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Hallenbad Rehme vor dem Untergang

Von Jörg Stuke

Gutachter sieht keine Zukunft und Neubau im Siel nicht unter vier Millionen Euro / Sport oder Familienbad?

Bad Oeynhausen (va). Der Schreck kam im Keller. Als Dr. Christian Kuhn am Donnerstag vor der Sportausschuss-Sitzung das Hallenbad Rehme besichtigte, erwartete ihn im Untergrund besorgniserregende Feuchtigkeit. "Was hier seit 20 Jahren am Beckenrand heruntergelaufen ist, verheißt nichts Gutes", sagte der Bäder-Experte.

Schulschwimmer: Niklas Müller und Enrico Reuter (r.) aus der Jahrgangsstufe 12 des Immanuel-Kant-Gymnasiums trainieren im Rehmer Hallenbad das Rückenschwimmen. Wie lange das Bad für den Sportunterricht noch genutzt werden kann, ist unsicher. Foto: Jörg Stuke
Schulschwimmer: Niklas Müller und Enrico Reuter (r.) aus der Jahrgangsstufe 12 des Immanuel-Kant-Gymnasiums trainieren im Rehmer Hallenbad das Rückenschwimmen. Wie lange das Bad für den Sportunterricht noch genutzt werden kann, ist unsicher. Foto: Jörg Stuke

"Ich will Ihnen ja keine Angst machen", sagte Kuhn den Kommunalpolitikern, "aber ich wäre da vorsichtig." Seine Beispiele von Bad-Neubauten waren schön, aber teuer. Millionen teuer.

Teuer würde nach Kuhns Einschätzung aber auch eine Sanierung des Rehmer Hallenbades. Um das rund 40 Jahre alte Bad wieder auf Stand zu bringen, kalkuliert der Geschäftsführer des Planungsbüros Krieger aus Velbert mindestens vier Millionen Euro. "Wenn das denn reicht." Und gab damit praktisch dem Sportausschuss recht, der sich in der vergangenen Sitzung schon für einen Neubau am Sielbad ausgesprochen hatte.

Das fand Kuhns ausdrücklichen Beifall. Denn anders als das Rehmer Hallenbad ist das Freibad im Siel nach seiner Einschätzung auf gutem Stand. An dem Becken, so der Experte, müsse man in absehbarer Zeit nichts tun. "Das ist auch ein wunderbarer Standort mit Platz zur Erweiterung", so Kuhn. Wie eine solche Erweiterung aussehen könnte, zeigte Kuhn dem Ausschuss an drei von seiner Firma geplanten Bäder.

Das Nordbad Neuss ist als Sportbad konzipiert. Auch hier wurde ein altes Bad saniert. "Sportbecken, Lehrschwimmbecken, Rutsche - fertig", so Kuhn. Kosten: 5,5 Millionen Euro. Clou: ein bewegliches Dach, das bei Bedarf zur Seite gefahren wird.

Das Aquahaus Ahaus ist ein Neubau, ein reines Hallenbad. "Ahaus hat noch ein großes Freibad", so Kuhn. Das Aquahaus bietet ein Sportbecken mit fünf 25-Meter-Bahnen, Lehrschwimmbecken, Eltern-Kind-Bereich. Kosten: 8,5 Millionen Euro.

Das Cabrio Senden hat ebenfalls Sport- und Lehrschwimmbecken und einen Eltern-Kind-Bereich, dazu ein Außenschwimmbecken, ein Sole-Becken und einen Strömungskanal. Und auch ein bewegliches "Cabrio-Dach". Kosten: 10 Millionen Euro. In diesem Bad ist Kuhns Unternehmen nicht nur Planer, sondern auch Betreiber. "Vor dem Umbau hatte das Bad rund 80 000 Gäste pro Jahr", so Kuhn. Danach seien es im ersten Jahr 180 000, im zweiten Jahr 200 000 Badegäste gewesen.

"Solche Bäder brauchen wir nicht", sagte Rainer Müller-Held. "Wir brauchen nur ein Sportbad", so der Grüne. Und das sei nach seiner Kenntnis für deutlich weniger zu bekommen. "Unter vier Millionen Euro gibt es kein Bad", entgegnete Kuhn. "Aber wenn Sie jemanden finden, der Ihnen eines für drei Millionen baut - nehmen Sie´s". "Und nicht einmal das könnten wir bezahlen", sagte Müller-Held.

Planungszeit berücksichtigen
"Dann wird Ihnen Ihr Hallenbad in drei bis fünf Jahren, wenn´s gut geht in sieben, um die Ohren fliegen", prognostizierte Kuhn. Und gab zu bedenken, dass Planung und Bau eines Bades mindestens drei Jahre dauern werde. "Wohlgemerkt von dem Zeitpunkt an gerechnet, an dem die politische Entscheidung gefallen ist: Das wollen wir!" Genau diese Entscheidung forderte Fachbereichsleiter Wolfgang Budde vom Ausschuss ein. "Es muss entschieden werden, welche Form von Bad die Stadt in Zukunft betreiben will: ein Sport- oder ein Familienbad." Ausschussvorsitzender Wilhelm Ober-Sundermeier (FDP) kündigte an, dass er nun das Gespräch mit den Schwimmvereinen suchen wolle: "Danach sollten wir einige beispielhafte Bäder besichtigen."

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