Mindener Tageblatt

Mit einem Ehrenamt geht es hoch hinaus

Von Anja Schubert

Sein Engagement im Jugendtreff gibt Patrick Riepe (20) auch für die eigene Persönlichkeit immer wieder Auftrieb

Minden/Lübbecke (AS). Nicht immer trifft man Patrick Riepe mitten im Wald, 20 Meter über dem Erdboden. Doch wenn er sich mindestens zweimal im Jahr für mehrere Stunden in schwindelnde Höhen "verabschiedet", dann nicht für sich selbst, sondern für andere.

Bodenständig in schwindelnden Höhen: Patrick Riepe ist als ehrenamtlicher des Jugendtreffs Pr. Oldendorf nicht nur bei Baumkletteraktionen aktiv. - © Foto: Anja Schubert
Bodenständig in schwindelnden Höhen: Patrick Riepe ist als ehrenamtlicher des Jugendtreffs Pr. Oldendorf nicht nur bei Baumkletteraktionen aktiv. (© Foto: Anja Schubert)

Wie vor wenigen Wochen, als Patrick am Fuße des Wiehengebirges einen Kletterbaum für die Sommersaison "präparierte". Baumklettern ist zu einem meiner liebsten Hobbys geworden", so der 20-Jährige, der, obwohl OWL-weit einziger männlicher Auszubildender zum Konditoreifachverkäufer, alles andere als ein Exot ist, und trotz Höhenlust mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen steht.

Dass das Klettern zu seinem liebsten Hobby wurde, hat er seiner Mitarbeit im Jugendtreff zu verdanken. "Ich hab gemeinsam mit unserem Hauptamtlichen den Kletterschein gemacht." Baumklettern bis in 20 Meter Höhe für Kids und Heranwachsende anbieten zu können, sei angesichts der Lage des Jugendtreffs ideal. "Beim Klettern geht es viel um Teamarbeit, Mut und Selbstüberwindung."

Auch nach dem Schulabschluss stand für den jungen Mann fest, dass er seinem Ehrenamt, der Mithilfe im Pr. Oldendorfer Jugendtreff, treu bleiben wollte. "Das ist meine Zweitfamilie", schmunzelt er. "Von der 7. bis zur 10. Klasse hab ich hier mehr Zeit verbracht als zu Hause." Wie er zu der munteren Runde in der Waldstraße stieß, daran erinnert er sich nicht mehr. "Irgendwann war ich da, hab hier zudem ein Schulpraktikum absolviert", sagt er - und sei als ehrenamtlicher Helfer geblieben. "Man sieht viel von der Arbeit der hauptamtlichen Betreuer und ist verantwortungsvoll in Planungen und das Geschehen eingebunden."

Um breit gefächert einsetzbar zu sein und einen professionellen Background für die Jugendarbeit zu erhalten, machte Patrick schon bald den Jugendleiterschein. "Man lernt dort Leute kennen, das ist einfach unglaublich", erinnert er sich. "Es entstehen neue Kontakte und der Austausch untereinander bringt einen nicht nur in der Jugendarbeit weiter."

Selbstbewusster, reifer und erwachsener habe ihn die verantwortungsvolle Aufgabe im Jugendtreff gemacht. Patricks Einsatzspektrum reicht von der Betreuung von Kindern und Jugendlichen bei den Sommerferienspielen und an Aktionstagen bis hin zu den "offene Tür"-Zeiten. "In der Schule hatte ich öfters mit Hänseleien zu kämpfen. Hier wurde ich ernst genommen, konnte und kann immer wieder auch durch bloße Gespräche Jugendlichen bei Problemen helfen." Manchmal reicht es einfach da zu sein. "Mit Beginn der Ausbildung musste ich irgendwo Abstriche machen, denn Familie und Freunde wollen ebenfalls auf ihre Kosten kommen."

