Mangel im Kreißsaal - zu wenig Hebammen in Geburtskliniken

Florian Pfitzner

Eine Hebamme kümmert sich um den neun Tage alten Emil. Foto: Uli Deck/dpa - © Uli Deck
Eine Hebamme kümmert sich um den neun Tage alten Emil. Foto: Uli Deck/dpa (© Uli Deck)

Düsseldorf (mt/fpf). Meike Meier kennt die alltäglichen Unzulänglichkeiten. Während der Arbeit sei sie schon „froh, wenn ich überhaupt die Grundversorgung einigermaßen abdecken kann“, sagt sie im NRW-Landtag. Die Hebamme kritisiert die Begleitung und Betreuung der Schwangeren und ihrer Familien, beides sei „von deutlichen Defiziten geprägt“.

Häufig haben Schwangere große Schwierigkeiten, eine Hebamme und einen Platz in einem Kreißsaal zu finden. In den Entbindungskliniken ist eine Geburtshelferin oft für mehrere Gebärende gleichzeitig zuständig. Zugleich werden in ländlichen Regionen die Anfahrtswege zu den Kliniken länger. Kliniken weisen die Frauen regelmäßig ab. So erzählt es Meier in der Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Gesundheit.

Laut der Hochschule für Gesundheit in Bochum ist die Zahl der geburtshilflichen Kliniken im Regierungsbezirk Detmold in den vergangenen zehn Jahren von 22 auf 17 gesunken. Landesweit ging die Zahl der geburtshilflichen Abteilungen (Kliniken und Geburtshäuser) trotz steigender Geburtenrate von 194 auf 153 zurück.

Durch den Rückgang verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen stetig, heißt es vom Landesverband der Hebammen NRW. Die Vorsitzende Barbara Blomeier hat eine Studie in den Landtag mitgebracht, wonach die Hälfte der Hebammen häufig drei Frauen gleichzeitig betreut – wenn die Geburtshelfer „nicht gerade den Kreißsaal putzen oder Sekretariatsarbeit erledigen“. Blomeier verlangt eine „hochwertige Betreuung der Frauen statt Fließbandarbeit“.

Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der hohen Versicherungskosten geben immer mehr Hebammen ihren Beruf auf. Oder sie konzentrieren sich nur noch auf die Vor- und Nachbetreuung der Schwangeren. Mittlerweile schieben sich die Anmeldungen weit nach vorne, so Meier. „Wer sich nicht bis zur 20. Schwangerschaftswoche um eine Hebamme bemüht, geht meistens leer aus.“

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Mangel im Kreißsaal - zu wenig Hebammen in GeburtsklinikenFlorian PfitznerDüsseldorf (mt/fpf). Meike Meier kennt die alltäglichen Unzulänglichkeiten. Während der Arbeit sei sie schon „froh, wenn ich überhaupt die Grundversorgung einigermaßen abdecken kann“, sagt sie im NRW-Landtag. Die Hebamme kritisiert die Begleitung und Betreuung der Schwangeren und ihrer Familien, beides sei „von deutlichen Defiziten geprägt“. Häufig haben Schwangere große Schwierigkeiten, eine Hebamme und einen Platz in einem Kreißsaal zu finden. In den Entbindungskliniken ist eine Geburtshelferin oft für mehrere Gebärende gleichzeitig zuständig. Zugleich werden in ländlichen Regionen die Anfahrtswege zu den Kliniken länger. Kliniken weisen die Frauen regelmäßig ab. So erzählt es Meier in der Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Gesundheit. Laut der Hochschule für Gesundheit in Bochum ist die Zahl der geburtshilflichen Kliniken im Regierungsbezirk Detmold in den vergangenen zehn Jahren von 22 auf 17 gesunken. Landesweit ging die Zahl der geburtshilflichen Abteilungen (Kliniken und Geburtshäuser) trotz steigender Geburtenrate von 194 auf 153 zurück. Durch den Rückgang verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen stetig, heißt es vom Landesverband der Hebammen NRW. Die Vorsitzende Barbara Blomeier hat eine Studie in den Landtag mitgebracht, wonach die Hälfte der Hebammen häufig drei Frauen gleichzeitig betreut – wenn die Geburtshelfer „nicht gerade den Kreißsaal putzen oder Sekretariatsarbeit erledigen“. Blomeier verlangt eine „hochwertige Betreuung der Frauen statt Fließbandarbeit“. Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der hohen Versicherungskosten geben immer mehr Hebammen ihren Beruf auf. Oder sie konzentrieren sich nur noch auf die Vor- und Nachbetreuung der Schwangeren. Mittlerweile schieben sich die Anmeldungen weit nach vorne, so Meier. „Wer sich nicht bis zur 20. Schwangerschaftswoche um eine Hebamme bemüht, geht meistens leer aus.“