Gut Qualifizierte wandern aus

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Betr.: „Jedes Kind macht ärmer“, MT vom 12. Februar

Richtig, legt sich ein Paar mit Durchschnittseinkommen zwei Kinder zu, so halbiert es annähernd seinen Lebensstandard, das bei gleichem Arbeitsaufwand, aber für Mütter mit weniger Lohneinkommen, beruflichen Rückschlägen, etwa halbierter Rente. Das nicht nur zum Nutzen kinderloser Beitragszahler, sondern fast mehr noch, um die künftigen Arbeitskräfte aufzuziehen, die nicht Sozialversicherungspflichtigen wie Selbstständigen und hoch Verdienenden bis hin zu Konzernchefs nützen, Menschen, deren Eltern oft sogar Rentenbezieher sind, ohne dass diese Beiträge einzahlen müssen.

Diese intergenerative Umverteilung hat Folgen. Seit dem Krieg haben alle Elterngenerationen rund ein Drittel Kinder zu wenig für die Bestandserhaltung. Prof. Sinn, IfO, rechnet uns vor, dass wir 2035 rund 7,2 Mio. Rentner mehr und 8,4 Mio. Beitragszahler weniger haben werden – das abgezählt aus den Geburtenzahlen seit 1950, also keine Prognose. Steigerung der Sozialbeiträge (AN- + AG-Anteil) von heute rund 40 % auf ca. 70 % erscheint danach durchaus realistisch.

„Ein eigenes Kind – soll ich mir das antun?“ So eine Abiturientin, angehende Bürokauffrau, in einer Politikstunde über Familienpolitik, Kfm. Berufskolleg.

Kommentare von Mitschülern: „Ist doch ökonomisch vernünftig. Denn das wird ja für uns nichts mehr mit Rente. Da allen Wählern die Ungerechtigkeit gegen unsere Eltern bekannt war, sie trotzdem immer CDU, SPD dafür wählten, bin ich doch dieser Gesellschaft nicht zur Solidarität verpflichtet, sondern nur meinen Eltern zur Hilfe im Alter. Und das wird mir leichter fallen, wenn ich es aus einem Land mit Zukunft mache!“

Es handelte sich hier um eine komplette Abiturientenklasse, Kfm. Berufskolleg. Die jungen Leute machen diese Ausbildung statt Praktikum fürs nachfolgende Studium, werden zu den höher Qualifizierten gehören, denen Auswandern leicht fallen wird, die auch die schon heute nicht unbeträchtlichen Auswandererzahlen gut Qualifizierter kennen, zurzeit etwa 150 000 pro Jahr, davon rund 60 000 für immer.

Glaubt etwa jemand, dass dieses „Gehen“ junger Fachkräfte aus Sorge um diesen Sozialstaat abnehmen wird, wenn in 5 bis 10 Jahren die Gesundheitsbeiträge noch stärker zu steigen beginnen werden als die für die Renten? Sollten die Medien nicht deutlicher hinterfragen, was uns Politik hier so an Zahlen, an angeblich tragbaren Reformen vorgaukelt?

Dazu übrigens noch die Kosten der Zuwanderung: Etwa 20 Jahre soll es nach Schätzungen unabhängiger Ökonomen dauern, bis die Kommenden eines Jahres etwa so viel Steuern und Sozialbeiträge erwirtschaften, wie sie an Kosten verursachen. Auch hier verbreiten besonders die öffentlich rechtlichen Medien ein stark verharmlosendes Bild, wie von der Politik gesteuert halt.

Eines aber ist sicher, zahlen müssen wie immer die so genannten kleinen Leute. Es sei denn, sie „gehen“, die für ihre Eltern Zahlungsfähigen. Man male sich die bitteren Folgen aus. Wie sagte Sarrazin wohl doch treffend: „Deutschland schafft sich ab!“

Heinrich Oldenburg

Minden

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Gut Qualifizierte wandern ausBetr.: „Jedes Kind macht ärmer“, MT vom 12. Februar Richtig, legt sich ein Paar mit Durchschnittseinkommen zwei Kinder zu, so halbiert es annähernd seinen Lebensstandard, das bei gleichem Arbeitsaufwand, aber für Mütter mit weniger Lohneinkommen, beruflichen Rückschlägen, etwa halbierter Rente. Das nicht nur zum Nutzen kinderloser Beitragszahler, sondern fast mehr noch, um die künftigen Arbeitskräfte aufzuziehen, die nicht Sozialversicherungspflichtigen wie Selbstständigen und hoch Verdienenden bis hin zu Konzernchefs nützen, Menschen, deren Eltern oft sogar Rentenbezieher sind, ohne dass diese Beiträge einzahlen müssen. Diese intergenerative Umverteilung hat Folgen. Seit dem Krieg haben alle Elterngenerationen rund ein Drittel Kinder zu wenig für die Bestandserhaltung. Prof. Sinn, IfO, rechnet uns vor, dass wir 2035 rund 7,2 Mio. Rentner mehr und 8,4 Mio. Beitragszahler weniger haben werden – das abgezählt aus den Geburtenzahlen seit 1950, also keine Prognose. Steigerung der Sozialbeiträge (AN- + AG-Anteil) von heute rund 40 % auf ca. 70 % erscheint danach durchaus realistisch. „Ein eigenes Kind – soll ich mir das antun?“ So eine Abiturientin, angehende Bürokauffrau, in einer Politikstunde über Familienpolitik, Kfm. Berufskolleg. Kommentare von Mitschülern: „Ist doch ökonomisch vernünftig. Denn das wird ja für uns nichts mehr mit Rente. Da allen Wählern die Ungerechtigkeit gegen unsere Eltern bekannt war, sie trotzdem immer CDU, SPD dafür wählten, bin ich doch dieser Gesellschaft nicht zur Solidarität verpflichtet, sondern nur meinen Eltern zur Hilfe im Alter. Und das wird mir leichter fallen, wenn ich es aus einem Land mit Zukunft mache!“ Es handelte sich hier um eine komplette Abiturientenklasse, Kfm. Berufskolleg. Die jungen Leute machen diese Ausbildung statt Praktikum fürs nachfolgende Studium, werden zu den höher Qualifizierten gehören, denen Auswandern leicht fallen wird, die auch die schon heute nicht unbeträchtlichen Auswandererzahlen gut Qualifizierter kennen, zurzeit etwa 150 000 pro Jahr, davon rund 60 000 für immer. Glaubt etwa jemand, dass dieses „Gehen“ junger Fachkräfte aus Sorge um diesen Sozialstaat abnehmen wird, wenn in 5 bis 10 Jahren die Gesundheitsbeiträge noch stärker zu steigen beginnen werden als die für die Renten? Sollten die Medien nicht deutlicher hinterfragen, was uns Politik hier so an Zahlen, an angeblich tragbaren Reformen vorgaukelt? Dazu übrigens noch die Kosten der Zuwanderung: Etwa 20 Jahre soll es nach Schätzungen unabhängiger Ökonomen dauern, bis die Kommenden eines Jahres etwa so viel Steuern und Sozialbeiträge erwirtschaften, wie sie an Kosten verursachen. Auch hier verbreiten besonders die öffentlich rechtlichen Medien ein stark verharmlosendes Bild, wie von der Politik gesteuert halt. Eines aber ist sicher, zahlen müssen wie immer die so genannten kleinen Leute. Es sei denn, sie „gehen“, die für ihre Eltern Zahlungsfähigen. Man male sich die bitteren Folgen aus. Wie sagte Sarrazin wohl doch treffend: „Deutschland schafft sich ab!“ Heinrich Oldenburg Minden