Anzeige

"Als Erstes esse ich Mettbrötchen"

Von Jan Henning Rogge

Mindener leisten als Soldaten der Kosovo Armee im deutschen Lager Prizren ihren Dienst

Prizren/Minden (mt). Die Familie, die Kinder - sie fehlen ihm am meisten. Doch danach freut sich Stabsfeldwebel R., der gerade seinen Dienst im KFOR-Einsatz in Prizren tut, am meisten auf ein Mettbrötchen mit Zwiebeln, wenn er wieder zu Hause ist.

Vier Mindener Pioniere im KFOR-Einsatz: Hauptmann K, Stabsgefreiter R., Stabsgefreiter B. und Stabsfeldwebel R. (v.l.) - © Foto: Jan Henning Rogge
Vier Mindener Pioniere im KFOR-Einsatz: Hauptmann K, Stabsgefreiter R., Stabsgefreiter B. und Stabsfeldwebel R. (v.l.) (© Foto: Jan Henning Rogge)

Auf dieses Brötchen muss der Mindener Pionier noch etwa dreieinhalb Monate warten. Ebenso wie Hauptmann K., hat er seinen Dienst im Kosovo gerade erst begonnen. Die Stabsgefreiten B. und G. kehren heute zurück an die Weser. Sie haben vier Monate als Soldaten der Kosovo Force (Kosovo Armee, KFOR) im deutschen Lager Prizren ihren Dienst geleistet. Ihre Nachnamen möchten die Soldaten nicht nennen, da einige von ihnen in sicherheitsrelevanten Bereichen arbeiten.

Hauptmann K. ist am 23. Mai nach Prizren gekommen. Er ist zuständig für die Führung der Kompanie. Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem die Versorgung der deutschen Einheiten und die Sicherung des Lagers. Im Kosovo ist er zum ersten Mal. Zweimal war er bereits in Afghanistan. Stabsfeldwebel R. ist zum dritten Mal in der jungen Republik stationiert. Sein Spezialgebiet ist die Kommunikation zum Beispiel zwischen dem deutschen Lager und dem Hauptquartier in Pristina oder der Einsatzführung in Potsdam. Beide haben Frau und Kinder.

Physische Nähe zur Familie fehlt
Was Stabsfeldwebel K. am meisten vermisst ist klar: "Die Familie - und das Rauschen der Weser", sagt er. "Diesmal verpasse ich die Einschulung, das ist natürlich Mist." Kontakt zur Familie halten die Soldaten über den Internetdienst Skype. Hier können sie ihre Angehörigen nicht nur hören, sondern auch sehen. Trotzdem: "Es fehlt die physische Nähe zur Partnerin und den Kindern", sagt Hauptmann K., "wenn man mal eine Minute alleine hat, denkt man da schon mal drüber nach." Und während er im Einsatz ist, ist klar: "Die größte Last der Trennung ruht auf den Schultern der Frau."

Besonders auf die Beziehung zu den Kindern hat die Trennung großen Einfluss. "In den vier Monaten haben sich die Kinder geändert", sagt Stabsfeldwebel K. Das bemerkt auch Hauptmann K. bei seiner Rückkehr. "Man hält sich dann erst mal zurück und schaut, wie man zueinanderfindet", erklärt er.

Information
Mehr zum Thema finden Sie im Blickpunkt "Mindener Pioniere im Kosovo"

Für die Stabsgefreiten B. und G. war es der erste Einsatz im Ausland. "Das war etwas Neues, ich fand es gut hier", sagt G. Er war überwiegend als Fahrer eingeteilt. Sein Kamerad B. hat unter anderem für die Presseabteilung und die "Campnews", die Lagerzeitung gearbeitet. "Das war schon ungewohnt, das war mein erster Einsatz, ich war vorher noch nie so lange von Zuhause weg."

Heute geht ihr Flug zurück in die Heimat - wenn alles glattgeht. Mehrfach wurden die Flugzeiten bereits verschoben.

Jeder von ihnen weiß, worauf er sich zu Hause freut, auch die beiden Pioniere, die noch länger in Prizren ihren Dienst tun. Die Familie, Frau oder Freundin steht bei allen an erster Stelle. Dann werden die Wünsche wieder vielfältig. Neben dem Mettbrötchen will Stabsfeldwebel K. vor allem eines: "In der Wanne baden." Stabsgefreiter B. wird dann sein Motorrad aus dem Winterschlaf holen. Ein Vollbad steht auch bei ihm und seinen Kollegen hoch im Kurs.

Trotz der Unannehmlichkeiten, die das Lagerleben mit sich bringt, sind sie zufrieden mit ihrem Einsatz. Zwar sind die Soldaten begeistert von dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Truppe, doch jedem ist der Lagerkoller ein Begriff: Tagtäglich dieselben Gesichter zu sehen, kann auf die Nerven gehen.

Für Stabilität und Sicherheit soll die Truppe in der Republik Kosovo sorgen. Immer noch kommt es hier zu Unruhen. Im vergangenen September wurden KFOR-Soldaten in der Stadt Mitrovica beschossen, als sie bei Ausschreitungen für Ruhe sorgen sollten. Auch ein deutscher Zug ist hier im Einsatz. "Passieren kann immer was", sagt Stabsfeldwebel R., "aber die Bedrohungslage ist niedrig eingestuft."

Einsatz dauert noch einige Jahre
Der Einsatz im Kosovo wird vermutlich noch einige Jahre dauern. Immer wieder werden auch Soldaten des schweren Pionierbataillons aus Minden hier Dienst leisten. Und jedes Mal werden sie sich auf die Heimat an der Weser freuen. So wie Hauptmann K., der die Eskadron des Mindener Bürgerbataillons und die Soldaten der vierten Kompanie des Pionierregiments 130 grüßt. Die will auch Stabsgefreiter B. grüßen.

Oder wie Stabsfeldwebel R., der seine dritte Kompanie des Bürgerbataillons und die Stabskompanie des Pionierregiments 100 vom Balkan aus grüßt. Stabsgefreiter B., grüßt seine Kameraden der fünften Kompanie grüßt. Schließlich will er erst mal zwei Wochen Urlaub machen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2014
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.