Mindener Theaterwerkstatt zeigt Molières bitterböse Komödie „Tartuffe“

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Die Theaterwerkstatt Minden zeigt Molières Komödie „Tartuffe“ MT- - © Foto: Ulla Koch
Die Theaterwerkstatt Minden zeigt Molières Komödie „Tartuffe“ MT- (© Foto: Ulla Koch)

Minden (mt). Die Mindener Theaterwerkstatt zeigt im Kleinen Theater am Weingarten mit Molières „Tartuffe“ eine der berühmtesten Komödien der Weltliteratur – jenes bitterböse Stück über den raffinierten Betrug eines Habenichts, der sich in eine Familie einschleicht und sie um ihr Vermögen bringt.

Das Stück der Stunde, wie es scheint, denn die Betrüger werden immer dreister. Man denke nur an den Dieselskandal und den Staatenlenker in den USA. Es ist eine beißende Satire auf religiösen Wahn und (nicht nur) kirchliche Doppelmoral, sehr witzig und hoch erotisch – mit einer der raffiniertesten erotischen Theaterszenen überhaupt als Höhepunkt.

Heute, in Zeiten zunehmender kirchlicher Skandale und immer stärker werdenden Diskussionen über den Sinn des Zölibats, ist Molières Sittenkomödie aktueller denn je. Dabei bezieht sich „Tartuffe“ nicht auf die christlich-katholische Kirche allein, sondern funktioniert auch ganz allgemein als Parabel über jede Art von Dogmatismus.

Zu seiner Entstehungszeit war „Tartuffe“ ein massiver Skandal, die katholische Kirche fühlte sich durch Molières Satire über Bigotterie frontal angegriffen, das Stück wurde sofort verboten, der Autor selbst mit Exkommunikation und Scheiterhaufen bedroht. Erst fünf Jahre später durfte der „Tartuffe” wieder öffentlich aufgeführt werden, allerdings nur in einer stark verharmlosten, zensierten Version.

Die Spielfassung von Christoph Prückner unternimmt den Versuch einer “Rekonstruktion” der Originalfassung, um so viel wie möglich vom zynischen Witz und der satirischen Radikalität des „Ur-Tartuffe“ fürs Theater zurückzuerobern.

„Tartuffe“ feiert am Freitag, 16. Februar, 20 Uhr, Premiere im Kleinen Theater am Weingarten. Weitere Aufführungen folgen am Sonntag, 18. Februar, 18 Uhr (geschlossene Aufführung), Freitag, 23. Februar, 20 Uhr; Sonntag, 25. Februar, 18 Uhr; Freitag, 2. März, 20 Uhr; Sonntag, 4. März, 18 Uhr; Freitag, 9. März, 20 Uhr sowie am Sonntag, 11. März, 18 Uhr.

Karten können telefonisch unter (0571) 8376612 reserviert werden.

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Mindener Theaterwerkstatt zeigt Molières bitterböse Komödie „Tartuffe“Minden (mt). Die Mindener Theaterwerkstatt zeigt im Kleinen Theater am Weingarten mit Molières „Tartuffe“ eine der berühmtesten Komödien der Weltliteratur – jenes bitterböse Stück über den raffinierten Betrug eines Habenichts, der sich in eine Familie einschleicht und sie um ihr Vermögen bringt. Das Stück der Stunde, wie es scheint, denn die Betrüger werden immer dreister. Man denke nur an den Dieselskandal und den Staatenlenker in den USA. Es ist eine beißende Satire auf religiösen Wahn und (nicht nur) kirchliche Doppelmoral, sehr witzig und hoch erotisch – mit einer der raffiniertesten erotischen Theaterszenen überhaupt als Höhepunkt. Heute, in Zeiten zunehmender kirchlicher Skandale und immer stärker werdenden Diskussionen über den Sinn des Zölibats, ist Molières Sittenkomödie aktueller denn je. Dabei bezieht sich „Tartuffe“ nicht auf die christlich-katholische Kirche allein, sondern funktioniert auch ganz allgemein als Parabel über jede Art von Dogmatismus. Zu seiner Entstehungszeit war „Tartuffe“ ein massiver Skandal, die katholische Kirche fühlte sich durch Molières Satire über Bigotterie frontal angegriffen, das Stück wurde sofort verboten, der Autor selbst mit Exkommunikation und Scheiterhaufen bedroht. Erst fünf Jahre später durfte der „Tartuffe” wieder öffentlich aufgeführt werden, allerdings nur in einer stark verharmlosten, zensierten Version. Die Spielfassung von Christoph Prückner unternimmt den Versuch einer “Rekonstruktion” der Originalfassung, um so viel wie möglich vom zynischen Witz und der satirischen Radikalität des „Ur-Tartuffe“ fürs Theater zurückzuerobern. „Tartuffe“ feiert am Freitag, 16. Februar, 20 Uhr, Premiere im Kleinen Theater am Weingarten. Weitere Aufführungen folgen am Sonntag, 18. Februar, 18 Uhr (geschlossene Aufführung), Freitag, 23. Februar, 20 Uhr; Sonntag, 25. Februar, 18 Uhr; Freitag, 2. März, 20 Uhr; Sonntag, 4. März, 18 Uhr; Freitag, 9. März, 20 Uhr sowie am Sonntag, 11. März, 18 Uhr. Karten können telefonisch unter (0571) 8376612 reserviert werden.