Bundestrainer Prokop holt GWD-Mindens Michalczik

Eric Dobias

GWD Mindens Marian Michalczik (rechts), hier gegen Berlins Kresimir Kozina, wurden ins Nationalteam berufen. - © Foto: Krischi Meier
GWD Mindens Marian Michalczik (rechts), hier gegen Berlins Kresimir Kozina, wurden ins Nationalteam berufen. (© Foto: Krischi Meier)

Frankfurt/Minden (dpa/cb). Urlaubsstimmung wollte Christian Prokop bei seiner Mannschaft vor dem Trip an die portugiesische Atlantikküste gar nicht erst aufkommen lassen. Vier Tage nach dem Saisonende in der Bundesliga fordert der Handball-Bundestrainer im EM-Qualifikationsspiel gegen den Gruppenzweiten Portugal heute (20.30 Uhr/Sport1 live) in Gondomar noch einmal eine große Willensleistung und volle Konzentration, die auch durch die schwere Verletzung von Simon Ernst nicht gestört werden soll.

„Die meisten Spieler sind schon im Urlaub. Insofern muss es uns gelingen, den Schalter umzulegen, um erfolgreich zu sein“, sagte Prokop vor dem Abflug gestern Morgen und appellierte: „Ich will das nicht als Muss-Veranstaltung betiteln. Es ist nach wie vor eine Ehre und etwas ganz Besonderes, für sein Land zu spielen.“

In diesen Genuss kommt Ernst nicht. Der 23 Jahre alte Rückraumspieler vom VfL Gummersbach zog sich am Montagabend im Training einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu und fällt länger aus. „Für Simon tut uns das sehr leid. Das ist für ihn unheimlich bitter“, sagte Prokop. Gegen Portugal rückt der Leipziger Niclas Pieczkowski ins Aufgebot, am Sonntag gegen die Schweiz der Mindener Marian Michalczik.

Der hatte zwar nach eigener Aussage von den schweren Knieverletzungen des Berliners Paul Drux und des Gummersbachers Simon Ernst erfahren, aber nicht damit gerechnet, von Prokop für den zweiten Vergleich in Bremen nominiert zu werden. „Ich bin natürlich total überwältigt. Ich hatte zwei Anrufe in Abwesenheit und eine Sprachnachricht vom Bundestrainer auf meinem Handy gesehen und dachte, ‘oh Gott, was ist jetzt los’“. Der gerade in Angriff genommene Umzug in eine gemeinsame Wohnung mit seiner Freundin muss nun erst einmal hinten anstehen. Am Donnerstag geht es für den gerade erst 20 jahre alt gewordenen Rückraumspieler nach Bremen. Zeit zum Überlegen bleibt erst einmal wenig. Aber die paar Sekunden, um die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen, nimmt sich der Blondschopf schon: „In meinem letzten Jugendjahr zehn Zweitligaspiele unter Frank Carstens, dann durch die Verletzungen von Nenad Bilbija und Florian Freitag die vielen Spielanteile in der Bundesliga. Irgendwie war ich zur richtgen Zeit am richtigen Ort. Aber meine Chancen, glaube ich zumindest, habe ich genutzt“, stellt Michalczik klar.

Das Ticket für die Europameisterschaft 2018 in Kroatien hat der Titelverteidiger, der die Gruppe 5 mit acht Punkten vor Portugal (5) und Slowenien (3) anführt, bereits sicher. Schon mit einem Remis beim Verfolger würde die DHB-Auswahl den Gruppensieg vorzeitig klarmachen, der bei der Endrunden-Auslosung am 23. Juni auf leichtere Gegner hoffen ließe. „Es liegt natürlich eine Gefahr darin, dass wir uns vorzeitig qualifiziert haben“, stellte Prokop fest. „Aber ich glaube, dass alle den Erfolg wollen und dafür auch alles investieren werden.“

Die Portugiesen gelten als körperlich robust, weshalb Prokop sie mit Katar vergleicht. Gegen die Asiaten scheiterte Deutschland bei der WM im Achtelfinale - das sollte Warnung genug sein. „Sie können mit einem Sieg das EM-Ticket lösen, von daher werden sie hoch motiviert sein. Es wird darauf ankommen, dass wir sehr aggressiv decken und uns sehr beweglich präsentieren“, erklärte Prokop. „Ein bisschen Taktieren wird nicht reichen.“

Neben Ernst muss er auf die Stammkräfte Finn Lemke, Steffen Weinhold, Paul Drux und Steffen Fäth verzichten. Dennoch erwartet Prokop von seinen Schützlingen einen engagierten und konzentrierten Auftritt. „Wir wollen an die kleine Euphorie aus den Slowenien-Spielen anknüpfen und diese noch ein Stück ausbauen“, verkündete er zuversichtlich.

