert: "Die Schüler waren sehr diszipliniert, höflich und freundlich. Die Arbeiten sind, wenn ich das als Laie richtig einschätzen kann, wirklich überragend."

Das bestätigt auch Jury-Mitglied Dr. Volker Weinrich: "Das Niveau ist in diesem Jahr unglaublich hoch. Teilweise sind Arbeiten auf Universitäts-Level entstanden. Da müssen wir natürlich aufpassen, dass wir die Bewertungsmaßstäbe richtig anlegen."

Aus der Herforder Sicht hätte die Bewertung fast nicht besser ausfallen können. Vom 26. bis 29. März werden der Medienwagen und der Knochenkleber in Leverkusen, der Laubsammler und das Magnesium am 11. und 12. Mai in Bochum beim Landeswettbewerb antreten.

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