Masttiere in Bethlehems Stall

veröffentlicht

Betr.: "Gegen die Mies- macher der Nation", Leser-brief im MT vom 6. Januar

Es ist wahrlich eine Wohltat, dass bei uns in Deutschland kein Mensch hungern muss.

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Aber man sollte nicht ausblenden, welche Lebensmittelverschwendung bei uns herrscht und welche Luxusgüter hier verkonsumiert werden. Man sollte empfänglich sein für die Frage, auf wessen Kosten der unfassbare Überfluss der reichen Länder unsrer Erde erzeugt wird.

Kraftfutter für die Massentierhaltung, produziert auf den Böden Afrikas, Palmölplantagen, angepflanzt auf den Flächen der gerodeten Regenewälder - ein Raubbau ohne Ende.

Wenn Shopping und Wellness in zunehmendem Maße das Lebensgefühl beflügeln, dann scheinen altruistische Werte in unserer Gesellschaft auf dem Rückzug zu sein.

Die Weihnachtsgeschichte im Stall zu Bethlehem steht nicht für die Aufforderung zu opulentem Festmahl, um sich den Magen vollzuschlagen oder in einer Nobelherberge zu relaxen. Das ist nicht die Weihnachtsbotschaft. Auch Ochs und Esel sind in der Weihnachtsgeschichte zugegen. Auch den Nutztieren gebührt Würde und Friede, die heutzutage in der Massentierhaltung ein jämmerliches Dasein fristen.

Die Krippenszene im Stall würde heute leider so aussehen: Maria und Josef in einem riesigen Stall, umgeben von Hunderten von Tieren, die zwar gemästet werden, aber in der Dunkelheit oder bei Kunstlicht in der Enge ihrer Behausung gefangen sind, ohne je die Sonne, den Regen, den Wind zu spüren, ohne ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben zu dürfen.

Also, wenigstens ein bisschen mehr Mitgefühl wäre angebracht, um die Auswüchse der Massentierhaltung und der Umweltzerstörung zu bremsen. Die nächste Groß-Demonstration "Wir haben es satt" findet in Berlin am 18. Januar statt - mit Bus und Bahn reisen auch zahlreiche Mindener dorthin.

Hartmut Karge

Minden

hartmut.karge@yahoo.de

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