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Bundestrainer Prokop holt GWD-Mindens MichalczikEric DobiasFrankfurt/Minden (dpa/cb). Urlaubsstimmung wollte Christian Prokop bei seiner Mannschaft vor dem Trip an die portugiesische Atlantikküste gar nicht erst aufkommen lassen. Vier Tage nach dem Saisonende in der Bundesliga fordert der Handball-Bundestrainer im EM-Qualifikationsspiel gegen den Gruppenzweiten Portugal heute (20.30 Uhr/Sport1 live) in Gondomar noch einmal eine große Willensleistung und volle Konzentration, die auch durch die schwere Verletzung von Simon Ernst nicht gestört werden soll.„Die meisten Spieler sind schon im Urlaub. Insofern muss es uns gelingen, den Schalter umzulegen, um erfolgreich zu sein“, sagte Prokop vor dem Abflug gestern Morgen und appellierte: „Ich will das nicht als Muss-Veranstaltung betiteln. Es ist nach wie vor eine Ehre und etwas ganz Besonderes, für sein Land zu spielen.“In diesen Genuss kommt Ernst nicht. Der 23 Jahre alte Rückraumspieler vom VfL Gummersbach zog sich am Montagabend im Training einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu und fällt länger aus. „Für Simon tut uns das sehr leid. Das ist für ihn unheimlich bitter“, sagte Prokop. Gegen Portugal rückt der Leipziger Niclas Pieczkowski ins Aufgebot, am Sonntag gegen die Schweiz der Mindener Marian Michalczik.Der hatte zwar nach eigener Aussage von den schweren Knieverletzungen des Berliners Paul Drux und des Gummersbachers Simon Ernst erfahren, aber nicht damit gerechnet, von Prokop für den zweiten Vergleich in Bremen nominiert zu werden. „Ich bin natürlich total überwältigt. Ich hatte zwei Anrufe in Abwesenheit und eine Sprachnachricht vom Bundestrainer auf meinem Handy gesehen und dachte, ‘oh Gott, was ist jetzt los’“. Der gerade in Angriff genommene Umzug in eine gemeinsame Wohnung mit seiner Freundin muss nun erst einmal hinten anstehen. Am Donnerstag geht es für den gerade erst 20 jahre alt gewordenen Rückraumspieler nach Bremen. Zeit zum Überlegen bleibt erst einmal wenig. Aber die paar Sekunden, um die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen, nimmt sich der Blondschopf schon: „In meinem letzten Jugendjahr zehn Zweitligaspiele unter Frank Carstens, dann durch die Verletzungen von Nenad Bilbija und Florian Freitag die vielen Spielanteile in der Bundesliga. Irgendwie war ich zur richtgen Zeit am richtigen Ort. Aber meine Chancen, glaube ich zumindest, habe ich genutzt“, stellt Michalczik klar.Das Ticket für die Europameisterschaft 2018 in Kroatien hat der Titelverteidiger, der die Gruppe 5 mit acht Punkten vor Portugal (5) und Slowenien (3) anführt, bereits sicher. Schon mit einem Remis beim Verfolger würde die DHB-Auswahl den Gruppensieg vorzeitig klarmachen, der bei der Endrunden-Auslosung am 23. Juni auf leichtere Gegner hoffen ließe. „Es liegt natürlich eine Gefahr darin, dass wir uns vorzeitig qualifiziert haben“, stellte Prokop fest. „Aber ich glaube, dass alle den Erfolg wollen und dafür auch alles investieren werden.“Die Portugiesen gelten als körperlich robust, weshalb Prokop sie mit Katar vergleicht. Gegen die Asiaten scheiterte Deutschland bei der WM im Achtelfinale - das sollte Warnung genug sein. „Sie können mit einem Sieg das EM-Ticket lösen, von daher werden sie hoch motiviert sein. Es wird darauf ankommen, dass wir sehr aggressiv decken und uns sehr beweglich präsentieren“, erklärte Prokop. „Ein bisschen Taktieren wird nicht reichen.“Neben Ernst muss er auf die Stammkräfte Finn Lemke, Steffen Weinhold, Paul Drux und Steffen Fäth verzichten. Dennoch erwartet Prokop von seinen Schützlingen einen engagierten und konzentrierten Auftritt. „Wir wollen an die kleine Euphorie aus den Slowenien-Spielen anknüpfen und diese noch ein Stück ausbauen“, verkündete er zuversichtlich.