Wie die Dinge sich doch gleichen

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Betr.: „Sondersitzung beschlossen“ und Leserbrief „Multifunktionshalle wird ein Zuschussgeschäft“, MT vom 17. Juni

Anfang der 90er Jahre sollte das Sommerbad in ein Spaßbad umgewandelt werden, also schon zu einer Zeit, in der andere Städte schon solche Bäder schlossen. Die angegebenen Kosten betrugen 35 Millionen DM. Dabei wäre es erfahrungsgemäß nicht geblieben. Die zugrunde liegende Daten waren geschönt. Die Eintrittspreise hätten sich mindestens verdoppelt. Für Jugendliche, die sich dort trafen und auch ihre Schulaufgaben erledigten, wäre das zu teuer geworden.

Es bildete sich eine Bürgerinitiative, um das Sommerbad zu erhalten. Politik und Verwaltung aber wollten das Spaßbad durchsetzen. Bei einer Bürgerversammlung rechnete ich vor, dass das Spaßbad jährlich um die vier Millionen DM Zuschuss aus dem Stadthaushalt erforderlich mache. Dies kann man allein mit dem früher in Volksschulen gelernten Rechnen ermitteln. Man braucht dazu keine teuren Berater! Siehe auch Leserbrief. Eine Gruppe lachte mich aus. Einer von ihnen war noch jahrelang Stadtrat.

Es wurde mit allen Mitteln und Wissen einer Verwaltung getrickst, um die Gegner auszuschalten. Leider erhielt die Bürgerinitiative auch wenig Unterstützung vom MT. Um Klarheit zu schaffen, wurde eine Bürgerbefragung organisiert. Die Fragen waren so formuliert, dass man um die Ecke denken musste, um Nein zu sagen. Die Bürgerinitiative sammelte Geld, um eine Anzeige im MT zu platzieren. Kosten 2000 DM! Schließlich wurde das Sommerbad in privater Initiative weiterbetrieben und das Melittabad um eine Schwimmhalle ergänzt.

Dass eine Stadt wie Minden kein Geld hat, um ein Bad wie das Sommerbad zu betreiben, sollte jeden Bürger aufschrecken. Wozu man einen weiteren Spaßtempel wie die Multifunktionshalle braucht, für die Unsummen ausgegeben werden müssen bleibt auch ein Rätsel. Müssen die Menschen mit Brot und Spielen von den eigentlichen Problemen abgelenkt werden? Das Erwachen über die Zuschüsse zum Regio-Hafen wird auch noch kommen.

Udo Knau, Minden

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Wie die Dinge sich doch gleichenBetr.: „Sondersitzung beschlossen“ und Leserbrief „Multifunktionshalle wird ein Zuschussgeschäft“, MT vom 17. JuniAnfang der 90er Jahre sollte das Sommerbad in ein Spaßbad umgewandelt werden, also schon zu einer Zeit, in der andere Städte schon solche Bäder schlossen. Die angegebenen Kosten betrugen 35 Millionen DM. Dabei wäre es erfahrungsgemäß nicht geblieben. Die zugrunde liegende Daten waren geschönt. Die Eintrittspreise hätten sich mindestens verdoppelt. Für Jugendliche, die sich dort trafen und auch ihre Schulaufgaben erledigten, wäre das zu teuer geworden.Es bildete sich eine Bürgerinitiative, um das Sommerbad zu erhalten. Politik und Verwaltung aber wollten das Spaßbad durchsetzen. Bei einer Bürgerversammlung rechnete ich vor, dass das Spaßbad jährlich um die vier Millionen DM Zuschuss aus dem Stadthaushalt erforderlich mache. Dies kann man allein mit dem früher in Volksschulen gelernten Rechnen ermitteln. Man braucht dazu keine teuren Berater! Siehe auch Leserbrief. Eine Gruppe lachte mich aus. Einer von ihnen war noch jahrelang Stadtrat.Es wurde mit allen Mitteln und Wissen einer Verwaltung getrickst, um die Gegner auszuschalten. Leider erhielt die Bürgerinitiative auch wenig Unterstützung vom MT. Um Klarheit zu schaffen, wurde eine Bürgerbefragung organisiert. Die Fragen waren so formuliert, dass man um die Ecke denken musste, um Nein zu sagen. Die Bürgerinitiative sammelte Geld, um eine Anzeige im MT zu platzieren. Kosten 2000 DM! Schließlich wurde das Sommerbad in privater Initiative weiterbetrieben und das Melittabad um eine Schwimmhalle ergänzt. Dass eine Stadt wie Minden kein Geld hat, um ein Bad wie das Sommerbad zu betreiben, sollte jeden Bürger aufschrecken. Wozu man einen weiteren Spaßtempel wie die Multifunktionshalle braucht, für die Unsummen ausgegeben werden müssen bleibt auch ein Rätsel. Müssen die Menschen mit Brot und Spielen von den eigentlichen Problemen abgelenkt werden? Das Erwachen über die Zuschüsse zum Regio-Hafen wird auch noch kommen.Udo Knau, Minden