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Das Schlaraffenland für Durstige füllt sich

Von Nina Könemann

Saison für Mostereien beginnt in der kommenden Woche / Günter Heese verarbeitet tonnenweise Streuobst zu Apfelsaft

Petershagen (mt). In der Garage von Günter Heese lassen mechanische Schnecken Äpfel in die Höhe klettern und Flaschen laufen kistenweise vom Band. Der Südfelder macht in seiner Mosterei Oevermann jährlich tonnenweise Obst zu Saft. Am Mittwoch beginnt die Saison, ab dann können bei ihm Äpfel abgegeben werden.

Günter Heese übt das Ausschütten von Äpfeln schon mal, ab Mittwoch macht er das mehrmals täglich. - © Foto: Könemann
Günter Heese übt das Ausschütten von Äpfeln schon mal, ab Mittwoch macht er das mehrmals täglich. (© Foto: Könemann)

Vor dem Haus der Familie Heese und in einer großen Halle dahinter sieht es aus wie im Schlaraffenland für Durstige: palettenweise türmen sich Apfelsaftkisten auf, mal klar, mal trüb, aber immer in Flaschen. Rund 15000 davon lagert der Südfelder in seiner Mosterei. Bis wieder genügend frei sind, wartet der restliche Saft in Tanks.

In der vergangenen Woche lief bei Heeses noch Orangensaft in Flaschen, ab sofort wird Apfelsaft hergestellt. - © Foto: pr
In der vergangenen Woche lief bei Heeses noch Orangensaft in Flaschen, ab sofort wird Apfelsaft hergestellt. (© Foto: pr)

Die bauchigen, weißen Gefäße, die insgesamt bis zu 60000 Liter Saft speichern können, sind fast leer. Für Günter Heese wird es deshalb Zeit, dass die Saft-Saison beginnt. Denn bis die süße Flüssigkeit in den Tanks und später in Flaschen landet, müssen sich erst die Apfel-Silos der Familie füllen.

In den kommenden Wochen warten die Heeses deshalb auf Besuch aus der ganzen Region. "Wir sind die letzte kleine Mosterei im Kreis, die Streuobst von Privatleuten annimmt und es zu Saft verarbeitet", sagt Heese. Je größer die Obstkisten, desto besser für ihn, denn jedes Kilo verlängert die Laufzeit seiner Förderbänder.

Bis es losgeht, wird das angelieferte Obst aber erst noch gewogen und den Lieferanten in Form eines Saftgutscheins gutgeschrieben. Danach kommt es auf eine Rutsche, in der Blätter und Äste aussortiert werden, im Anschluss gehen die Äpfel auf Wanderung. Via Förderband werden sie in die großen Silos transportiert, in der sie erstmal wieder warten müssen. Denn erst wenn sich sieben bis acht Tonnen Streuobst angesammelt haben, wird die Saftpresse angeworfen.

Wenn es soweit ist, müssen die Äpfel schwimmen. Günter Heese flutet die Silos mit Wasser, damit das Obst in Rinnen Richtung Maschinen schwimmen kann. Dann kommen die mechanischen Schnecken ins Spiel. Sie transportieren die Äpfel, wie bei einem senkrechten Förderband, nach oben. Dort wartet eine Mühle, die das Obst zu Brei - in der Fachsprache Maische - verarbeitet. Die wiederum fällt in eine Bandpresse, die die Maische so lange ausquetscht, bis nur noch Saft und Obstreste übrig bleiben. "Die Reste, Trester genannt, werden später an Tiere verfüttert", sagt der Fachmann.

Für 1000 Liter Saft muss die Presse eine Stunde lang arbeiten. Mehr als eine Tonne Äpfel braucht sie dafür. Fertig zum Abfüllen ist die süße Flüssigkeit aber noch nicht, sagt Günter Heese. Der Muttersaft muss noch gefiltert und sterilisiert werden. Damit nicht nur naturtrüber, sondern auch klarer Apfelsaft in die Flaschen fließt, werden teilweise Zusatzstoffe beigemischt. "Aber kein Zucker", sagt Heese. Die Säfte seien nur mit dem natürlichen Obstzucker gesüßt. "Am Anfang der Saison ist der Saft deshalb noch etwas saurer", so der Fachmann. Je mehr Sonne das Obst abbekomme, desto süßer seien die Früchte und damit auch der Saft.

Die Abfüllung erfolgt später ganz automatisch: Erst werden die Flaschen in einer großen Spülmaschine gereinigt, der Saft wird später vollautomatisch eingefüllt. 2500 Liter laufen in der Stunde durch die Anlage. Danach lagern die Flaschen in Kisten in den Hallen von Familie Heese. In guten Jahren sind die Fülltanks dann auch wieder voll. Ein gutes Jahr heißt für Günter Heese: 100 Tonnen Obst oder 70000 Liter Saft.

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