Dass sich immer weniger junge Menschen freiwillig für andere engagieren, kann Patrick nicht verstehen. "Die meisten Helferjobs lassen sich relativ flexibel gestalten. Begeisterte Jugendliche und glückliche Kinderaugen sind immer wieder eine tolle Belohnung, auch für einen selbst", und ergänzt "Jeder, der helfender Weise bei uns reinschnuppern will, ist willkommen. Und sei es nur für bestimmte Aktionen."

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Mindener TageblattMit einem Ehrenamt geht es hoch hinausSein Engagement im Jugendtreff gibt Patrick Riepe (20) auch für die eigene Persönlichkeit immer wieder AuftriebVon Anja SchubertMinden/Lübbecke (AS). Nicht immer trifft man Patrick Riepe mitten im Wald, 20 Meter über dem Erdboden. Doch wenn er sich mindestens zweimal im Jahr für mehrere Stunden in schwindelnde Höhen "verabschiedet", dann nicht für sich selbst, sondern für andere.Wie vor wenigen Wochen, als Patrick am Fuße des Wiehengebirges einen Kletterbaum für die Sommersaison "präparierte". Baumklettern ist zu einem meiner liebsten Hobbys geworden", so der 20-Jährige, der, obwohl OWL-weit einziger männlicher Auszubildender zum Konditoreifachverkäufer, alles andere als ein Exot ist, und trotz Höhenlust mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen steht.Dass das Klettern zu seinem liebsten Hobby wurde, hat er seiner Mitarbeit im Jugendtreff zu verdanken. "Ich hab gemeinsam mit unserem Hauptamtlichen den Kletterschein gemacht." Baumklettern bis in 20 Meter Höhe für Kids und Heranwachsende anbieten zu können, sei angesichts der Lage des Jugendtreffs ideal. "Beim Klettern geht es viel um Teamarbeit, Mut und Selbstüberwindung."Auch nach dem Schulabschluss stand für den jungen Mann fest, dass er seinem Ehrenamt, der Mithilfe im Pr. Oldendorfer Jugendtreff, treu bleiben wollte. "Das ist meine Zweitfamilie", schmunzelt er. "Von der 7. bis zur 10. Klasse hab ich hier mehr Zeit verbracht als zu Hause." Wie er zu der munteren Runde in der Waldstraße stieß, daran erinnert er sich nicht mehr. "Irgendwann war ich da, hab hier zudem ein Schulpraktikum absolviert", sagt er - und sei als ehrenamtlicher Helfer geblieben. "Man sieht viel von der Arbeit der hauptamtlichen Betreuer und ist verantwortungsvoll in Planungen und das Geschehen eingebunden."Um breit gefächert einsetzbar zu sein und einen professionellen Background für die Jugendarbeit zu erhalten, machte Patrick schon bald den Jugendleiterschein. "Man lernt dort Leute kennen, das ist einfach unglaublich", erinnert er sich. "Es entstehen neue Kontakte und der Austausch untereinander bringt einen nicht nur in der Jugendarbeit weiter."Selbstbewusster, reifer und erwachsener habe ihn die verantwortungsvolle Aufgabe im Jugendtreff gemacht. Patricks Einsatzspektrum reicht von der Betreuung von Kindern und Jugendlichen bei den Sommerferienspielen und an Aktionstagen bis hin zu den "offene Tür"-Zeiten. "In der Schule hatte ich öfters mit Hänseleien zu kämpfen. Hier wurde ich ernst genommen, konnte und kann immer wieder auch durch bloße Gespräche Jugendlichen bei Problemen helfen." Manchmal reicht es einfach da zu sein. "Mit Beginn der Ausbildung musste ich irgendwo Abstriche machen, denn Familie und Freunde wollen ebenfalls auf ihre Kosten kommen."Dass sich immer weniger junge Menschen freiwillig für andere engagieren, kann Patrick nicht verstehen. "Die meisten Helferjobs lassen sich relativ flexibel gestalten. Begeisterte Jugendliche und glückliche Kinderaugen sind immer wieder eine tolle Belohnung, auch für einen selbst", und ergänzt "Jeder, der helfender Weise bei uns reinschnuppern will, ist willkommen. Und sei es nur für bestimmte Aktionen."