Immer weniger Nitrat

Von Jobst Lüdeking

Landwirte und Versorger kooperieren mit Erfolg

Herford/Bielefeld (va). Seit 1994 hat sie Bestand: die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit zwischen Wasserversorgungsunternehmen im Kreis Herford und Bielefeld mit den Landwirten. Offenbar ein Erfolgsmodell.

Bestellung: Mit dem Verfahren kann Senf ausgesät werden. Die hinter dem Traktor angebaute rote Maschine zerkleinert den Boden, im Trichter darüber ist das Saatgut, das anschließend ausgebracht wird. Foto: pr
Bestellung: Mit dem Verfahren kann Senf ausgesät werden. Die hinter dem Traktor angebaute rote Maschine zerkleinert den Boden, im Trichter darüber ist das Saatgut, das anschließend ausgebracht wird. Foto: pr

Die Bilanz, die jetzt bei der Verlängerung der Kooperationsvereinbarung gezogen wurde, lässt sich sehen.

"Pflanzenschutzmittel spielen in den Gewässern keine Rolle mehr", bilanzierte Jochen Simke von der Energie- und Wasserversorgung Bünde und Vorsitzender der Kooperation.

Bei auftretenden Nitratbelastungen seien sinkende Tendenzen zu erkennen. 140 Landwirte bewirtschaften rund 8 000 Hektar Fläche im Einzugsgebiet der Wasserversorger - den sogenannten Wasserschutzgebieten. Dort soll etwa durch gezielte Düngung unter anderem die Auswaschung von Stickstoff, der als Nitrat im Wasser auftaucht, minimiert oder gestoppt werden. Die Wasserversorger beteiligen sich deshalb an den Beratungs- und auch Saatgutkosten.

Die Beratung übernimmt Pflanzenbau-Expertin Jutta Osterloh: "Bei der Frage der Düngung von Pflanzen ist es etwa so wie bei uns Menschen. Man wirft zunächst einen Blick in die Speisekammer, also den Boden, und schaut - etwa anhand einer Untersuchung - welche Nährstoffe dort enthalten sind. Dann errechnet man, wie hoch der Bedarf einer Kultur ist."

Klingt einfach: Doch dabei spielen auch andere Faktoren wie die Bodenart, die Vorfrucht oder die Temperatur wichtige Rollen. Für Landwirt Hermann Dedert aus Hiddenhausen steht etwa vor der Bestellung der Zuckerrüben im April bereits im August des vorhergehenden Jahres die Aussaat von Senf auf dem Arbeitsplan: "Der Senf mit seinen Wurzeln hält die Nährstoffe fest", skizziert er die Wirkung der im Herbst gelb blühenden Zwischenfrucht. Darüber hinaus wird von den Höfen Gülle nahe am Boden mit sogenannten Schleppschlauchverteilern ausgebracht, die eine exaktere Dosierung ermöglichen. "Viele der Maßnahmen, die wir heute umsetzen", erklärt Jochen Simke, "werden sich erst in 20, 30 oder gar 40 Jahren auswirken."

Denn so lange dauert es teilweise, bis Wasser von einem Feld so tief gesickert ist, dass es in die Schichten kommt, die von den Wasserversorgern für die Trinkwassergewinnung angezapft werden. Jochen Simke sprach sich wie auch Herfords Kreislandwirt Werner Seeger und Werner Weingarz, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer NRW in Herford und Minden-Lübbecke, für eine Beibehaltung des erfolgreichen Kooperationsmodells aus.

Copyright © Mindener Tageblatt 2014
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.