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60 Jahre Partnerschaft zur Stadt Köslin - Bewegender Festakt im Mindener Museum

Von Carsten Korfesmeyer

"Schmerz der Trennung" mitgefühlt

Minden (cko). Sind alle drei Bürgermeister bei einem Termin, spricht das allein schon für den Anlass. 60 Jahre besteht die Partnerschaft Mindens zur Stadt Köslin (Polen). Beim Festakt wird zwar über Flucht und Vertreibung gesprochen - das jedoch aus einem etwas anderen Blickwinkel als früher.

Verdienstvoll: Heimatkreis-Vorsitzender Klaus Moerler zeichnet Bürgermeister Michael Buhre mit der Goldenen Ehrennadel aus. - © Foto: Korfesmeyer
Verdienstvoll: Heimatkreis-Vorsitzender Klaus Moerler zeichnet Bürgermeister Michael Buhre mit der Goldenen Ehrennadel aus. (© Foto: Korfesmeyer)

Dass ihre seelischen Wunden durch die Vertreibung aus der Heimat (wohl) nie heilen werden, lässt sich aus den Gesprächen mit den Vertretern des Heimatkreises Köslin deutlich heraushören. Doch die rund 60 Menschen, die Samstagvormittag an der Feierstunde im Museum teilnehmen, sind keine Verbitterten. Sie leben im Hier und Jetzt - ohne ihre Wurzeln zu vergessen. "Unser Schmerz der Trennung ist von den Mindenern immer verstanden worden", sagt Heimatkreis-Vorsitzender Klaus Moerler.

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Nach Fall der Grenzen alte Heimat besuchen
Es ist auch der weltpolitischen Entwicklung seit 1989 zu verdanken, dass sich die Vertriebenen heute anders mit ihrem Schicksal auseinandersetzen. Durch den Fall der Grenzen können sie ihre Heimat inzwischen besuchen, was zu Zeiten des Kalten Kriegs nur sehr schwer möglich war. Die Zeiten sind andere geworden, was alle Redner in der einstündigen Veranstaltung deutlich machen. "Der Charakter der Partnerschaft hat sich verändert", sagt Bürgermeister Michael Buhre, der an die Bundesrepublik der 1950er Jahre erinnert, in der vor allem "das Vergessen" angesagt war.

Damals seien die Vertriebenen, die in der damaligen Gesellschaft oft auf Menschen mit Überfremdungsängsten stießen, ein zweites Mal zu Opfern geworden. Buhre schlägt den Bogen zur Städtepartnerschaft, die viel dazu beigetragen habe, die Integration zu fördern. Worte, die auch Moerler aufgreift. "Wir haben in Minden ein erstes Zuhause gefunden, nachdem wir unsere Heimat verloren hatten", sagt er - und stellt die gemeinsame rund 250-jährige preußische Geschichte Mindens und Köslins heraus.

Aus der Sicht eines Historikers geht Museumsleiter Philipp Koch auf die Themen Flucht und Vertreibung ein. Sich daran zu erinnern, heiße auch, sich darüber im Klaren zu sein, dass diese ohne die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten nicht passiert wäre. Der Museumsleiter spricht von einer "Bevölkerungsverschiebung nie gekannten Ausmaßes" - und findet nachdenkliche Worte ("Der Erfolg der Eingliederung war nicht vorhersehbar"), was die gesellschaftliche Situation der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg betrifft. Die 1953 gegründete Städtepartnerschaft habe ihren Beitrag geleistet. Koch nennt sie eine "besondere Bereicherung".

Gemeinsam Gedenkstein am Wesertor besucht
Drei Tage sind die Vertreter des Heimatkreises Köslin zu Gast in Minden. Sie kommen aus ganz Deutschland. "Ich bin in Hamburg zu Hause", sagt Moerler. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und dessen Stellvertretern Egon Stellbrink und Harald Steinmetz hat man beispielsweise vor dem Festakt den Gedenkstein der Stadt Köslin am Wesertor besucht.

Obwohl in der Feierstunde, die von Gertraude Büttner mit Harfenklängen musikalisch umrahmt wird, kaum über die Zukunft gesprochen wird, ist eines deutlich zu spüren: Die Freundschaft soll weiter vertieft werden. Und dass sie Kultur und Tradition der Heimat in die kommenden Generationen tragen wollen, ist ebenfalls herauszuhören. Denn es gibt Verbindungen, die ohne Worte vieles aussagen. Diese Städtepartnerschaft gehört sicher dazu.

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