Wilhelm Krückemeier inszeniert "Graf von Monte Christo" für die Portabühne

Von Ursula Koch

Am Ende ein "Monster der Gerechtigkeit" / Klassiker mit moralischer Botschaft

Porta Westfalica (mt). Am Ende steht der Graf von Monte Christo als ein "Monster der Gerechtigkeit" da, "zu armselig, den Feinden zu verzeihen". Die Geister seiner Opfer klagen ihn an. Auch in der Inszenierung von Wilhelm Krückemeier nimmt das Schauspiel von Gerold Theobalt nach dem Roman von Alexandre Dumas kein glückliches Ende.

Schon der Beginn des Spiels kündet von Unheil, wenn das Musikarrangement von Marcel Schweder geschickt Kanonendonner als rhythmisches Element in die Marseillaise einflicht. Wilhelm Krückemeier inszeniert diese Geschichte um Intrige und Rache ganz klassisch. Er setzt auf die darstellerischen Fähigkeiten seiner Hauptakteure und liegt damit ganz richtig. Lang anhaltenden Applaus erhalten das Ensemble und vor allem Holger Pape für die Titelfigur vom Premierenpublikum.

Der Fantasie der Zuschauer lässt Krückemeier breiten Raum, indem er die Felsenbühne für sich wirken lässt, die verschiedenen Ebenen als unterschiedliche Handlungsorte nutzt. Nur in ganz wenigen Szenen deutet er Orts- und Zeitwechsel über fahrbare Kulissenelemente an, etwa wenn die Gräfin de Morcerf (Bianca Krumme) vom Tod des Vaters ihres einstigen Bräutigams erfährt.

Aber der Reihe nach: Die Geschichte beginnt damit, dass der junge Seemann Edmond nach erfolgreicher Handelsreise nach Marseille zurückkehrt. Er steht kurz vor der Vermählung mit seiner Mercedes (Bianca Krumme) und der Reeder Morell (Friedhelm Pape) befördert ihn zum Kapitän. Doch Danglars (Erster Offizier, Alexander Heidenreich) und Fernand (ebenfalls in Mercedes verliebt, Baruch Hoffart-Le Guellec), gönnen ihm sein Glück nicht. Danglars ersinnt eine Intrige, die Fernand ausführt. Edmond wird verhaftet und Staatsanwalt Villefort (Thomas Lange) sorgt dafür, dass er ohne Gerichtsverhandlung in den Kerker kommt. Im Gefängnis wird Abbé Faria (Walter Rommelmann) sein Freund und Lehrmeister. Kurz vor seinem Tod gibt der Geistliche Edmond eine Schatzkarte und einen Fluchtplan.

Edmond kehrt als Graf von Monte Christo ins Leben zurück und nimmt nun Rache an den Verrätern. Sehr glaubhaft gelingt Holger Pape die Wandlung vom glücklichen jungen Mann zum verzweifelten, lebensmüden Gefangenen und zum herzlosen Rächer mit diabolischem Grinsen.

Die moralische Botschaft ist Krückemeier ein Anliegen. Sie arbeitet er mit einer Schar von gut 30 Mitwirkenden eindrucksvoll heraus. Es ist eine besondere Qualität, dass dieses Ensemble viele Generationen vereint - von sieben bis 88 Jahre reicht die Altersspanne. Oft sind ganze Familien dabei, wie inzwischen drei Generationen der Papes.

Video

Alles Engagement kann allerdings nicht vollständig darüber hinwegtäuschen, dass der "Graf von Monte Christo" mehr Erzählung als Theater ist. Auch wenn die Verse von Gerold Theobalt eine auffallend hohe Sprachkultur zum Vorschein bringen. Die eindringlichsten Szenen bleiben der Dialog zwischen Edmond und dem Abbé in der Zelle und wenn der junge Andrea Cavalcanti den Staatsanwalt des Kindsmordes anklagt. Das sind wirklich starke Schauspielszenen.

Weitere Aufführungen: Im Juni jeden Samstag, ab 3. August bis zum 7. September jeweils Freitag und Samstag um 20.30 Uhr; Kartenreservierungen Telefon (0571) 7 13 68 oder im Internet portabuehne.de

Copyright © Mindener Tageblatt 2014
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.