Loom sorgt für volle Cafés in der Bielefelder Altstadt

Heidi Hagen-Pekdemir

Gedränge wie im Advent: Am Tag der Loom-Eröffnung war die Bahnhofstraße zwischen Jahnplatz und Feilenstraße voller Menschen. - © Oliver Krato
Gedränge wie im Advent: Am Tag der Loom-Eröffnung war die Bahnhofstraße zwischen Jahnplatz und Feilenstraße voller Menschen. (© Oliver Krato)

Bielefeld (nw). Dass mit der Loom-Eröffnung die Anziehungskraft Bielefelds insgesamt steigt, darin besteht unter Geschäftsleuten kein Zweifel. Doch profitieren davon auch die Läden und die Gastronomie in der Altstadt? Die Antworten fallen unterschiedlich aus.

Café Knigge:

„In den ersten zwei Wochen lief es sensationell", berichtet Dominik Heuer, Prokurist bei Café Knigge. Das Unternehmen betreibt neben seiner Konditorei in der Bahnhofstraße drei weitere Cafés in der Altstadt: an der Niedern- und der Obernstraße sowie das Schokoli an der Güsenstraße.

„Alle Betriebe haben seit dem Eröffnungstermin bessere Umsätze erzielt als an den Vergleichstagen 2016", sagt Seniorchef Wolfgang Windau. Am 30. Oktober, dem Brückentag vor Allerheiligen, habe er sogar die obere Etage an der Bahnhofstraße zeitweise wegen Überfüllung schließen müssen.

Modernisiert: Dominik Heuer im Knigge der Bahnhofstraße - © Andreas Frücht
Modernisiert: Dominik Heuer im Knigge der Bahnhofstraße (© Andreas Frücht)

Juwelier Böckelmann:

Bei Juwelier Böckelmann indes liefen die Geschäfte weiter wie üblich. „Zwischen unseren Kunden und dem Shopping-Center gibt es keine Berührungspunkte", sagt Inhaber Ralf Oberwelland. Wobei der Geschäftsmann während der heißen Eröffnungsphase eine Beobachtung gemacht hat: „Gefühlt war es an diesen Tagen in der Altstadt ruhiger."

Insgesamt beurteilt Oberwelland, der auch zum Vorstand der Kaufmannschaft Altstadt gehört, das Loom positiv. „Ich glaube, es hat eine Magnetwirkung in die Region. Davon müsste doch die ganze Stadt profitieren, einschließlich Kino und Gastronomie." Bielefeld werde insgesamt großstädtisch.

Keine Besonderheiten: Silke Finke an der Obernstraße. - © Christian Weische
Keine Besonderheiten: Silke Finke an der Obernstraße. (© Christian Weische)

Finke:

„Diese neue Einkaufswelt übt auf unsere Kunden keine Anziehungskraft aus", sagt Markus Finke. Der Modehändler betreibt in Bielefeld je ein Geschäft an der Niedern- und Obernstraße und an seinem Stammsitz Gütersloh neben zwei Bekleidungsläden auch ein Sportgeschäft. Am Loom-Eröffnungstag habe er dort eine „gewisse Ruhe in der Innenstadt" wahrgenommen.

Für seine beiden Standorte sieht Finke keine Konkurrenz durch das Loom. Das betreffe auch sein Sportgeschäft. „Für unsere Zielkundschaft ist das überhaupt nicht interessant", äußert sich entspannt der Juniorchef des Familienunternehmens.

Bernstein:

„Am Brückentag haben wir schon etwas erhöhte Frequenz gehabt", beschreibt Bernstein-Betriebsleiter Thomas Dingwerth die Situation nach der Eröffnung der neuen Einkaufsmeile. Doch aktuell sei davon nichts mehr zu merken. Auf das Shopping-Center zwischen Bahnhofs- und Stresemannstraße wiesen allenfalls Gäste mit Einkaufstüten bestimmter Anbieter hin.

Setzt auf Stammkunden: Daniela Werning. - © Christian Weische
Setzt auf Stammkunden: Daniela Werning. (© Christian Weische)


Wernings Weinstuben:

Unbeeinflusst bleibt auch der Betrieb in Wernings Weinstuben am Alten Markt. „Wir haben einen großen Kreis an Stammkunden, die uns treu bleiben", erklärt Restaurantleiterin Daniela Werning. Und diese Gäste gehörten nicht zur „Loom-Zielgruppe".

Mademoiselle:

Ähnlich schätzt auch Andrea Köllner die Situation ein. „Die Trennung zwischen Altstadt und Bahnhofstraße gab es schon immer, und das wird auch so bleiben", sagt die Inhaberin der Modeboutique Mademoiselle an der Obernstraße. Jedes Viertel habe sein eigenes Publikum.

Lösekann:

Über starke Frequenz vor allem in zwei Läden konnte sich André Lösekann rund um die Loom-Eröffnung freuen. Daran hatte er selbst erheblichen Anteil. Der Geschäftsmann hatte in einem Brief an die Kundschaft seines Ladens The Weekly an der Niedernstraße appelliert: „Damit persönlich geführte Shops mit individuellen Konzepten Bestand haben können und das Einkaufen in der Innenstadt bunt und vielfältig bleiben kann, wäre es toll, wenn ihr uns Bielefelder Einzelhändler mit eurem Einkaufsverhalten unterstützt. Wenn du die Wahl hast, kauf bei Bielefeldern." Beigefügt war dem Schreiben ein Warengutschein über 25 Euro.

