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Wo die Ursachen des Krankenhaus-Finanzdesasters liegen Bericht des Rechnungsprüfungsamts im Kreistag / Ein Gemisch aus Unterlassungen, falschen Einschätzungen und mehr Minden (hn). Wer ist schuld am Finanzdesaster der Mühlenkreis-Kliniken? Antworten darauf erhofften sich gestern die Mitglieder des Kreistags vom Bericht des Rechnungsprüfungsamts. Die Frage konnte nur in Teilen beantwortet werden, wie Klaus-Dieter Buck, Leiter des Amtes, in seinem Vortrag einräumte. Er hatte in akribischer Arbeit aus Unterlagen, Protokollen und Interviews die Gründe für die Misere herauszufinden versucht, die den Kreis möglicherweise zu einer Verdoppelung seiner Schulden um 55 Millionen Euro zwingt. Dieser Beitrag des Kreises als Träger soll aber nur aufgenommen werden, wenn ein von allen getragenes, Erfolg versprechendes Sanierungskonzept vorliegt, das eine Beraterfirma ab Februar aufstellen soll.Bis zu 90 Millionen Euro lauten in der öffentlichen Diskussion die Angaben zur Finanzlücke. Buck legte in einem historischen Abriss klar, wie sich die Einzelprobleme kumulierten, wie durch mangelnde Informationspolitik über drohendes finanzielles Unheil, durch Passivität, durch Mängel in der Verantwortungs- und Entscheidungskompetenz, durch zusätzliche Bauten, nicht eingehaltene Landeszusagen, aber auch strukturelle Mängel sowie auch ein "großzügig geplantes" aber nicht rationell optimiertes Jahrhundertbauwerk Johannes-Wesling-Klinikum die Finanzmisere mehrere Ursachen hat. Auf die "Väter" der Misere ging Buck nicht ein. Das war nicht seine Aufgabe.Der Grundlagenbeschluss des Kreistages deckelte die Kosten des für notwendig erachteten Neubaus im Juni 2001 bei 400 Millionen D-Mark (204,5 Millionen Euro) ohne technische Ausstattung. Sieben Jahre danach und knapp vier Jahre nach Baubeginn sind daraus Gesamtkosten von 262 Millionen Euro geworden. Und "es könnten noch ein paar mehr werden", wies Buck auf offene Gerichtsverfahren um Baufirmen-Rechnungen hin.Überall wurden die Vorgaben nicht eingehalten: So wurden die Erbauer und Finanzierer anscheinend von der Mehrwertsteuererhöhung überrascht. Das wurde aber während der Bauzeit ebenso wenig öffentlich thematisiert wie der späte Beschluss, die Apotheke doch schon mitzubauen. Beklagt wurde vielmehr das Ausbleiben fest eingeplanter Landeshilfen. Die Millionen-Zusagen, die der damalige Landrat Wilhelm Krömer aus Düsseldorf hatte, wurden nicht in bare Münze umgesetzt: Die Lücke musste teuer zwischen- und vorfinanziert werden. Teilweise mit Überziehung der Girokonten. Dazu kam laut Bucks Recherchen, dass die Gegenfinanzierung nicht wie geplant umgesetzt wurde. 235 Vollzeitstellen sollten durch die neue Organisationstruktur mit rund 200 Betten weniger im neuen Gebäude gestrichen werden. Unter dem Strich blieben etwas mehr als ein Dutzend. Auch kalkulierte Einsparungen bei den Sachkosten erwiesen sich nach Bucks Worten als Luftnummern. So seien die Energiekosten im Neubau höher als in den Altbauten. Und das Nutzflächenverhältnis und die auf Bettenzahl umgelegten laufenden Kosten seien schlechter als in vergleichbaren Krankenhäusern.Da nicht rechtzeitig die Warnlampen erkannt und Konsequenzen gezogen worden waren, wurden die vielen "Stolpersteine" zu einer Lawine, die nun die MKK und den Kreis zu überrollen droht.

