MT-Serie: Andreas Schager singt die Titelpartie in der Mindener Wagner-Oper

Von Udo Stephan Köhne

"Tristan" ist ein jugendlicher Held

Minden (usk). Eine Begegnung mit Andreas Schager ist auch die Revision eines allzu beliebten Vorurteils über Wagner-Tenöre. Nein - Sänger der gewichtigen Hauptrollen wagnerscher Musikdramen müssen nicht groß, übergewichtig und mit tiefem Sängerton sprechend daherkommen, sie können auch gut aussehend, charmant und im Umgang uneitel und sympathisch sein.

Andreas Schager verkörpert in der Mindener Opernproduktion den Tristan. - © Foto: Udo Stephan Köhne
Andreas Schager verkörpert in der Mindener Opernproduktion den Tristan. (© Foto: Udo Stephan Köhne)

Wie eben Andreas Schager, der in der Mindener Produktion die Titelpartie singt. In einer Serie, die heute beginnt, stellt das MT die Sänger der Hauptrollen vor.

Der gebürtige Niederösterreicher ist zudem ein gelassen reflektierender und die eigene Situation offenbar realistisch einschätzender Sänger, der ursprünglich auch gar nicht an das Musikstudium dachte. "Zum Gesang kam ich über große Umwege", sagt er heute zu dieser Zeit. Seine Stimme wurde im Chor entdeckt, Solos wurden ihm anvertraut, er begegnete in Wien den großen Dirigenten der Zunft, ließ sich anstecken ("ich habe die Musik aufgesogen") von dem Virus klassische Musik.

Er studierte dann an der Hochschule für Musik in Wien und ging nach Studienende in ein Festengagement an das Theater Krefeld-Mönchengladbach. Dort war er lyrischer Tenor, zunächst weit entfernt von den Rollen Richard Wagners. Doch 2009 fragten ihn die Tiroler Festspiele Erl nach dem "David" in den "Meistersingern von Nürnberg". Der "Türöffner" zum großen Wagnerfach war der Rienzi im Meiningen im Sommer 2011. Dieser Erfolg zog zahlreiche Angebote gerade auch für den "Tristan" nach sich.

Ohne den Weg über die häufig anzutreffende Stimmentwicklung mit Lohengrin, Stolzing und Parsifal zu beschreiten, eroberte sich Andreas Schager die beiden Siegfried-Partien im "Ring". Auch diese Reihenfolge betrachtet er völlig nüchtern: "Man muss keinen Lohengrin singen, sondern das, was die Stimme hergibt und womit sich die Stimme wohlfühlt." Deswegen war er jüngst der Siegfried in Halle und Ludwigshafen, sprang an der Deutschen Oper Berlin in eine Rienzi-Produktion ein, sang diese Rolle in Madrid und ist jetzt schon ein gefragter Tristan; noch vor seinem September-Debüt in Minden.

Ein wenig hört man ihm die Verwunderung an, doch die stille Freude überwiegt. Und dann spricht er davon, dass den Regisseuren immer mehr eine typgerechte Besetzung wichtig ist. Siegfried sei ein "junger Wilder": Also solle man einen solchen auch auf der Bühne sehen. Ganz gleich wie alt man ist, sollte man sich diese Frische immer bewahren.

Auch Tristan ist nämlich ein Jugendlicher: Andreas Schager wird ihn szenisch (so viel ist schnell klar) glaubwürdig verkörpern. Den Mindener Marktplatz im strahlenden August-Sonnenschein empfindet er als herrliche Kulisse, auch über die Produktionsbedingungen hierzulande gerät er ins Schwärmen. "Professionell und in optimaler Atmosphäre" kann hier eine Oper vorbereitet werden, lässt er uns wissen. Seinen Klavierauszug trägt er kurz vor der Probe bei sich. Konzentriert geht er dieser entgegen: ein wirklich jugendlicher Tristan-Held.

Premiere: 8. September, 16 Uhr, im Stadttheater Minden; MT-Stadtgespräch mit Musik und Proben-Eindrücken am Sonntag, 9. September, 11 Uhr; Eintrittskarten für die insgesamt sieben Opernaufführungen und die kostenlosen Karten für das Stadtgespräch gibt es bei Express-Ticketservice.

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