Nach Messerstecherei: 26-Jähriger zu Haftstrafe verurteilt

Sandra Spieker

In der Tatnacht: Auf diesem Supermarkt-Parkplatz kam es im April zu der Messerstecherei. - © Archivfoto: Hubert Dutschek
In der Tatnacht: Auf diesem Supermarkt-Parkplatz kam es im April zu der Messerstecherei. (© Archivfoto: Hubert Dutschek)

Pr. Oldendorf/Minden (nw). Mitten in Pr. Oldendorf, auf einem Supermarkt-Parkplatz an der Mindener Straße, kam es am 21. April dieses Jahres zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Albanern. Sie endete damit, dass ein damals 25-Jähriger seinen Landsmann mit einem Küchenmesser schwer verletzte. Das Opfer entging nur knapp schweren inneren Verletzungen. Der mittlerweile 26-jährige Angeklagte Arian N. (Namen geändert) musste sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Schöffengericht in Minden verantworten.

Eigentlich waren neun Zeugen – darunter auch das Opfer – zur Verhandlung geladen. Zwei Einladungen konnten nicht zugestellt werden, da die Zuwanderer wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt waren. Die restlichen Zeugen erschienen nicht oder wurden nicht mehr benötigt.

Der Angeklagte äußerte sich auf Nachfrage und mit Hilfe eines Dolmetschers selbst zu den Vorgängen, die seiner Ansicht nach eine längere Vorgeschichte haben. So habe er schon zu Hause in Albanien unter Depressionen gelitten, die womöglich daher rührten, dass er 2009 selbst Opfer einer Messerstecherei geworden war. Auch sei er in seiner Heimat schon in Behandlung gewesen, die allerdings nicht angeschlagen habe.

Im Juli 2015 kam er dann nach Deutschland. Zunächst nach Chemnitz, wo er einen Asylantrag stellte, wenig später nach Pr. Oldendorf. Hier wohnte er in der Asylbewerberunterkunft im Stadtteil Getmold. Eines Tages, als er zum Einkaufen in Pr. Oldendorf war und wieder zurück kam, hatten Unbekannte seine Zimmertür eingetreten und unter anderem seine Papiere gestohlen. Seitdem habe er in einem „Zustand der Angst" gelebt. Polizeibeamte hätten den Sachschaden aufgenommen, danach habe er nichts mehr erfahren. Zwischenzeitlich sei er in eine Unterkunft in Pr. Oldendorf umgezogen, dann sollte er aber wieder nach Getmold zurückkehren. Eines Tages habe er sich im Supermarkt neben Lebensmitteln auch Besteck, darunter ein Messer mit einer acht zentimeter langen Klinge, gekauft, das er oft bei sich trug.

Am Tattag habe er sich mehrfach mit dem späteren Opfer Tarik K. getroffen. Es ging um ein Handy, das Arian N. dessen Bruder verkauft hatte – und das aber anscheinend defekt war. N. sagte aus, er habe das Geld zurück gezahlt und das Handy wieder bekommen. „Alles war geklärt", so der Angeklagte.

Als er am Abend des 21. April nach einem Besuch in der Spielothek an dem Parkplatz vorbeikam, stand dort eine Gruppe von Landsleuten. Es entwickelte sich ein Streit zwischen Arian N. und Tarik K., der den Angeklagten beleidigte. Die beiden hätten sich geschubst und möglicherweise habe er zuerst zugeschlagen, so N. Tarik K. habe ihn mit einem Fahrrad am Kopf verletzt. Dann habe er, N., mit dem Messer, das er in seiner Tasche trug, zugestochen. „Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte. Ich hatte schwere Angstzustände, wirre Gedanken", so der Angeklagte.

Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre ohne Bewährung. Das Schöffengericht verurteilte den Albaner zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Der 26-Jährige wurde in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede gebracht, in der er seit April einsitzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Nach Messerstecherei: 26-Jähriger zu Haftstrafe verurteiltSandra SpiekerPr. Oldendorf/Minden (nw). Mitten in Pr. Oldendorf, auf einem Supermarkt-Parkplatz an der Mindener Straße, kam es am 21. April dieses Jahres zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Albanern. Sie endete damit, dass ein damals 25-Jähriger seinen Landsmann mit einem Küchenmesser schwer verletzte. Das Opfer entging nur knapp schweren inneren Verletzungen. Der mittlerweile 26-jährige Angeklagte Arian N. (Namen geändert) musste sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Schöffengericht in Minden verantworten. Eigentlich waren neun Zeugen – darunter auch das Opfer – zur Verhandlung geladen. Zwei Einladungen konnten nicht zugestellt werden, da die Zuwanderer wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt waren. Die restlichen Zeugen erschienen nicht oder wurden nicht mehr benötigt. Der Angeklagte äußerte sich auf Nachfrage und mit Hilfe eines Dolmetschers selbst zu den Vorgängen, die seiner Ansicht nach eine längere Vorgeschichte haben. So habe er schon zu Hause in Albanien unter Depressionen gelitten, die womöglich daher rührten, dass er 2009 selbst Opfer einer Messerstecherei geworden war. Auch sei er in seiner Heimat schon in Behandlung gewesen, die allerdings nicht angeschlagen habe. Im Juli 2015 kam er dann nach Deutschland. Zunächst nach Chemnitz, wo er einen Asylantrag stellte, wenig später nach Pr. Oldendorf. Hier wohnte er in der Asylbewerberunterkunft im Stadtteil Getmold. Eines Tages, als er zum Einkaufen in Pr. Oldendorf war und wieder zurück kam, hatten Unbekannte seine Zimmertür eingetreten und unter anderem seine Papiere gestohlen. Seitdem habe er in einem „Zustand der Angst" gelebt. Polizeibeamte hätten den Sachschaden aufgenommen, danach habe er nichts mehr erfahren. Zwischenzeitlich sei er in eine Unterkunft in Pr. Oldendorf umgezogen, dann sollte er aber wieder nach Getmold zurückkehren. Eines Tages habe er sich im Supermarkt neben Lebensmitteln auch Besteck, darunter ein Messer mit einer acht zentimeter langen Klinge, gekauft, das er oft bei sich trug. Am Tattag habe er sich mehrfach mit dem späteren Opfer Tarik K. getroffen. Es ging um ein Handy, das Arian N. dessen Bruder verkauft hatte – und das aber anscheinend defekt war. N. sagte aus, er habe das Geld zurück gezahlt und das Handy wieder bekommen. „Alles war geklärt", so der Angeklagte. Als er am Abend des 21. April nach einem Besuch in der Spielothek an dem Parkplatz vorbeikam, stand dort eine Gruppe von Landsleuten. Es entwickelte sich ein Streit zwischen Arian N. und Tarik K., der den Angeklagten beleidigte. Die beiden hätten sich geschubst und möglicherweise habe er zuerst zugeschlagen, so N. Tarik K. habe ihn mit einem Fahrrad am Kopf verletzt. Dann habe er, N., mit dem Messer, das er in seiner Tasche trug, zugestochen. „Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte. Ich hatte schwere Angstzustände, wirre Gedanken", so der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre ohne Bewährung. Das Schöffengericht verurteilte den Albaner zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Der 26-Jährige wurde in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede gebracht, in der er seit April einsitzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.