Wo die Ursachen des Krankenhaus-Finanzdesasters liegen

Minden (hn). Wer ist schuld am Finanzdesaster der Mühlenkreis-Kliniken? Antworten darauf erhofften sich gestern die Mitglieder des Kreistags vom Bericht des Rechnungsprüfungsamts.

Die Frage konnte nur in Teilen beantwortet werden, wie Klaus-Dieter Buck, Leiter des Amtes, in seinem Vortrag einräumte. Er hatte in akribischer Arbeit aus Unterlagen, Protokollen und Interviews die Gründe für die Misere herauszufinden versucht, die den Kreis möglicherweise zu einer Verdoppelung seiner Schulden um 55 Millionen Euro zwingt. Dieser Beitrag des Kreises als Träger soll aber nur aufgenommen werden, wenn ein von allen getragenes, Erfolg versprechendes Sanierungskonzept vorliegt, das eine Beraterfirma ab Februar aufstellen soll.

Bis zu 90 Millionen Euro lauten in der öffentlichen Diskussion die Angaben zur Finanzlücke. Buck legte in einem historischen Abriss klar, wie sich die Einzelprobleme kumulierten, wie durch mangelnde Informationspolitik über drohendes finanzielles Unheil, durch Passivität, durch Mängel in der Verantwortungs- und Entscheidungskompetenz, durch zusätzliche Bauten, nicht eingehaltene Landeszusagen, aber auch strukturelle Mängel sowie auch ein "großzügig geplantes" aber nicht rationell optimiertes Jahrhundertbauwerk Johannes-Wesling-Klinikum die Finanzmisere mehrere Ursachen hat. Auf die "Väter" der Misere ging Buck nicht ein. Das war nicht seine Aufgabe.

Der Grundlagenbeschluss des Kreistages deckelte die Kosten des für notwendig erachteten Neubaus im Juni 2001 bei 400 Millionen D-Mark (204,5 Millionen Euro) ohne technische Ausstattung. Sieben Jahre danach und knapp vier Jahre nach Baubeginn sind daraus Gesamtkosten von 262 Millionen Euro geworden. Und "es könnten noch ein paar mehr werden", wies Buck auf offene Gerichtsverfahren um Baufirmen-Rechnungen hin.

Überall wurden die Vorgaben nicht eingehalten: So wurden die Erbauer und Finanzierer anscheinend von der Mehrwertsteuererhöhung überrascht. Das wurde aber während der Bauzeit ebenso wenig öffentlich thematisiert wie der späte Beschluss, die Apotheke doch schon mitzubauen. Beklagt wurde vielmehr das Ausbleiben fest eingeplanter Landeshilfen. Die Millionen-Zusagen, die der damalige Landrat Wilhelm Krömer aus Düsseldorf hatte, wurden nicht in bare Münze umgesetzt: Die Lücke musste teuer zwischen- und vorfinanziert werden. Teilweise mit Überziehung der Girokonten. Dazu kam laut Bucks Recherchen, dass die Gegenfinanzierung nicht wie geplant umgesetzt wurde. 235 Vollzeitstellen sollten durch die neue Organisationstruktur mit rund 200 Betten weniger im neuen Gebäude gestrichen werden. Unter dem Strich blieben etwas mehr als ein Dutzend. Auch kalkulierte Einsparungen bei den Sachkosten erwiesen sich nach Bucks Worten als Luftnummern. So seien die Energiekosten im Neubau höher als in den Altbauten. Und das Nutzflächenverhältnis und die auf Bettenzahl umgelegten laufenden Kosten seien schlechter als in vergleichbaren Krankenhäusern.

Da nicht rechtzeitig die Warnlampen erkannt und Konsequenzen gezogen worden waren, wurden die vielen "Stolpersteine" zu einer Lawine, die nun die MKK und den Kreis zu überrollen droht.

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