Das Fazit drei Wochen später: „Eine Riesenresonanz hat uns diese Aktion gebracht", berichtet der Unternehmer. Auch die Frequenz in den zwei weiteren Altstadt-Läden, Brooks und Lösekann, sei „allgemein sehr gut" gewesen.

Großer Andrang habe auch bei Ozone geherrscht, dem Laden für junge Kundschaft mit angeschlossenem Coffeeshop an der Bahnhofstraße, direkt neben dem Loom. „Doch das war in den Ferien und an Brückentagen schon immer so", sagt Lösekann.

Copyright © Mindener Tageblatt 2017
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Loom sorgt für volle Cafés in der Bielefelder AltstadtHeidi Hagen-PekdemirBielefeld (nw). Dass mit der Loom-Eröffnung die Anziehungskraft Bielefelds insgesamt steigt, darin besteht unter Geschäftsleuten kein Zweifel. Doch profitieren davon auch die Läden und die Gastronomie in der Altstadt? Die Antworten fallen unterschiedlich aus. Café Knigge: „In den ersten zwei Wochen lief es sensationell", berichtet Dominik Heuer, Prokurist bei Café Knigge. Das Unternehmen betreibt neben seiner Konditorei in der Bahnhofstraße drei weitere Cafés in der Altstadt: an der Niedern- und der Obernstraße sowie das Schokoli an der Güsenstraße. „Alle Betriebe haben seit dem Eröffnungstermin bessere Umsätze erzielt als an den Vergleichstagen 2016", sagt Seniorchef Wolfgang Windau. Am 30. Oktober, dem Brückentag vor Allerheiligen, habe er sogar die obere Etage an der Bahnhofstraße zeitweise wegen Überfüllung schließen müssen. Juwelier Böckelmann: Bei Juwelier Böckelmann indes liefen die Geschäfte weiter wie üblich. „Zwischen unseren Kunden und dem Shopping-Center gibt es keine Berührungspunkte", sagt Inhaber Ralf Oberwelland. Wobei der Geschäftsmann während der heißen Eröffnungsphase eine Beobachtung gemacht hat: „Gefühlt war es an diesen Tagen in der Altstadt ruhiger." Insgesamt beurteilt Oberwelland, der auch zum Vorstand der Kaufmannschaft Altstadt gehört, das Loom positiv. „Ich glaube, es hat eine Magnetwirkung in die Region. Davon müsste doch die ganze Stadt profitieren, einschließlich Kino und Gastronomie." Bielefeld werde insgesamt großstädtisch. Finke: „Diese neue Einkaufswelt übt auf unsere Kunden keine Anziehungskraft aus", sagt Markus Finke. Der Modehändler betreibt in Bielefeld je ein Geschäft an der Niedern- und Obernstraße und an seinem Stammsitz Gütersloh neben zwei Bekleidungsläden auch ein Sportgeschäft. Am Loom-Eröffnungstag habe er dort eine „gewisse Ruhe in der Innenstadt" wahrgenommen. Für seine beiden Standorte sieht Finke keine Konkurrenz durch das Loom. Das betreffe auch sein Sportgeschäft. „Für unsere Zielkundschaft ist das überhaupt nicht interessant", äußert sich entspannt der Juniorchef des Familienunternehmens. Bernstein: „Am Brückentag haben wir schon etwas erhöhte Frequenz gehabt", beschreibt Bernstein-Betriebsleiter Thomas Dingwerth die Situation nach der Eröffnung der neuen Einkaufsmeile. Doch aktuell sei davon nichts mehr zu merken. Auf das Shopping-Center zwischen Bahnhofs- und Stresemannstraße wiesen allenfalls Gäste mit Einkaufstüten bestimmter Anbieter hin. Wernings Weinstuben: Unbeeinflusst bleibt auch der Betrieb in Wernings Weinstuben am Alten Markt. „Wir haben einen großen Kreis an Stammkunden, die uns treu bleiben", erklärt Restaurantleiterin Daniela Werning. Und diese Gäste gehörten nicht zur „Loom-Zielgruppe". Mademoiselle: Ähnlich schätzt auch Andrea Köllner die Situation ein. „Die Trennung zwischen Altstadt und Bahnhofstraße gab es schon immer, und das wird auch so bleiben", sagt die Inhaberin der Modeboutique Mademoiselle an der Obernstraße. Jedes Viertel habe sein eigenes Publikum. Lösekann: Über starke Frequenz vor allem in zwei Läden konnte sich André Lösekann rund um die Loom-Eröffnung freuen. Daran hatte er selbst erheblichen Anteil. Der Geschäftsmann hatte in einem Brief an die Kundschaft seines Ladens The Weekly an der Niedernstraße appelliert: „Damit persönlich geführte Shops mit individuellen Konzepten Bestand haben können und das Einkaufen in der Innenstadt bunt und vielfältig bleiben kann, wäre es toll, wenn ihr uns Bielefelder Einzelhändler mit eurem Einkaufsverhalten unterstützt. Wenn du die Wahl hast, kauf bei Bielefeldern." Beigefügt war dem Schreiben ein Warengutschein über 25 Euro. Das Fazit drei Wochen später: „Eine Riesenresonanz hat uns diese Aktion gebracht", berichtet der Unternehmer. Auch die Frequenz in den zwei weiteren Altstadt-Läden, Brooks und Lösekann, sei „allgemein sehr gut" gewesen. Großer Andrang habe auch bei Ozone geherrscht, dem Laden für junge Kundschaft mit angeschlossenem Coffeeshop an der Bahnhofstraße, direkt neben dem Loom. „Doch das war in den Ferien und an Brückentagen schon immer so", sagt Lösekann.