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Ausgemusterte Handys: Eine Schublade voll seltener Rohstoffe

Von Sven Kienscherf

In Handys stecken Gold und Seltene Erden, aber die Wiederverwertung gestaltet sich bisher schwierig

Minden (mt). In den heimischen Schubladen schlummern wertvolle Rohstoffe, wenn man Stadt und Verbraucherzentrale glaubt. Gemeint sind ausgemusterte Handys. Die sollen jetzt gesammelt und dann wiederverwertet werden. So einfach lassen sich die Telefone aber nicht recyceln.

Wohin mit dem alten Handy? - © MINDEN
Wohin mit dem alten Handy? (© MINDEN)

"Das Gold im Wert von mehr als 300.000 Euro steckt in sogenannten Schlafhandys im Kreis Minden-Lübbecke", sagt Cornelia Franke-Röthemeyer von der Verbraucherzentrale.

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Neues Serviceangebot in Minden

Handy-Recycling-Möglichkeiten plus CD-Sammlung vor Ort: Neben der Elektroaltgerätesammelstelle bei den Städtischen Betrieben, Große Heide 50 bieten die Stadt und die Verbraucherzentrale zwei zusätzliche Sammelstellen an. Zu den Öffnungszeiten können Bürgerinnen und Bürger ihre ausgedienten Handys und alte CDs in der Bürgerhalle, Kleiner Domhof 17 oder bei der Verbraucherzentrale, Portastraße 9 abgeben. (mt/ski)

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Zusammen mit dem Abfallentsorgungsbetrieb Minden-Lübbecke und den Städtischen Betrieben appelliert die Verbraucherzentrale, alte Handys abzugeben. "Im Schnitt hat jeder Deutsche ein Schlafhandy in der Schublade", sagt Cornelia Franke-Röthemeyer.

"Unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut"

In den Mobilfunkgeräten sind neben Gold auch andere Rohstoffe verbaut, sagt die Verbraucherschützerin. Und die seien zum Teil teuer oder gingen zur Neige. "Oft werden sie unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut." Im Kongo beispielsweise werde Coltanerz gefördert. "Dort schuften Kinder in den Minen."

Nehmen alte Handys und anderen Elektronikschrott zurück: (von links) Bernd Becker (stellv. Betriebsleiter AML), Cornelia Franke-Röthemeyer (Umweltberaterin der Verbraucherzentrale) und Peter Drees (Städtische Betriebe Minden). - © Foto: Alex Lehn
Nehmen alte Handys und anderen Elektronikschrott zurück: (von links) Bernd Becker (stellv. Betriebsleiter AML), Cornelia Franke-Röthemeyer (Umweltberaterin der Verbraucherzentrale) und Peter Drees (Städtische Betriebe Minden). (© Foto: Alex Lehn)

Gesammelt wird in der sogenannten Blue-Boxx, einem Pappkarton, in dem neben CDs auch Handys Platz haben. Die Rückgabe verläuft ziemlich schleppend. Bei den Städtischen Betrieben Minden sind jedenfalls nicht viele Telefone abgegeben worden, wie Mitarbeiter Peter Drees sagt: "Das ist momentan noch sehr, sehr übersichtlich." Dass sich die Leute von ihren ausgemusterten Handys nicht trennen können, ist keine Mindener Eigenart, wie eine Nachfrage beim Aufsteller der Blue-Boxx ergab.

Die Krall Gruppe ist ein Recycling-Unternehmen mit Sitz in der Nähe von Aschaffenburg. Per Paketdienst werden die etwa 5.500 Boxen bundesweit eingesammelt, wenn sie voll sind.

Das Geld verdient das Unternehmen mit dem Recyceln von CDs. Seit etwa einem Jahr werden auch Handys gesammelt. Die Menge sei aber nicht der Rede wert, sagt Geschäftsführer Markus Krall. "Momentan haben wir etwa eine Tonne gelagert."

Damit sich die Wiederverwertung überhaupt lohne, brauche man etwa 100 Tonnen Telefon. "In jedem Handy steckt Gold im Wert von etwa einem Euro", sagt Krall. "Und Rohstoffe wie die Seltenen Erden findet man nur in homöopathischen Dosen." Ein Problem sei zudem, wie man mit vertretbarem Aufwand an die Stoffe herankommt. "Wir arbeiten mit Wissenschaftlern vom Fraunhofer Institut zusammen, um das rauszufinden."

Bis es eine Lösung gibt, werden die Handys statt in der Nachttischschublade also bis auf Weiteres bei Krall gelagert.

Aber es gibt auch einfachere Methoden, Ressourcen zu schonen, meint Verbraucherschützerin Cornelia Franke-Röthemeier: "Bei der Verlängerung von Handyverträgen kann man zum Beispiel eine Gutschrift aushandeln, statt wieder ein neues Handy zu bekommen."

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