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Jugendförderer Marcks lässt Kinder Hiller Dorfkern als Sozialraum erforschen

Von Gisela Burmester

Wunsch nach ordentlichem Fußballplatz / Auch Jugendliche befragt

Hille (mt). Welche Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen haben Kinder und Jugendliche, wenn es um ihre Freizeit geht? Jugendförderer Gerald Marcks ist ihnen - mit Zustimmung des Gemeinderats - auf der Spur.

Skateplatz steht auf Wunschliste - © HILLE
Skateplatz steht auf Wunschliste (© HILLE)

"Ich möchte zusammen mit den Kindern und Jugendlichen ein Meinungsbild erstellen, letztendlich entscheiden muss dann die Politik", sagt Gerald Marcks, der als Erstes im November 2011 in der Grundschule Nordhemmern Meinungen mithilfe der "Ich trau´ mich, was zu sagen-Box" einholte. Daraus entstand das Kinderforum "Spielplatz": Die Jungen und Mädchen des dritten und vierten Jahrgangs erarbeiteten ein Spielplatzkonzept, das sie im Juni dem Bauausschuss vorstellten (das MT berichtete).

Eine zweite Box stellte der Jugendförderer im April in der Grundschule Hille auf. Wie schon in Nordhemmern erklärten sich auch hier zahlreiche Kinder bereit, in einem Forum mitzuarbeiten.

Und das taten sie dann auch. Ihr Schwerpunkt lag aber nicht auf den Spielplätzen, sondern sie gingen auf eine Art Forschungsreise durch den Hiller Dorfkern, markierten zunächst mit farbigen Nadeln auf dem Ortsplan, wo sie sich gern aufhalten, wo sie Angst und Unsicherheit verspüren, wo sie ein von den Eltern ausgesprochenes Aufenthaltsverbot haben und wo sie sich Veränderungen wünschen, gingen dann raus, fotografierten und spannten Flatterband als Hingucker.

Die zerstörte Hängematte am Kletterbaum.
Die zerstörte Hängematte am Kletterbaum.

Da gibt es beispielsweise den Spielplatz am Kindergarten, der nicht-öffentlich ist, aber Spielgeräte besitzt, die für Kinder durchaus attraktiv sind. Der Wunsch des Forums: Solche Spielgeräte auch auf anderen Spielplätzen aufzustellen.

Dann die Straße Am Seltmoor, eine asphaltierte Gemeindestraße fast ohne Bebauung und dank der ebenen Fahrbahn hervorragend geeignet zum Skaten und Inlinerfahren. Aber es sind dort auch zahlreiche Autos unterwegs, diese Straße ist also ein für Kinder gefährlicher Ort.

Hiller Ortskern mit Kinderaugen gesehen
Ein anderes Beispiel: der Kunstrasenplatz an der Verbundschule. Müll, kaputte Ballnetze, Vandalismus, Jugendliche mit Drohgebärden - hier würden sie sich gern aufhalten.

Oder der von den Kindern auserkorene Kletterbaum am Tennisheim. Er wurde beschnitten, die Hängematte zerstört. Doch Klettern, sagt der Nachwuchs, sei ganz wichtig.

"Es gibt zahlreiche Anregungen", erklärt Gerald Marcks, der betont, dass die Jungen und Mädchen normale, alltägliche, kindgerechte Wünsche äußern. "Da ist keine Maßlosigkeit im Spiel. Sie wissen prinzipiell schon, was sich realisieren lässt."

Aber auch die Jugendlichen sollen zu Wort kommen. Gerald Marcks verteilte in Absprache mit der Leitung der Verbundschule Hille an 490 Schüler und Schülerinnen der Jahrgänge sieben bis elf Fragebogen: Welche Angebote sollte es für Jugendliche unbedingt geben? Wie sieht ihr Freizeitverhalten aus? Wer würde sich in einem Forum engagieren wollen?

Die Kinder schreiben ihre Kritik auf das Flatterband. - © Foto: Gerald Marcks/pr
Die Kinder schreiben ihre Kritik auf das Flatterband. (© Foto: Gerald Marcks/pr)

Ganz oben stehen ein Skaterplatz und mobile Sprayerwände für Graffitikünstler. Und ein Treffpunkt wie ein Jugendcafé, denn als Freizeitvergnügen wurde von 80 Prozent der Befragten "Freunde treffen" genannt.

Doch nicht nur der Standort wird vermutlich entscheidend sein, sondern auch die Attraktivität: Dass die Jugendtreffs in Unterlübbe und Holzhausen vor einigen Jahren mangels Besucherinteresse wieder geschlossen werden mussten, lag vermutlich an der Lage. Dass der Jugendtreff in der Verbundschule nicht in dem Maße angenommen wurde wie erhofft, könnte an der Lage im Keller gelegen haben.

Eine eher passive Haltung nahm die Mehrheit der Jugendlichen bei der Frage nach einer Mitarbeit in einem Forum ein: Zwar zeigte die Mehrheit kein Interesse beziehungsweise führte Zeitmangel als Argument an, doch immerhin 40 Jugendliche wären bereit mitzuarbeiten.

Die Ergebnisse des Hiller Kinderforums und der Jugendbefragung stellte Gerald Marcks kürzlich dem Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport vor.

"Kinder wollen ernst genommen werden"
Sein Fazit: "Kinder und Jugendliche erweisen sich als Experten ihrer Bedürfnisse und wollen ernst genommen werden." Als Schwerpunktthemen hätten sich die Situation auf dem Fußballplatz, ein Skaterplatz, das Aufstellen mobiler Graffitiwände, die Einrichtung eines Jugendcafés und die Verbesserung der Spiel- und Aufenthaltsqualität herausgeschält. "Dieses Ergebnis gilt es jetzt, in Form eines Ortschaftsforums für Kinder und Jugendliche zu bearbeiten."

Und im Frühjahr 2013 werden auch in der Grundschule An der Bergkante in Oberlübbe und Rothenuffeln "Ich trau´ mich, was zu sagen-Boxen" aufgestellt.

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