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Früchte nicht nur für schlechte Zeiten

Von Gisela Tubes

Vielseitig: Speiseöl und Kaffee aus Bucheckern / Wintervorrat für Tiere

Minden (mt). "Alles hat zwei Seiten, nur die Buchecker hat drei." Viele Bucheckern im Herbst weisen auf einen strengen Winter hin. Eichhörnchen, Eichelhäher und Mäuse fressen nicht nur, sondern horten diese Früchte des Waldes für den Winter.

Ob Kaffee, Öl oder Bucheckernkugeln, nicht nur Tiere lassen sich Bucheckern schmecken. - © Foto: Gisela Tubes
Ob Kaffee, Öl oder Bucheckernkugeln, nicht nur Tiere lassen sich Bucheckern schmecken. (© Foto: Gisela Tubes)

So sorgen sie dafür, dass sich die Buche vermehrt, denn Bucheckern sind nur dann keimfähig, wenn sie mit Laub und Erde bedeckt sind. Früher wurden Schweine zur Bucheckernmast in den Wald getrieben. Allerdings schrieb Konrad von Megenberg 1482 in seinem "Buch der Natur" über die Buche: "Des baumes frucht macht nicht so keckes fleysch an dem schwein, als die aicheln (Eicheln)."

Information
Rezept

100 Gramm Käse,
50 Gramm Butter
etwa 30 Bucheckernkerne
Salz, Pfeffer, edelsüßer Paprika.

Den Käse reiben, die Butter in einer Schüssel schaumig rühren.

Die Bucheckern säubern, kurz in der Pfanne rösten, abkühlen lassen und klein hacken.

Alles gut vermengen, kleine Kugeln formen und im Kühlschrank fest werden lassen.

Aber nicht nur Tiere ließen sich die Früchte schmecken, sondern auch der Mensch. Dabei lernte dieser schnell, dass die Bucheckern schlecht verträgliche Inhaltstoffe aufweisen. In der dünnen braunen Haut, die den Kern umgibt, befinden sich schwach giftige Saponine und ein hoher Gehalt an Oxalsäure.

Man sollte roh nicht mehr als 40 Nüsschen essen. Nimmt man größere Mengen davon zu sich, können Kopfschmerzen und Übelkeit die Folge sein. Durch Erhitzen oder Rösten werden die unverträglichen Inhaltsstoffe aber zerstört. In Notzeiten wurden die Kinder in den Wald geschickt, um Bucheckern zu sammeln. Da die Samen bis zu 25 Prozent Buchenöl enthalten, wurde daraus Öl gepresst, welches als Speise- oder auch als Lampenöl verwendet wurde. Das milde Speiseöl kann unbedenklich eingenommen werden, denn die giftigen Inhaltstoffe bleiben im Presskuchen zurück.

Im Jahre 1916 war es sogar verboten, Bucheckern an die Schweine zu verfüttern. Die Früchte gingen alle in die Buchenölindustrie. Auch wurde in Notzeiten aus den gerösteten Bucheckern Kaffee hergestellt. Heute werden die Früchte der Buche nur noch von wenigen Feinschmeckern gesammelt und getrocknet. Die Kerne aus den Schalen zu pulen ist etwas mühsam, aber es lohnt sich. Mindestens vierzehn Tage getrocknet und kurz in der Pfanne geröstet, lassen sich die Schalen etwas leichter lösen. Geröstete Nüsschen können ganz oder gehackt über Salate und Desserts gestreut werden. Man kann sie wie andere Nüsse zum Backen von Kuchen, Plätzchen und Brot verwenden oder sie auch einfach so knabbern.

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