Sohn soll 88-jährige Mutter erschlagen haben - keine Erinnerung

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Familiendrama in Münster. - © Foto: MT-Archiv
Familiendrama in Münster. (© Foto: MT-Archiv)

Münster (dpa). Sechs Monate nach einem tödlichen Familiendrama in Münster hat am Montag der Prozess gegen einen psychisch schwer kranken Mann begonnen. Der 57-Jährige soll seine 88-jährige Mutter erschlagen und anschließend tagelang mit der Leiche in der gemeinsamen Wohnung verbracht haben. Er selbst kann sich offenbar an nichts erinnern. Das Landgericht muss entscheiden, wie mit dem Mann umzugehen ist.

Am 13. April 2016 hatte der Bruder des Beschuldigten die Bluttat entdeckt. Der Leichnam der Mutter lag im Schlafzimmer und wies bereits Zeichen fortgeschrittener Verwesung auf. Schädel und Oberkörper der 88-Jährigen waren schwer verwundet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 57-Jährige entweder mit einem Lampenschirm oder mit einer gefüllten Saftflasche zuschlug.

Er selbst kann sich das allerdings gar nicht vorstellen. «Das ist alles sehr komisch», sagte er zum Prozessauftakt vor dem Schwurgericht Münster. «Ich kann es gar nicht richtig fassen, dass sie tot ist.» Er habe den Leichnam nämlich gar nicht gesehen und wisse auch nur durch den Prozess, dass seine Mutter gestorben sei. Alles sei undeutlich.

Nach eigenen Angaben leidet der 57-Jährige seit seiner Jugend unter epileptischen Krampfanfällen mit stundenlangen Blackouts. Er habe zwar sein Abitur geschafft und anschließend auch ein Elektrotechnik-Studium abgeschlossen, danach sei es jedoch immer schlimmer geworden. «Ich war bestimmt schon bei 30 Ärzten», sagte der 57-Jährige den Richtern. Doch niemand habe ihm helfen können. Zuletzt habe er deshalb vor allem auf alternative Heilungsmethoden gesetzt. Er habe seine Mutter überredet, Kristalle auszupendeln, die er dann am Körper getragen habe.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 57-Jährige aufgrund einer chronisch verlaufenden Schizophrenie völlig schuldunfähig ist. Sie hat deshalb keine Anklage erhoben, sondern beantragt, den Mann unbefristet in der Psychiatrie unterzubringen.

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Sohn soll 88-jährige Mutter erschlagen haben - keine ErinnerungMünster (dpa). Sechs Monate nach einem tödlichen Familiendrama in Münster hat am Montag der Prozess gegen einen psychisch schwer kranken Mann begonnen. Der 57-Jährige soll seine 88-jährige Mutter erschlagen und anschließend tagelang mit der Leiche in der gemeinsamen Wohnung verbracht haben. Er selbst kann sich offenbar an nichts erinnern. Das Landgericht muss entscheiden, wie mit dem Mann umzugehen ist.Am 13. April 2016 hatte der Bruder des Beschuldigten die Bluttat entdeckt. Der Leichnam der Mutter lag im Schlafzimmer und wies bereits Zeichen fortgeschrittener Verwesung auf. Schädel und Oberkörper der 88-Jährigen waren schwer verwundet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 57-Jährige entweder mit einem Lampenschirm oder mit einer gefüllten Saftflasche zuschlug.Er selbst kann sich das allerdings gar nicht vorstellen. «Das ist alles sehr komisch», sagte er zum Prozessauftakt vor dem Schwurgericht Münster. «Ich kann es gar nicht richtig fassen, dass sie tot ist.» Er habe den Leichnam nämlich gar nicht gesehen und wisse auch nur durch den Prozess, dass seine Mutter gestorben sei. Alles sei undeutlich.Nach eigenen Angaben leidet der 57-Jährige seit seiner Jugend unter epileptischen Krampfanfällen mit stundenlangen Blackouts. Er habe zwar sein Abitur geschafft und anschließend auch ein Elektrotechnik-Studium abgeschlossen, danach sei es jedoch immer schlimmer geworden. «Ich war bestimmt schon bei 30 Ärzten», sagte der 57-Jährige den Richtern. Doch niemand habe ihm helfen können. Zuletzt habe er deshalb vor allem auf alternative Heilungsmethoden gesetzt. Er habe seine Mutter überredet, Kristalle auszupendeln, die er dann am Körper getragen habe.Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 57-Jährige aufgrund einer chronisch verlaufenden Schizophrenie völlig schuldunfähig ist. Sie hat deshalb keine Anklage erhoben, sondern beantragt, den Mann unbefristet in der Psychiatrie unterzubringen.