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Ritterbruchansicht liefert neue Erkenntnisse

Von Christian Weber

Ortsheimatpfleger Eberhard Brandhorst: Kolorierte Federzeichnung aus dem Jahr 1539 hat vermutlich Landkarten ersetzt

Minden-Hahlen (cwb). In der heutigen Zeit wirkt die Ritterbruchansicht von 1539 wie der naive Versuch eines Landschaftsgemäldes. Tatsächlich ist die kolorierte Federzeichnung eher als ein Dokument zu betrachten.

Wer in die Heimatgeschichte eintaucht, stößt auf die sogenannte Ritterbruchansicht von 1539. Die aquarellierte Federzeichnung diente womöglich der Beilegung von Streitigkeiten. - © Foto: Christian Weber
Wer in die Heimatgeschichte eintaucht, stößt auf die sogenannte Ritterbruchansicht von 1539. Die aquarellierte Federzeichnung diente womöglich der Beilegung von Streitigkeiten. (© Foto: Christian Weber)

Dies machte Hahlens Ortsheimatpfleger Eberhard Brandhorst in einem Vortrag deutlich, den er anlässlich der "Entdeckung" der Ritterbruchansicht vor 50 Jahren hielt. Bis 1962 war das Bild sozusagen im hessischen Staatsarchiv in Marburg versteckt. Johann Karl von Schröder entdeckte die Federzeichnung damals im Zusammenhang mit Nachforschungen zur Reformationszeit in Minden. Laut Brandhorst diente die kolorierte 1,4 mal 0,65 Meter große Zeichnung wohl als eine Art Landkarte - denn Kartenwerke wie heute gab es damals noch nicht.

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Was es damals aber längst schon zuhauf gab, waren Streitigkeiten um die Nutzungsrechte von Ländereien. Und deshalb ist vermutlich auch die Ritterbruchansicht entstanden. Belegt ist, dass um 1537 zwischen Minden und den Bauern der westlich der Stadt gelegenen Dörfern ein Streit schwelte. Aufgrund einer Zunahme der Bevölkerung in den Dörfern wollten die Bauern mehr Nutzungsrechte am Ritterbruch.

Allerdings hatte die Stadt Minden 1430 ihr Territorium nach Westen ausgeweitet - bis zu einem Knüppeldamm, der von Südhemmern bis Unterlübbe führte - durch Kauf von Ritter Ebeke von dem Rode. Daher der Begriff Ritterbruch. In älteren Quellen wird die heutige Wiesenlandschaft noch als Holländerbruch bezeichnet. Dessen Sumpfgebiete durch "holländern" zu entwässern und weiter urbar zu machen, war auch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Anliegen der Bauern.

Um den Streit zu schlichten, trat 1539 ein Schiedsgericht zusammen. Es sorgte für einen Vergleich, der besagte, dass die Bauern aus Hahlen und anderen anliegenden Dörfern Teile des Ritterbruchs nutzen durften, wenngleich er zur Stadt Minden gehörte (bis 1973 reichte Mindens Stadtgebiet noch bis hinter Hartum). Es wird davon ausgegangen, dass die Zeichnung als Grundlage für die Verhandlungen diente - und um dem zuständigen Landgrafen Philipp von Hessen eine Vorstellung der Lage des umstrittenen Geländes zu vermitteln.

Um den Streit zu schlichten, trat 1539 ein Schiedsgericht zusammen. Es sorgte für einen Vergleich, der besagte, dass die Bauern aus Hahlen und anderen anliegenden Dörfern Teile des Ritterbruchs nutzen durften, wenngleich er zur Stadt Minden gehörte (bis 1973 reichte Mindens Stadtgebiet noch bis hinter Hartum). Es wird davon ausgegangen, dass die Zeichnung als Grundlage für die Verhandlungen diente - und um dem zuständigen Landgrafen Philipp von Hessen eine Vorstellung der Lage des umstrittenen Geländes zu vermitteln.

Wer vor 473 Jahren die aquarellierte Federzeichnung anfertigte, ist nicht bekannt. Sie zeigt mit Blick von Norden her eine Ansicht der Stadt Minden und der sich westlich davon erstreckenden Landschaft.

In der Mitte des Bildes ist aber eben nicht die Stadt, sondern das Baustaumoor zwischen Minden, Hahlen, Hartum, Südhemmern, Unterlübbe und Haddenhausen dargestellt.

Die Ritterbruchansicht ist die älteste bildliche Darstellung Mindens wie auch Hahlens und anderer Dörfer. Laut Ortsheimatpfleger Brandhorst gibt es Quellen, nach denen das Moorgebiet vorher wesentlich feuchter gewesen sein könnte.

So berichtete einst ein Mindener Stadtkämmerer davon, dass auf einem Teich bei Hahlen Schiffe aus Holland entladen worden sind. Im Morast wurde auch schon ein Anker gefunden. Und im Jahr 1870 sorgte ein Fellboot, das in Hartum ausgegraben worden ist, für Aufsehen.

So berichtete einst ein Mindener Stadtkämmerer davon, dass auf einem Teich bei Hahlen Schiffe aus Holland entladen worden sind. Im Morast wurde auch schon ein Anker gefunden. Und im Jahr 1870 sorgte ein Fellboot, das in Hartum ausgegraben worden ist, für Aufsehen.

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