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Brandschutz in Behindertenwerkstätten - "Menschen in gesicherte Bereiche bringen"

Von Hartmut Nolte

Zwei Großkomplexe im Mühlenkreis / Andere Art der Evakuierung

Minden (mt). Die fürchterliche Brandkatastrophe mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald hat auch im Kreis Minden-Lübbecke Trauer, Bestürzung und Nachdenken ausgelöst.

Die größte Behindertenwerkstatt der Stiftung Diakonie an der Friedrich-Wilhelm-Straße. MT - © Foto: Manfred Otto
Die größte Behindertenwerkstatt der Stiftung Diakonie an der Friedrich-Wilhelm-Straße. MT (© Foto: Manfred Otto)

Denn im Mühlenkreis gibt es Einrichtungen für behinderte Mitmenschen in ähnlich großer Dimension wie in Titisee-Neustadt. Im Wittekindshof in Bad Oeynhausen wohnen und arbeiten 1250 geistig, teilweise mehrfach behinderte Menschen in großen Werkhallen. In Minden und Petershagen beschäftigt die Stiftung Diakonie rund 1000 Behinderte, die meisten davon an der Friedrich-Wilhelm-Straße.

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"Brandschutz ist bei uns immer Thema und wir stehen im kontinuierlichen Austausch mit Brandschutzexperten", betont Anke Marholdt, Pressesprecherin der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, auf MT-Anfrage. "Wir legen viel Wert darauf, dass die Menschen um Gefahren im Alltag wissen und in Brandschutzunterweisungen ganz praktisch lernen, wie man mit Löschdecke und Feuerlöscher umgeht, wie Menschen in Sicherheit gebracht werden können und wie Rettungskräfte so alarmiert werden", so Marholdt.

Einrichtungen mit Menschen mit Behinderungen unterschiedlicher Art gehören zu den "kritischen Bereichen des Brandschutzes", erklärt Dirk Schlomann, Leiter Vorbeugender Brandschutz bei der Stadt Minden. Hier müssen Betreiber der Einrichtung und Feuerwehr eng aufeinander abgestimmt arbeiten - damit der Ernstfall möglichst nicht eintreten kann.

"Die Hauptverantwortung liegt beim Betreiber", sagt Schlomann. Der vorbeugende Brandschutz kontrolliere, ob er dieser Verantwortung gerecht werde, die Vorschriften zu erhöhten baulichen, erhöhtem betrieblich-organisatorischen Schutzmaßnahmen nachgekommen ist.

Denn gerade in solchen nach Amtsdeutsch "ungeregelten Sonderbauten" ist nicht die schnelle Evakuierung des gesamten Gebäudes im Brandfall als vorrangiges Ziel. Weil man es hier mit nicht so mobilen Menschen zu tun hat, die panikfrei aus dem Haus geführt oder gebracht werden müssen, ist das Ziel ein naheliegender "gesicherter Abschnitt". Diese Räume müssen den Vorschriften nach Sicherheit vor Flammen und Rauch über 90 Minuten bieten, damit eine geordnete Evakuierung in dieser Zeit eingeleitet werden kann, erläutert Mark Westermann, Geschäftsbereichsleiter Produktion bei der Stiftung Diakonie. Zu dieser baulichen Schutzvorschrift kommt die betrieblich-organisatorische, die gefährdeten Menschen sicher in die Räume zu bringen. In den Werkstätten der Diakonie sind dafür die Gruppenleiter verantwortlich. "Übungen und Schulungen sind für uns das A und O des Brandschutzes", erklärt Westermann.

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