Land unter im leerstehenden "Stadt Berlin"

Von Jobst Lüdeking

Wasserrohrbrüche beschäftigten Feuerwehr und Installateure / Imbiss im Erdgeschoss zwangsweise stillgelegt

Herford (va). Bei Temperaturen bis minus 19 Grad hatte sie das Eis fest verschlossen, doch mit den Plus-Graden werden geborstene Wasserleitungen zum Problem. Wie Donnerstag Morgen in Herford vor dem Bahnhof, wo es einen besonders spektakulären Fall gab: Im zum Verkauf stehenden Hotel "Stadt Berlin" war in einem Zimmer im ersten Stock ein Rohr geborsten. Doch nicht nur dort gibt es Probleme.

Vier Feuerwehrwagen vor dem Hotel: Das Gebäude gegenüber vom Bahnhof steht zum Verkauf.
Vier Feuerwehrwagen vor dem Hotel: Das Gebäude gegenüber vom Bahnhof steht zum Verkauf.

"Als ich zur Arbeit kam und die Tür aufschloss, war schon überall Wasser. Ich habe dann die Polizei angerufen und die Feuerwehr", erzählt Menekse Öztürk, die in dem Imbiss im Erdgeschoss beschäftigt ist. Die Feuerwehrmänner brachen die Türen zum Hotel auf, um ins Innere zu kommen. Das Wasser hatte sich im ersten Stock ausgebreitet und war in die Räume des leerstehenden China-Restaurants eingedrungen, tropfte im Gastraum von der Decke und hatte den Teppichboden überflutet. "Im Keller stand das Wasser zehn Zentimeter hoch", berichtet ein Feuerwehrmann. "Rund um die Heizungsanlage, die etwas tiefer steht, war es knapp ein halber Meter."

E.on-Techniker kappten die Stromleitung, um einen Kurzschluss zu verhindern. Damit war auch der Imbiss von Tekin Mehmat zwangsweise stillgelegt. "Ich kann jetzt nichts machen und muss erstmal abwarten", sagt der 37-Jährige.

Kein Swimmingpool: Der leerstehende Gastraum stand voller Wasser. Es war aus einem Zimmer im ersten Stock nach unten gelaufen. Fotos: Kiel-Steinkamp
Kein Swimmingpool: Der leerstehende Gastraum stand voller Wasser. Es war aus einem Zimmer im ersten Stock nach unten gelaufen. Fotos: Kiel-Steinkamp


Wasser mit Tauchpumpen aus dem Keller entfernt
Zwischenzeitlich hatten sieben Männer der Wehr im Keller mit Tauchpumpen den größten Teil des Wasser entfernt. "Ich schätze, dass wir bisher 5.000 Liter abgepumpt haben", so Feuerwehr-Chef Michael Stiegelmeier. Der Einsatz sei nicht ungewöhnlich: "Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem der Keller eines Malerbetriebs voll gelaufen war und wir 400 Kubikmeter abpumpen mussten."

Nicht nur die Feuerwehr ist im Einsatz, vor allem die Sanitärunternehmen arbeiten unter Hochdruck: "Grob geschätzt haben wir mittlerweile elf durch Frost ausgelöste Rohrbrüche gehabt", erzählt Dirk Ross, Inhaber des Heizungs-und Sanitärunternehmens Metzler. "Eine ausgefallene Heizung hat dazu geführt, dass in einem Dachgeschoss eine Leitung gebrochen ist und das Wasser durch alle Etagen bis hinunter in den Keller strömte." Viele Eigentümer haben wahrscheinlich noch nicht bemerkt, dass Leitungen gebrochen sind, weiß Thomas Ramm vom gleichnamigen Sanitärbetrieb. "Die klassischen Fälle sind nach wie vor die, bei denen die Häuser nicht durchgängig bewohnt werden und deshalb teils gar nicht geheizt werden oder sie vielleicht zum Verkauf stehen und nicht regelmäßig im Keller nach der Heizung geschaut wird", so der Fachmann.

Simone Hippe, Inhaberin des mit der Vermarktung betrauten Bielefelder Immobilienunternehmens, kann zu dem Wasserschaden noch nichts sagen: "Wir müssen uns zunächst einen Überblick verschaffen. Der Sohn der Eigentümer wird auch nach Herford kommen und das Gebäude ansehen."

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