Entschiedener Widerspruch

veröffentlicht

Betr.: "Im Cityverkehr“, MT vom 22. Januar und Leserbrief "Keiner muss sich beschweren", MT vom 6. Januar

In dem Artikel stellt der Fahrradbeauftragte dar, dass die Regelung für Radfahrer und Fußgänger in der City eindeutig sei. Wie schon der Leserbriefschreiber kürzlich erklärte, ist dem nicht so: Man kann mit dem Rad von ZOB, Tonhallen- und Vinckestraße aus regelkonform über Marktplatz und Scharn in die Bäckerstraße hineinfahren und diese am Wesertor wieder verlassen. Des Weiteren schildert er wortreich all die positiven Aspekte in der Innenstadt, welche den Erhalt des Titels „Fahrradfreundliche Stadt“ durch die AGFS begründen.

Nun orientiert sich die AGFS jedoch scheinbar zielführend daran, in welcher Form Innenstädte für Radtouristen attraktiv gemacht werden: Ein Radwanderer, der, weserabwärts fahrend, die Schlagde erreicht, mag den Marktplatz leicht finden, dort beim Billigbäcker einen Kaffee und ein Teilchen erstehen, um dann, nach einem Selfie auf dem Domplatz, gestärkt in Richtung Petershagen aufzubrechen. Das ist fahrradfreundlich. Spätestens jedoch an der Schachtschleuse erkennt dieser Radler dann, wo die Chance vertan wurde, im Zuge des „Jahrhundertbauwerks“ einen sicher befahrbaren Übergang auf den Weserradweg zu schaffen, wie weit es mit der Fahrradfreundlichkeit dieser Stadt tatsächlich her ist.

Als Radfahrer, welcher seit nunmehr 20 Jahren täglich Minden auf dem Arbeitsweg mit dem Rad durchquert, widerspreche ich ihrer Darstellung auf das Entschiedenste: Nicht nur in der City, sondern im gesamten Stadtgebiet herrscht ein unverständliches Wirrwarr von Beschilderungen für Radfahrer, aus dem nur selten eine klare Radwegführung oder die zu befahrende Straßenseite hervorgeht.

Beispielhaft seien hier Stift- und Marienstraße genannt, wo die Radwegbenutzungspflicht längst aufgehoben ist, aber rote Markierungen und Ampeln mit Fahrradsymbolen dem Kraftfahrer das Vorhandensein einer solchen suggerieren. Tagtäglich wird man dort – sogar von Fahrlehrern – belehrt, bepöbelt, behindert und bedrängt, was zur Folge hat, dass ängstlichere Radfahrer auf den Gehweg fliehen und dort ihrerseits Fußgänger behindern.

Der neue Radfahrerschutzstreifen auf der Marienstraße stadteinwärts, der sich inmitten einer Supermarktausfahrt und eines Zebrastreifens plötzlich materialisiert, und genauso plötzlich in einer riesigen Pfütze wieder verschwindet, ist ein ausgezeichnetes Beispiel für den halbherzigen Aktionismus, mit dem in Minden die Belange der – steuerzahlenden – Alltagsradler behandelt werden. Wie der Fahrradbeauftragte richtig feststellt, ist noch ordentlich Luft nach oben. Daher fordere ich ihn auf: Fangen sie an zu arbeiten! Ich stehe für Fragen oder Anregungen gern zur Verfügung.

Max Holz, Minden/Bückeburg

Copyright © Mindener Tageblatt 2018
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Entschiedener WiderspruchBetr.: "Im Cityverkehr“, MT vom 22. Januar und Leserbrief "Keiner muss sich beschweren", MT vom 6. Januar In dem Artikel stellt der Fahrradbeauftragte dar, dass die Regelung für Radfahrer und Fußgänger in der City eindeutig sei. Wie schon der Leserbriefschreiber kürzlich erklärte, ist dem nicht so: Man kann mit dem Rad von ZOB, Tonhallen- und Vinckestraße aus regelkonform über Marktplatz und Scharn in die Bäckerstraße hineinfahren und diese am Wesertor wieder verlassen. Des Weiteren schildert er wortreich all die positiven Aspekte in der Innenstadt, welche den Erhalt des Titels „Fahrradfreundliche Stadt“ durch die AGFS begründen. Nun orientiert sich die AGFS jedoch scheinbar zielführend daran, in welcher Form Innenstädte für Radtouristen attraktiv gemacht werden: Ein Radwanderer, der, weserabwärts fahrend, die Schlagde erreicht, mag den Marktplatz leicht finden, dort beim Billigbäcker einen Kaffee und ein Teilchen erstehen, um dann, nach einem Selfie auf dem Domplatz, gestärkt in Richtung Petershagen aufzubrechen. Das ist fahrradfreundlich. Spätestens jedoch an der Schachtschleuse erkennt dieser Radler dann, wo die Chance vertan wurde, im Zuge des „Jahrhundertbauwerks“ einen sicher befahrbaren Übergang auf den Weserradweg zu schaffen, wie weit es mit der Fahrradfreundlichkeit dieser Stadt tatsächlich her ist. Als Radfahrer, welcher seit nunmehr 20 Jahren täglich Minden auf dem Arbeitsweg mit dem Rad durchquert, widerspreche ich ihrer Darstellung auf das Entschiedenste: Nicht nur in der City, sondern im gesamten Stadtgebiet herrscht ein unverständliches Wirrwarr von Beschilderungen für Radfahrer, aus dem nur selten eine klare Radwegführung oder die zu befahrende Straßenseite hervorgeht. Beispielhaft seien hier Stift- und Marienstraße genannt, wo die Radwegbenutzungspflicht längst aufgehoben ist, aber rote Markierungen und Ampeln mit Fahrradsymbolen dem Kraftfahrer das Vorhandensein einer solchen suggerieren. Tagtäglich wird man dort – sogar von Fahrlehrern – belehrt, bepöbelt, behindert und bedrängt, was zur Folge hat, dass ängstlichere Radfahrer auf den Gehweg fliehen und dort ihrerseits Fußgänger behindern. Der neue Radfahrerschutzstreifen auf der Marienstraße stadteinwärts, der sich inmitten einer Supermarktausfahrt und eines Zebrastreifens plötzlich materialisiert, und genauso plötzlich in einer riesigen Pfütze wieder verschwindet, ist ein ausgezeichnetes Beispiel für den halbherzigen Aktionismus, mit dem in Minden die Belange der – steuerzahlenden – Alltagsradler behandelt werden. Wie der Fahrradbeauftragte richtig feststellt, ist noch ordentlich Luft nach oben. Daher fordere ich ihn auf: Fangen sie an zu arbeiten! Ich stehe für Fragen oder Anregungen gern zur Verfügung. Max Holz, Minden/Bückeburg