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Lernen für besseres Verstehen

Von Christian Weber

In Michael-Ende-Schule soll Klasse mit Hörgeschädigten entstehen

Minden-Hahlen (cwb). An der Michael-Ende-Schule (MES) soll für das kommende Schuljahr eine "IN-Klasse" für hörgeschädigte Kinder eingerichtet werden - wenn Politik und Stadtverwaltung zustimmen. Es wäre in der Region die erste inklusiv arbeitende Grundschulklasse für Kinder mit Hördefiziten.

Beim Informationsabend an der MES zum Thema "IN-Klasse" für hörgeschädigte Kinder übersetzte Ralf Isermann von der Diakonie Stiftung Salem die Erläuterungen von MES-Schulleiterin Katja Jansen in die Gebärdensprache. - © Foto: Christian Weber
Beim Informationsabend an der MES zum Thema "IN-Klasse" für hörgeschädigte Kinder übersetzte Ralf Isermann von der Diakonie Stiftung Salem die Erläuterungen von MES-Schulleiterin Katja Jansen in die Gebärdensprache. (© Foto: Christian Weber)

Die Anregung dazu kam von der Westkampschule in Bielefeld-Sennestadt. Dabei handelt es sich um eine Förderschule des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation. Die Förderschule hat einen Einzugsbereich, der in etwa das nördliche Ostwestfalen-Lippe ab Horn-Bad Meinberg umfasst. Das Ziel ist es, eine möglichst wohnortnahe Beschulung mit individuellen Förderplänen zu ermöglichen.

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Da im Mindener Land bereits einige Schulkinder mit Hörschädigungen gefördert werden und im Sommer weitere von Kindertagesstätten in die Grundschulen wechseln, hielt es die Westkampschule für sinnvoll, in Minden eine "IN-Klasse" einzurichten - und ist damit in der MES mit ihrem jahrgangsübergreifenden Unterricht auf offene Ohren gestoßen.

Die Vorbereitungen für eine "IN-Klasse" haben bereits 2011 begonnen. So gab es für die Lehrkräfte spezielle Fortbildungen. Und Akustiker hatten in den Schulräumen bereits Schallmessungen durchgeführt und Verbesserungsvorschläge zur Vermeidung von Störgeräuschen gemacht. Eine Kooperationsvereinbarung mit dem LWL ist in Gang gebracht und soll bis zum Ende der Sommerferien abgeschlossen sein. Im Bildungsausschuss stieß das Projekt auf eine positive Resonanz.

Schulleiterin Katja Jansen geht derzeit davon aus, dass nach den Sommerferien vier hörgeschädigte Kinder in eine herkömmliche Regelschulklasse eingeschult werden. Als Lehrkräfte für die geplante "IN-Klasse" wurden bereits Nicole Albrecht von der MES und Anke Soller von der Westkampschule vorgestellt, die sich im Unterricht ergänzen werden. Für die bessere Vermittlung der Lehrinhalte wird eine funkbasierte Klassenhöranlage installiert, die das gesprochene Wort direkt in die Hörhilfen der schlechter hörenden Schüler überträgt.

Aber auch andere pädagogische Maßnahmen werden den Unterricht prägen. So müssen die Lehrerinnen darauf achten, dass die Unterrichtsthemen klarer strukturiert bearbeitet und verstärkt mit Visualisierungen unterlegt werden. Wie die Schulleiterin betonte, nützen die Veränderungen sowohl den schlechter hörenden als auch den gut hörenden Schülern. Denn alle sind dabei gefordert, aufeinander Rücksicht zu nehmen - wie beispielsweise verständlich auf Fragen zu antworten und andere ausreden zu lassen.

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