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Bald finden auch Radfahrer den besten Weg in Minden

Von Jan Henning Rogge

Nikolaus Reincke bringt mit Eigeninitiative einen Rad-Stadtplan auf den Weg / ADFC und Stadt Minden beteiligen sich

Minden (mt). Nikolaus Reincke hat genug zu tun. Trotzdem kümmert er sich in seiner Freizeit um Mindens Radfahrer. Im Frühjahr werden seine Bemühungen in Kartenform sichtbar.

Ein Ausschnitt aus dem neuesten Entwurf der Fahrradkarte: Radwege sind rot eingezeichnet, je gestrichelter die Linie ist, desto schlechter ist die Qualität des Weges. - © Repro: pr
Ein Ausschnitt aus dem neuesten Entwurf der Fahrradkarte: Radwege sind rot eingezeichnet, je gestrichelter die Linie ist, desto schlechter ist die Qualität des Weges. (© Repro: pr)
Der beste Weg für Radler - © MINDEN
Der beste Weg für Radler (© MINDEN)

Ein Stadtplan für Radfahrer - als Nikolaus Reincke zum ersten Mal davon las, war er sofort von der Idee überzeugt. Also schob er das Projekt für Minden an. Schon seit einigen Jahren engagiert sich der 31-Jährige für den im Internet frei verfügbaren Kartendienst "Open Street Map" (OSM). Damit wird solch eine Karte erst möglich. "Das ist ein Hobby, ich engagiere mich ehrenamtlich", sagt der Maschinenbauingenieur, der beim Elektronikunternehmen Harting als Produktmanager arbeitet.

Der 31-Jährige hat zwei Kinder und wohnt in Rothenuffeln. Vor einigen Jahren zog er aus Hannover an die Weser. Seitdem die junge Familie in Minden wohnt, besitzt sie ein Auto. "Wir haben uns erst hier eins gekauft. In Hannover haben wir alles mit dem Rad oder der Bahn gemacht." Und auch in Minden bleibt das Auto oft stehen. "Ich bin mit dem Fahrrad meistens schneller."

Das wären vermutlich auch viele andere Autofahrer - wenn sie denn die bequemsten Wege und Abkürzungen kennen würden. Und hier setzt die Fahrradkarte an. Beim Portal Open Street Maps werden Karten und Karteninformationen von verschiedenen Nutzern zusammengetragen. Sie können dort verändert werden und zum Beispiel als Grundlage für kostenlose Navigation benutzt werden. "Das ist inzwischen sehr detailliert, und zeigt sogar Bänke oder Mülleimer an", sagt der Ingenieur.

Wo gibt es Radwege, wie ist die Qualität?
2012 wurde in Lübeck eine Fahrradkarte veröffentlicht, die auf dem Internet-Kartendienst basiert. Dort ging die Initiative von Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und Mitgliedern des Open-Street-Map-Stammtischs aus. Nikolaus Reincke hatte davon gelesen und wandte sich an den ADFC Minden-Lübbecke. Dort war man begeistert von der Idee und sofort bereit, mitzuarbeiten. "Ich bringe jetzt das Wissen des ADFC in die Datensätze", erklärt der 31-Jährige.

Mit an Bord ist ein Vermessungsingenieur aus Lübeck, der schon beim Projekt in der Hansestadt geholfen hat. Und auch die Stadt Minden macht mit. Ab April sollen die gedruckten Stadtpläne kostenlos an Interessierte abgegeben werden. "Das ist eine tolle Sache", sagt Michael Lax, Fahrradbeauftragter der Stadt. Möglich ist das, weil die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen, der die Stadt angehört, das Vorhaben unterstützt. "Die Kosten werden zu 70 Prozent übernommen", sagt Michael Lax.

Kennt den richtigen Fahrradweg: Nikolaus Reincke arbeitet mit dem ADFC und der Stadt Minden an einer Fahrradkarte für Minden. - © Foto: Alex Lehn
Kennt den richtigen Fahrradweg: Nikolaus Reincke arbeitet mit dem ADFC und der Stadt Minden an einer Fahrradkarte für Minden. (© Foto: Alex Lehn)

Die Arbeit an der Karte ist aufwendig: Die Straßen der Stadt sind bei Open Street Map erfasst, jedoch nicht alle Radwege. "In einem ersten Schritt hat der ADFC Routenempfehlungen angegeben", sagt Nikolaus Reincke. "Der nächste Schritt war, dass ich diese Wege in Open Street Map eingetragen habe." Danach wurde das Stadtgebiet unterteilt. "Ich habe dann 40 Bögen an den ADFC gegeben."

Vereinsmitglieder überprüften darauf die Radwege nach verschiedenen Kriterien: Wie viel Verkehr herrscht, wie ist die Qualität des Weges? Wie viele Kreuzungen gibt es, befindet sich der Radweg am Straßenrand, handelt es sich um eine Fahrradstraße? Die fertige Karte soll nicht nur die Radwege zeigen, sondern auch über den Zustand einer Route Auskunft geben - ähnlich wie die farbigen Markierungen heute auf Stadtplänen Auskunft über den Ausbauzustand einer Straße geben.

Nachdem die ADFC-Mitglieder die Informationen in einer Tabelle gesammelt hatten, trat Nikolaus Reincke wieder auf den Plan: "Ich habe die Daten übertragen und die Karten generiert." Derzeit werden die Informationen immer weiter verfeinert. "Der längste Prozess ist die Korrektur." Einbahnstraßen, Sackgassen, durch die Radfahrer fahren können - die Details entscheiden über den Erfolg der Karte.

Mit Fahrrad genauso schnell wie mit Auto
Zur Arbeit in Espelkamp wird der Ingenieur auch weiterhin mit dem Auto fahren. Doch er hofft, mit der fertigen Karte mehr Menschen auf das Rad zu locken. "Ich fände es gut, wenn die Leute es mal ausprobieren. Da gibt es ja eigentlich nur Vorteile."

Eine dreistellige Zahl an Stunden hat er inzwischen in das Projekt investiert. "Minden ist mit den vielen innerstädtischen Wegen sehr komplex." Doch auch ihm selber hat die Arbeit schon etwas gebracht: "Ich habe vorher nicht gewusst, dass es zwischen Haddenhausen und Rothenuffeln einen gut ausgebauten Weg neben der Lübbecker Straße gibt", erzählt er. "Ich bin jetzt mit dem Fahrrad genauso schnell in der Stadt wie mit dem Auto."

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