In allen Fakten im Abseits

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Betr.: Leserbrief „Problematisch wird es erst vor der eigenen Haustür“, MT vom 2. Dezember

Der Autor versteht die Aufregung um die geplante Ansiedlung einer Giftmüllbehandlung im Lahder Industriegebiet nicht und beklagt die Scheinheiligkeit der Protestierer. Wenn es sich beim Verhalten der „Wehrt Euch!“-Initiative lediglich um das Nimby-Syndrom handeln würde, hätte er recht. Nimby (Englisch „Not in my backyard“) meint frei übersetzt: „Macht die Schweinerei überall, nur nicht bei mir!“. Leider liegt der Schreiber in allen genannten Fakten im Abseits.

Die Tatsachen: Das Kraftwerk konnte zwar nicht verhindert werden, ist aber gerade wegen der Einwände der Bürger im Planfeststellungsverfahren zum damals modernsten Kohlekraftwerk Europas mit den schärfsten Umweltauflagen gebaut worden.

Die Giftigkeit des Gleisschotters, der in Lahde für Staub sorgen würde, ist amtlich festgestellt und stammt aus Gleisbettbereichen, die nicht auf freier Strecke Staub freisetzen.

Beim gefährlichen Straßenaufbruch handelt es sich nicht einfach um Asphalt, sondern um krebserregenden Kohlenteer in altem Straßenbelag.

Der Lkw-Verkehr als solcher ist auch nicht das Problem, sondern sein massives Einwirken auf Wohnsiedlungen, auf die unfallträchtige Anfahrt zum Einkaufszentrum, und auf den querenden Schulweg.

Keiner der Aktiven in der Bürgerinitiative wendet sich gegen die Wiederaufbereitung von Tiefbaustoffen, aber nach dem Stand der Technik gibt es umweltschonendere Recyclingmethoden an Plätzen, die dafür geeignet sind. Für die Firma Ahrens geht allerdings Profitmaximierung vor Umweltschutz, das hat sie anderen Ortes schon mehrfach bewiesen.

Das alles ignoriert der Leserbriefschreiber. Stattdessen verniedlicht er die Risiken der geplanten Müllanlage und unterstellt den Bürgern, die sich dagegen wehren, Heuchelei. Er meint, sie trieben doch selbst Schindluder mit der Umwelt und wollten nun verhindern, dass andere das auch so tun. Welch eine Logik! Oder böser Wille?

Peter Thiele, Petershagen

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In allen Fakten im AbseitsBetr.: Leserbrief „Problematisch wird es erst vor der eigenen Haustür“, MT vom 2. DezemberDer Autor versteht die Aufregung um die geplante Ansiedlung einer Giftmüllbehandlung im Lahder Industriegebiet nicht und beklagt die Scheinheiligkeit der Protestierer. Wenn es sich beim Verhalten der „Wehrt Euch!“-Initiative lediglich um das Nimby-Syndrom handeln würde, hätte er recht. Nimby (Englisch „Not in my backyard“) meint frei übersetzt: „Macht die Schweinerei überall, nur nicht bei mir!“. Leider liegt der Schreiber in allen genannten Fakten im Abseits.Die Tatsachen: Das Kraftwerk konnte zwar nicht verhindert werden, ist aber gerade wegen der Einwände der Bürger im Planfeststellungsverfahren zum damals modernsten Kohlekraftwerk Europas mit den schärfsten Umweltauflagen gebaut worden.Die Giftigkeit des Gleisschotters, der in Lahde für Staub sorgen würde, ist amtlich festgestellt und stammt aus Gleisbettbereichen, die nicht auf freier Strecke Staub freisetzen.Beim gefährlichen Straßenaufbruch handelt es sich nicht einfach um Asphalt, sondern um krebserregenden Kohlenteer in altem Straßenbelag.Der Lkw-Verkehr als solcher ist auch nicht das Problem, sondern sein massives Einwirken auf Wohnsiedlungen, auf die unfallträchtige Anfahrt zum Einkaufszentrum, und auf den querenden Schulweg.Keiner der Aktiven in der Bürgerinitiative wendet sich gegen die Wiederaufbereitung von Tiefbaustoffen, aber nach dem Stand der Technik gibt es umweltschonendere Recyclingmethoden an Plätzen, die dafür geeignet sind. Für die Firma Ahrens geht allerdings Profitmaximierung vor Umweltschutz, das hat sie anderen Ortes schon mehrfach bewiesen.Das alles ignoriert der Leserbriefschreiber. Stattdessen verniedlicht er die Risiken der geplanten Müllanlage und unterstellt den Bürgern, die sich dagegen wehren, Heuchelei. Er meint, sie trieben doch selbst Schindluder mit der Umwelt und wollten nun verhindern, dass andere das auch so tun. Welch eine Logik! Oder böser Wille?Peter Thiele, Petershagen